Gesellschaft Freunde der Künste

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"Ich male wenn die Worte nicht ausreichen"

Ausstellung in Mainz - Der Charme des Natürlichen, der Charme des Eigenständigen - Zu Angelika Wendes "Medea Metamorphosen"

Am Freitag den 19. März ging es für uns mal wieder auf Tour. Diesmal nicht nach Frankfurt, sondern nach Mainz in die Kapuzinergasse. Wir wollten uns die Ausstellung von Angelika Wende anschauen. Dieses Mal wollten wir nicht viel sprechen als Interviewer, dieses Mal wollten wir zuhören. Im Vorfeld wurde uns schon mitgeteilt, dass die freischaffende Künstlerin Angelika Wende tiefgründige Gedanken zum Leben und der Liebe mitzuteilen hat.

Die Einführung zur Ausstellung übernahm Christian Felder

Lorenz Klee, der in Frankfurt am Main geborene und seit der Spielzeit 2006-2007 am Staatstheater Mainz spielende Schauspieler trug den Text zu Medea vor, den Angelika Wende zu ihrer Ausstellung geschrieben hat.

2007 spielte Lorenz Klee die Rolle des Bastian in dem Film "Stadtstreicher" einem Drama von Benjamin Dominik Reding.

Zur Künstlerin Angelika Wende von Christian Felder:

Als sie mich bat diese Einführung zu verfassen waren mir zwei Dinge klar:

Erstens: Die Geistesverwandtschaft würde dies zu einer schweren Aufgabe machen, da Abstand zu einem Teil von sich selbst schwer zu gewinnen ist.

Und zweitens: Dass es eine Ehre ist, darum gebeten zu werden und ich mein Bestes zurückgebe, Angelikas ehrgeizigen Ansprüchen gerecht zu werden, die übrigens ab hier Angelika Wende heißen wird.

Angelika Wende ist keine staatlich lizenzierte Künstlerin. Sie hat keinen Abschluss einer Kunsthochschule oder ähnliches vorzuweisen. Manchmal empfindet sie ihre Bilder als "handwerklich nicht ausgereift".

Das mag stimmen, doch sie hat etwas das vielen "Meisterschülern" fehlt: innere Notwendigkeit. Der Trieb die Ereignisse der Welt malerisch zu verarbeiten ist tief in ihr verwurzelt.

Gerade in diesem Zyklus werden wir mit einer ungeschönten aber auch zugleich unumstößlich notwendigen Bildwelt konfrontiert.

Diese lockt durch ihre Intensität. Im Kampf mit dem Handwerk wird Wendes "Müssen" umso deutlicher sichtbar. Entgegen der Schwierigkeiten wirft sie ihre Leidenschaften in die Wagschale, kämpft um jedes Bild und erzeugt in dieser unvermeidbaren Unzulänglichkeit etwas das in der Kunst unbezahlbar bleibt:

Authentizität. Der Charme des Natürlichen, der Charme des Eigenständigen.

Natürlich, "schön ist etwas anderes". Und zum Sofa passen die Bilder auch nur bedingt. Doch diese naiven Kunst-Vorstellungen können wir getrost hinter uns lassen. Malerei ist Möglichkeit. Möglichkeit zur Entwicklung.

Geburten sind, soweit mir das von Beteiligten versichert wurde, immer mit Schmerzen verbunden. Ich empfinde es als eine höhere Stufe der Reife auch die schmerzhafte Erfahrung über die Bequemlichkeit zu stellen und sie als Bereicherung zu begreifen.

Durch diese Bilder erweitern wir unsere psychische Wirklichkeit um die Einsichten eines klugen und scharfsinnigen Individuums. Es ist an uns, den Betrachtern, einem wunderbaren, teilweise schmerzhaften, Ereignis beizuwohnen.  

Medea Metamorphosen

Einführung

Medea ist als schöne, selbstbewusste, unabhängige Frau überliefert. Zahlreiche Quellen beizeichnen sie als Zauberin.

Medea verlässt.

Für die Liebe Jasons gibt sie ihre Familie und ihr Vaterland, ihre Identität, auf. Bei Euripides und Seneca tötet sie für Jason sogar ihren eigenen Bruder. Sie opfert für ein Leben mit dem Mann den sie liebt, alles was ihr wichtig ist. Sie und Jason zeugen zwei Kinder. Jasons verrät seine Gefährtin indem er Glauke, die Tochter des korinthischen König Kreon, zur Frau nimmt.

