Rolf Nesch, 1893 im süddeutschen Oberesslingen bei Stuttgart geboren, gehört mit Edvard Munch zu den bekanntesten Künstlern Norwegens. Noch bis zu seinem Tod fand er auch in Deutschland große Beachtung. Die letzte Nesch-Einzelausstellung in einem deutschen Museum liegt mittlerweile jedoch zwanzig Jahre zurück.
Das Kunsthaus Stade widmet dem stillen Revolutionär der Grafik eine umfassende Schau mit rund 130 Werken aus dem Bestand des Hamburger Privatsammlers Klaus Friedrich Meyer. Erstmals wird die größte Nesch-Sammlung außerhalb Norwegens der Öffentlichkeit präsentiert. Ausgewählte Leihgaben aus der Sammlung von Dr. Ekkehard Nümann, der zusammen mit Klaus Friedrich Meyer der Hamburger Nesch-Gesellschaft angehörte, ergänzen die Schau.
Die Ausstellung zeigt frühe Radierungen der beginnenden Zwanzigerjahre, Werke aus Neschs Hamburger Zeit bis 1933 und zahlreiche Metalldrucke aus Norwegen, darunter seine mehrteiligen Arbeiten „Gottvater I“ und „Der Heilige Sebastian“. Abgerundet wird die Präsentation durch Zeichnungen, ein Ölgemälde und ein Materialbild.
Nesch ist der Erfinder des Metalldrucks und er experimentierte zeitlebens mit den grafischen Techniken, wobei er zu einer einzigartigen Formensprache fand. Zu Lebzeiten feierte er internationale Erfolge, war auf der documeta I, II und III und vertrat Norwegen auf der Biennale in Venedig. Museen weltweit besitzen seine Arbeiten, darunter das MoMA in New York, das British Museum in London und die Bibliothèque nationale in Paris.
Seine Metalldrucke dürfen durch die besondere Technik allesamt als Unikate gelten. „Nesch war immer ein Außenseiter der Kunstszene, einer der großen Einzelgänger, isoliert, auf niemanden angewiesen, total unabhängig“, schrieb Die Zeit 1973.
Sein Leben
Rolf Nesch begann als Expressionist und war an der Dresdner Akademie Schüler von Oskar Kokoschka. Sein künstlerischer Fokus lag zunächst auf der Ölmalerei, noch nicht ahnend, dass es die Grafik sein würde, die ihm seinen Durchbruch bringt. 1924 hielt er sich mehrere Wochen bei Ernst-Ludwig Kirchner im schweizerischen Davos auf. Hier lernte Nesch die Grafik kennen und vor allem, selbst zu drucken. Der Grundstein für seine Karriere war gelegt. Er lebte in Berlin und Esslingen, hatte jedoch viele Unterstützer in Hamburg. So siedelte er 1929 in die Hansestadt über und fasste dort in der Kulturszene Fuß. Der Kunsthistoriker und Leiter des Museums für Kunst und Gewerbe Max Sauerlandt vermittelte dem ambitionierten Nesch den Auftrag „Karl Muck und sein Orchester“. Der gebürtige Süddeutsche wurde schlagartig bekannt – Die Serien „St. Pauli“ und „Hamburger Brücken“ entstanden.
Er wurde Mitglied der Künstlergruppierung „Hamburgische Sezession“, die durch zahlreiche Ausstellungen und rauschende Feste auf sich aufmerksam machte. Nachdem seine Bilder 1933 von den Nationalsozialisten aus einer Ausstellung entfernt wurden, entschloss er sich, Deutschland zu verlassen. Er hatte zunächst noch versucht, seinen ehemaligen Kriegskammeraden und den neuen Hamburger NS-Bürgermeister Carl Vincent Krogmann von der Freiheit der Kunst zu überzeugen, jedoch erfolglos. So emigrierte Nesch noch im Herbst 1933 nach Norwegen: „Ein Land, das einen Munch hat, muss gut sein.“
Der Beginn in der Fremde war zunächst schwer, Nesch und seine Frau hatten große finanzielle Probleme und brauchten immer wieder Unterstützer. Irma hielt die Probleme irgendwann nicht mehr aus und ging zurück in die Heimat. Der 50-jährige Künstler sollte 1943 von der Wehrmacht eingezogen werden und warf sich aus Verzweiflung vor eine Osloer Straßenbahn, eine lebenslange teilweise Lähmung war die Folge.
Nach dem Krieg wurde er norwegischer Staatsbürger und heiratete die Schauspielerin Ragnhild Hald. Ab 1950 lebte er ruhig auf einem Hof zwischen Bergen und Oslo. Er bekam zahlreiche öffentliche Aufträge in Norwegen und stellte auch wieder in Deutschland aus. Dazu kamen internationale Erfolge. 1975 starb er 82-jährig in Oslo.
Seine Technik
Nesch hatte in seiner Hamburger Zeit die Drucktechniken revolutioniert. Der erste Schritt war die Durchätzung der Radierplatten, die zu Erhebungen auf dem Papier führte und den Drucken einen reliefartigen Charakter verlieh. Der nächste Schritt war die Erweiterung der Druckplatten, indem er Draht und Lochplatten anlötete – beeindruckende Grafiken entstanden.
In Norwegen entwickelte er den Metalldruck immer weiter. So benutze er einzelne Elemente in immer neuen Zusammenstellungen. Darüber hinaus entwickelte er die sogenannten Materialbilder. Er fügte unterschiedlichste Gegenstände zu Bildern zusammen, dabei bediente er sich an der Natur oder nutze Metallreste. Die Werke sind mehrere Meter groß und erforderten jahrelange Arbeit. Noch heute sind seine Arbeiten in öffentlichen Gebäuden in Norwegen zu sehen.
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