Medea wird verlassen.

Sie schmiedet mit kühler Ratio einen Racheplan: Die Tötung der eigenen Kinder. Nichts aus dieser verratenen Liebe darf übrig bleiben. Dafür wird sie verurteilt, dafür wird sie gehasst.

Und trotzdem, trotz ihrer Hybris, hat sie unsere Anteilnahme und unser Verständnis, sieht man auf die Verstrickungen ihres Schicksals. Wir verstehen ihre "Wut, und Ohnmacht, Trauer gegenüber dem was" Liebe "einem antun kann - oder Menschen".

Wie lautet Ihr Urteil?

Die Lösung der Griechen war "deus ex machina" und Medea flieht am Ende des Dramas mit dem Drachenwagen des Helios. Manche behaupten nach Athen, andere sind ihren Spekulationen vorsichtiger. Ein eindeutiges Urteil über ihr Verhalten ist mir aus keiner der antiken Quellen bekannt.

Auf der anderen Seite die Metamorphose: Die Metamorphose bezeichnet den Begriff der Verwandlung durch Entwicklung. Bei Ovid handelt es sich hierbei um die Entstehungsgeschichte der Welt.

Medea entwickelt sich, folgen wir ihr bei der Entstehungsgeschichte ihrer Welt, ihren Metamorphosen, mit den Werkzeugen der Bildbetrachtung.

Betrachtungen

Wir sehen Figuren. Einzelne, im Paar, im Drei-Mensch-Verhältnis, kleinere Gruppen. Gemalt in einem Stil der sich von Individualität entfernt und als Stilmittel die Reduktion der Form zu nutzen weiß.

In dieser Reduktion wird von dem konkreten Menschen, von der konkreten Situation, auf das Allgemeine abstrahiert. Als Heroen der Malerei begegnen uns die ewig immer wiederkehrenden Konfliktpfeiler menschlicher Existenz.

Der Einzelne mit sich selbst. Zurückgeworfen auf das Selbst, getrennt von dem Ersehnten, sind einzelne der Figuren mit vertikalen Elementen konfrontiert. Wände, Widerstände, Blockaden im Blickfeld der Figur. Es scheint etwas zu fehlen.

"Wir Menschen sind Halbierte, die sich nach Ganzheit sehnen."

Das Paar. Zusammengehörige Fremde. Nahe Distanz. Zärtliche Kälte. Hassende Liebe.

Die Paradoxie wird deutlicher. Eine Figur konkret, eine andere von ihr durch einen traumähnlichen Schleier oder stärker werdende Reduktion getrennt. Ein Kommunikationsversuch zwischen entfernten Welten.

Figuren unterschiedlich, wie sie das Leben erzeugt, die trotzdem die Anlage zur Zusammengehörigkeit in sich tragen. Eine Figur sieht die andere an, doch diese sieht nicht zurück.

Das Drei-Mensch-Verhältnis. Hier verdichtet sich der Konflikt. In farblich paradiesisch anmutendem Umfeld kommt es zu Angriffs- und Schutzhandlungen. Zwei Figuren sind aktiv, entscheidend, durch geschickten Anschnitt als größer wahrnehmbar. Eine dritte ist passiv, dem Großen ausgesetzt.

Farblich bewegt sich Wende im Bereich der gebrochenen Farben. Die naive Reinheit wurde durch Vermischen harmonisiert und gebrochen. Der Preis dafür ist der Verlust der Idylle farblicher Naivität.

Sie öffnet sich für das Schwarz, lässt die Hoffnung aus manchen Bildern gänzlich verschwinden und führt uns in erschütternde Bildwelten, deren Stärke sich die offene Psyche nicht widersetzen kann.

Einzig kühle, leuchtende Blautöne brechen diese Grundharmonie gelegentlich auf. Dieser Ton hat Kühle und Distanz, aber eben auch Klarheit und Hoffnung.

Abgesehen von den Grauharmonien und den Erdtönen spielt im Kontrast zum leuchtenden Blau das gebrochene Rot eine zentrale Rolle. Wärme und Kälte sind hier ein dominantes Thema. Nähe und Distanz. Wunsch und Wirklichkeit. Hoffnung und Erfahrung.

Wir sehen uns mit einem ernüchterten Weltbild konfrontiert. Der Verlust der paradiesischen Unschuld durchzieht das Werk, genauso wie die Sehnsucht nach eben diesem. Wir sehen die Bereitschaft den Finger in die Wunde zu legen.

An manchen Stellen sogar eine gewisse Lust den Finger noch tiefer in die Wunde zu stecken als vielleicht nötig. Ein Durst nach Erfahrung und intensivem Leben wird uns zuteil. Weit davon entfernt dekorativ oder gefällig zu sein, widmet sich Wende intensiv der Entwicklung der Psychologie durch die Malerei.

Ein Modigliani verwandter Stil macht sich die Wirklichkeit untertan. Frau Wende hat einen Standpunkt, Ihre Sicht der Dinge.

Wo Modigliani lasziv-ursprünglich arbeitet und die Naivität der Darstellung durch Details, wie lediglich angedeutete Augen bricht, invertiert Wende dieses Vorgehen.

Sie bricht die Naivität als erstes, die Hoffnung liegt bei ihr im Detail und treibt daraus "eine Blüte, die bei einem ersten, oberflächlichen Blick einer Blume des Bösen gleicht, aber deren wahres Selbst die Liebe ist." 

Nach dieser kleinen Reise fällt vor allem ein Fehlen auf. Hiermit meine ich auch das Fehlen des rechten Auges zahlreicher Figuren. Das Auge ist unser Werkzeug zum Betrachten der Welt.

Diese Wahrnehmung ist für viele von uns prägend und formt zwangsläufig, als mächtigster Sinn, unser Weltbild. Auf der anderen Seite gilt das Auge als "Fenster der Seele". Es ist Mittler zwischen dem Inneren und dem Äußeren. In beide Richtungen.

Was ist es, das nicht wahrgenommen wird? Was dürfen wir nicht sehen? Was versteckt sich hinter dem uns entzogenen Auge?

Der Respekt vor der Leistung der Künstlerin erlaubt hier nur Fragen. Fragen auf die es vielleicht keine eindeutige Antwort geben kann. Nur die Notwendigkeit der Darstellung.

"Male ich das Auge, muss ich es wegwischen. Es fühlt sich für mich einfach falsch an“, sagte Angelika Wende in einem Gespräch. Sie folgt keinem Programm, sie folgt ihrer Intuition.

Intuition als Maxime, das authentische Gefühl aus Erfahrung als Messlatte, die Notwendigkeit bildnerisch zu gestalten. Dies scheinen mir die drei Grundpfeiler ihres Schaffens zu sein.

"Ich male wenn die Worte nicht ausreichen, um das zu beschreiben was in mir ist...," schreibt sie in einem Text.

Lassen wir die Bilder sprechen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und bitte beachten Sie auch die Blautöne.

© Christian Felder 2010

Medea Metamorphosen

„Wir Menschen sind Halbierte, die sich nach Ganzheit sehnen.“

Ein Gedanke aus Platons Symposion 

Ein Mythos, der sich in all seinen dramatischen Gestaltungen durch die Jahrhunderte von Euripides bis zur zeitgenössischen Literatur durchzieht, eine Tragödie, festgemacht an einer Frau, die leidenschaftlich liebt und leidenschaftlich tötet.

Medea ist eine tragische Figur von höchster Ambivalenz, eine Figur, deren Geschichte man folgen kann, deren Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen man verstehen oder gar nachvollziehen kann bis zu dem Punkt, der sprachlos macht -  die Hybris der Tragödie, die Medea zum Sinnbild des Bösen macht – der Mord an ihren leiblichen Kindern.

Was macht diese Medea aktuell bis heute? Was ist es, das uns fasziniert an dieser Geschichte? Die Sehnsucht, die Liebe, die Angst, der Hass, die Rache, die Verzweiflung, die Schuld und der Tod - all das birgt der Mythos in sich. Archetypen, die unser Leben durchziehen, kollektiv und individuell.

Medea ist ein Spiegel der zum Zerrspiegel wird, der es am Ende unmöglich macht hineinzuschauen, ohne den Impuls zu verspüren, sich abwenden zu müssen.

Es ist das Böse das uns gegenübertritt in seiner dunkelsten und unbegreiflichsten Erscheinung, die Unfassbarkeit des Maßes an Zerstörung, die zu immer neuer Analyse herausfordert, die aber nur schwer gelingen kann, denn das Unbegreifliche existiert als ein Etwas das größer ist als wir.

Es sind überwiegend die weiblichen Literaten, wie Christa Wolf in ihren Medea Stimmen, die Argumente finden, um Medea in die Opferrolle zwängen. Opfer sind entschuldbar.

Und es sind die männlichen Stimmen in der Literatur, die sich am Wirken des Thymos festhalten, den Trieb dieser Frau in den Focus stellen, der jenseits von Ratio und Instinkt sich entfaltet, nach der Demütigung durch Jason, dem Geliebten, der Medea benutzt, betrügt und verrät.

Es gibt Entschuldigungsgründe für Jason, wie bei Anouihl, der ihn seiner Schuld enthebt oder zumindest beide zu Opfern und Tätern macht. Opfer einer ungesunden, obsessiven Liebe, die scheitern muss.

Medea ist eine Frau, die den Männern suspekt ist, im Tiefsten allein.

Eine Frau, die anders ist, die sichtbar von der Norm abweicht, heute wie damals, eine Frau, die den Mythos der Weiblichkeit demontiert in allem was sie ausmacht und in allem was sie tut. Medea ist eine Gefahr für das Kollektiv und damit Symbol für etwas, womit das Kollektiv nicht umgehen kann.

Was wir nicht sehen wollen verdrängen wir, wir schließen es aus, verbannen es, schicken es irgendwohin – wo es uns mit uns selbst und unseren Schatten nicht mehr konfrontieren kann.

Medea – die Ausgestoßene.

Die Tragik dieser Figur ist die Tragik aller, die anders sind und  ihren Platz im Leben nicht finden, verzweifelt sie. Sie scheitert an sich selbst, an ihrer wesenhaften Disposition, die der Wirklichkeit nicht standhält.

Leidenschaft, die Fähigkeit unbedingter Liebe, der Antrieb aus dieser Liebe heraus alles zu tun, ist Medeas tiefstes inneres Wollen. Ihre persönliche Odyssee beginnt, indem sie sich Jason als Objekt für ihre Liebe sucht.

Er ist schwach und sie ist stark. Er nimmt ihre Stärke, solange sie ihm nützt und hält sie nicht aus, weil sie ihn kleiner macht in seinen Augen.  Dieser Mann ist klein, zu klein für eine große Frau.

Warum macht diese starke Frau die Erfüllung ihrer Sehnsucht an ihm fest?

Ist sie blind, oder im Innersten so einsam, dass sie im Gefühl endlich geliebt und gebraucht zu werden, seine Schwäche übersieht und verdrängt?

Beginnt das Drama Medeas nicht dort, wo alle menschlichen Dramen beginnen? In ihr selbst, in ihrer psychischen Struktur.

Und ist das Außen nicht nur der Spiegel dessen, was der Mensch in sich trägt?     

Wir werden zu dem, was wir sind ...

Medea ist zerrissen, heimatlos schon in der eigenen Heimat, nicht einverstanden mit dem Vater, die Mutter ist abwesend. Wir erfahren nichts von ihr. Sie ist eine Fremde im eigenen Land und damit auch im eigenen Leben, beseelt von einer Sehnsucht, die namenlos ist, beseelt davon sie festzumachen an einem anderen, dem Geliebten.

Sie ist nicht souverän, hat keine wirkliche Ich-Stärke, sie ist eine Sucherin, maßlos, und weit davon entfernt, bei sich selbst zu sein. Nur so ist der Mensch anfällig für die Opferrolle.

Medeas Tragödie ist die vieler Frauen. Noch heute, und immer wird es so sein, ist tief im Inneren der Frau ein leises, unbestimmtes Gefühl von Unvollständigsein, wenn sie ohne einen Gefährten durchs Leben geht.

Es gibt dieses unbewusste Wünschen - eine Lücke schließen zu wollen mit der Liebe, die sie in sich selbst nicht findet.

Das hat nichts mit Zeitgeist zu tun, nichts mit einer bis heute fragwürdigen Emanzipation. Es ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis, das mit Adam und Eva beginnt - die Sehnsucht des halbierten Menschen nach Ganzheit, wie es Platons Symposion so bildhaft darstellt.

Egal ob Frau oder Mann, wir versuchen das Hineingeworfensein in die Welt zu überwinden. Nur dass Frauen diese Sehnsucht aufgrund ihrer seelischen Struktur intensiver spüren und  intensiver leben.

Die Anima ist empfänglicher für die Dinge. Im Wesenhaften des Weiblichen lebt Gaia, Mutter Erde, die Empfangende, die Leben Spendende, das Prinzip von Werden und Vergehen – das Sinnbild des Kreislaufs des Lebens schlechthin.

Hingegen Animus: das männliche, das geistige Prinzip, das Klarheit und Struktur gebende. Pole wie sie konträrer nicht sein können.

Seit C.G. Jung wissen wir, dass wir alle Beides in uns tragen, die Frau den Animus, ebenso wie der Mann die Anima. Und es ist  Ziel diesen Antagonismus in uns selbst zu integrieren um zur Individuation zu gelangen.

Die Tragödie – wir schaffen es nicht, weder die Integration dieser beiden Anteile in uns selbst, noch die Vereinigung mit dem  polaren Gegenüber zum Guten hin.

Die Beziehung zwischen Mann und Frau ist die vertrauteste und unheimlichste, die unbedingteste und konfliktreichste - Urgrund unzähliger Dramen, damals wie heute.

Es ist die Unfähigkeit, dem anderen sein Anderssein zu lassen. Weit ab von Einsicht, Akzeptanz und friedlicher Koexistenz, wabert der Kampf der Geschlechter, durchzogen vom Trieb uns fortzupflanzen. Nicht ohne einander und schlecht miteinander.

Mann und Frau sind fähig zu verschmelzen. Für Momente in der Zeit eine Einheit zu sein - das Gefühlte von Einheit. Nach dem  Verlassen des Bettes  - das Gefühl von Getrenntsein.

Medea erträgt dies nicht, sie ist mit Jason symbiotisch verschmolzen. Sie lebt sich durch ihn.

Ihre Persönlichkeitsstruktur ist eine narzisstische. Sie ist die, die sich selbst im anderen liebt, sich selbst nur im anderen spüren kann, allein ist sie einsam, von einer inneren Einsamkeit, die sie verzweifeln lässt.

Jason -  der Komplementärnarziss, der sie braucht, um sich selbst wertvoller zu fühlen. Er wird zum Helden allein durch Medeas kompromissloses Handeln.

Mit Jasons Eintritt in Medeas Leben beginnt das Morden, durch Verrat am Vater, am Bruder. Alle Mittel sind recht, um das geliebte Objekt an sich zu binden. Sie hat ihn sich einverleibt – im wahrsten Sinne des Wortes und er lässt es zu.

„Sieh, was ich für dich tue! Du musst mich also lieben“. Eine Motivation, die der Wunde des Ungeliebten entspringt. 

Hierin liegt sie begründet, die Pathologie der Medea, der Ursprung dieser Tragödie, ein metaphorischer Ausdruck des Innersten der Protagonistin im Außen. 

Medeas In - der - Welt – sein, das fatale Folgen für die Welt hat in die sie geworfen ist, ist Dreh- und Angelpunkt des sich zuspitzenden Plots. Medea ist eine Geschichte, die die Beziehung der Frau zu sich und die Beziehung von Mann und Frau  zum Inhalt hat. Sie erzählt von zwei Fremden, die sich vertraut miteinander machen, um am Ende zu erkennen, dass das Fremdsein ein unüberwindbares ist.  

Das Blut der Kinder, das vergossen wird, ist das ihre - ihr miteinander vermischtes Blut. Es bringt den Tod und nicht das Leben in die Adern, weder für Medeas noch für Jasons Selbst, noch für die Zukunft der nachfolgenden Generation in Sachen Liebe. Das Töten der Kinder ist das Töten der Möglichkeit von  dauertüchtiger Liebe. Das Sinnbild für das Sterben des Glaubens an die Liebe.

Eros oder Phylia - beides ist unlebbar.

Die Liebe hat keinen lang anhaltenden Effekt, sie ist flüchtig. „Immer trägt sie den Charakter des Todes in sich“, wie André Breton einmal sagte ... anders zu denken ist ein Phantasma zwischen Männern und Frauen, das an einer Jahrtausende langen Gegenteilsbeweisführung zerplatzt.

Das Vergehen der Liebe, ihren Tod nicht zu akzeptieren ist Medeas größtes Vergehen.

Hierin liegen die Tragik und das Entsetzen über die Kindsmörderin Medea, die an der Seele des Medea Rezipienten andockt, verschlüsselt zwar, aber dennoch den Weg findet zu dem Erkennen:

Jeder ist allein. Und das ist das Unerträglichste. Die Nichtakzeptanz dieser Wahrheit kann die sensible Seele in den Wahnsinn treiben. 

Medea und der Wahn.

Die Verzweiflung, die realitätsnah wird und schließlich handlungsleitend, die Verzweiflung, die das Ich von der Welt schrittweise abtrennt, die Existenz ad absurdum führt, das Versinken ins Leere und im Gewahrsein dessen der Tod des Ichs und der darin eingeschlossene Wunsch nach Zerstörung dessen was das Ich zerstört – das Scheitern eines metaphysischen Liebesbegriffes.      

Medea, die Kindsmörderin.

Frauen töten um sich aus Beziehungen zu befreien, in denen sie gedemütigt wurden. Bevor sie zu Täterinnen wurden waren sie Opfer. In den meisten Fällen töten sie ihre Kinder.

Gedemütigte weibliche Opfer – von Männern gedemütigt?

Oder von einem Ideal, einer unstillbaren, nicht erfüllbaren Sehnsucht nach der einen wahren Liebe - am Manne festgemacht?

Warum töten Frauen die Kinder dieser Männer?

Sie töten, um das zu vernichten, was das Liebste ist – dasjenige was ihre Liebe hervorgebracht hat – das eigene Fleisch und Blut.

Scheitert die Liebe  – scheitert elementares.

Ein Aufschrei der verwundeten Seele, der hörbar sein soll und fühlbar ...von der Welt. 

„Es gibt kein größeres Verlangen als das eines Verwundeten nach einer anderen Wunde“, schreibt der Philosoph Georges Batailles.

Bei Euripides hat Medea am Ende ihre Katharsis – sie wird vom Sonnenwagen in den Himmel gehoben ...freigesprochen.

Bei Seneca ist sie die Furie.

Bei Anouilh ist sie das wilde Tier.

Bei Neill La Bute sitzt sie im Gefängnis – verurteilt.

Bei Christa Wolff ist sie der Sündenbock.

Die Medeas von heute sitzen in Psychiatrien und in Frauengefängnissen.

Die meisten von ihnen sind Suizid gefährdet. 

 Angelika Wende

Vita

Angelika Wende

Die andere in mir - KALi

Ich, In einer Aprilnacht in die Welt geworfen

Heimat ist in mir selbst 

Mein Lebensweg - eine Suche

Meine Sehnsucht - die nach Wissen und Gelassenheit

Mein Motor - Kreativität

Mein Glaube – Liebe ...  

Studium der Literaturwissenschaften, Johannes Gutenberg Universität Mainz

Ehemalige Fernsehmoderatorin Pro 7 und ZDF

Ausbildung zur Psychologischen Beraterin

Künstlerische Studien bei Matthias Rüppel, Maler und Bildhauer

Freie Journalistin

Autorin

Kuratorin

Kunstschaffende

Buchveröffentlichungen:

„Ich hatte Angst...“

„Farben der Tränen“

Co-Autorin „ Die C4-Homöopathie – Eine Reise in neue Welten einer alten Heilkunst“, arboresal verlag, Mainz 2008

Malerei:

Ich male wenn die Worte nicht ausreichen, um das zu beschreiben was in mir ist ....

Ausstellung vom 19. März bis 17. April 2010 Galerie ka5, Kapuzinerstrasse 5, 55116 Mainz

www.galerie-ka5.de

Tel. 0049 6131 6299846

Mob. 0171 9322363

Öffungszeiten: Mi-Fr 11-16 Uhr, Sa 11-15 Uhr

http://www.angelikawende.de/

Angelika Wende | angelikawende@aol.com

links:

http://www.freundederkuenste.de/empfehlung/ausstellung/einzelansicht/article/unter_dem_titel_medea_metamorphosen_gibt_angelika_wende_freischaffende_kuenstlerin_und_moderatorin.html