Gesellschaft Freunde der Künste

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kurator Dirk Luckow verabschiedet sich von der Kunsthalle zu Kiel,

Ausstellung in Kiel: Steppin in´out - "Glanzstücke neu entdeckt" - in der Kunsthalle Kiel bis 10.1.2010

Mit einer kuratorischen Hommage an die Fördestadt verabschiedet sich Dirk Luckow von der Kunsthalle zu Kiel, der er in den sieben Jahren seines Wirkens durch
unverwechselbare Ausstellungskonzepte zu einer überregionalen Ausstrahlung verholfen hat. Bevor der 51-jährige Museumsdirektor die Hamburger Deichtorhallen (Haus der Photografie, Halle für aktuelle Kunst) am 1. Oktober als Intendant übernimmt, ist er noch einmal ins Depot der Kieler Kunsthalle hinabgestiegen. Steppin’ Out, so der Titel derAusstellung, die mehr Aufbruch denn Abschied transportiert und viele Aspekte des Zeitlichen, Temporären und der Veränderung beinhaltet.


Es scheint: Zum Abschied zeigt der in Hamburg geborene und nun nach Hamburg
zurückkehrende Ausstellungsmacher und Museumschef, was viele immer sehen wollten und was er sich bis zum Ende aufsparte: Exquisit-Heimatliches Seite an Seite mit extravaganten Positionen zeitgenössischer Kunst. In den zwölf Ausstellungskabinetten finden Meisterwerke der Kieler Sammlung zusammen, deren Zusammenhalt nicht der Chronologie, sondern visueller Eindrücklichkeit geschuldet ist und vom Betrachter das genaue Hinsehen, assoziative Wahrnehmen und subjektive Wegträumen verlangt.

Es ist vielleicht wie im Theater. Der Besucher betritt die Ausstellung, steht in einem
schwarz-grauen Raum und ist von der präzisen bühnenhaften Rauminszenierung
gefangen: Eine langgezogene Sichtachse schickt ihn auf eine dis-chronologische
Zeitreise. Die farb-, licht- und materialintensiven Landschaften von Christian Rohlfs, Carl Arp und Hans Peter Feddersen verbinden sich plötzlich mit der hölzernen und
auratischen Körperlichkeit eines Stephan Balkenhol. Attribute der Zeitlichkeit und
Geschwindigkeit von Andreas Slominski, Dirk Skreber, Neo Rauch und T. Lux Feininger
werden mitgenommen, um diverse - auch politische - Umwege zu erzwingen. Der
Besucher läuft auf ein tiefblaues Kabinett zu: eine Kirchenarchitektur von Christian Rohlfs zwischen zwei seiner pointillistischen Landschaften. Hier endet das Bühnenbild an seinem revidierten Ausgangspunkt, einer feinsinnigen, flimmernden, impressionistischen Bildoberfläche, die die Neugier des Auges bündelt, beruhigt und weiterleitet. Ende des ersten Aktes.


In dem nächsten Bedeutungskorridor scheint es um weibliche Themen zu gehen: Die
Hochzeit, die Frau in der Landschaft, die Bäuerin im Haus, Kinder ohne Frau – und das
Bordell – Heimatbilder, gebrochen. Weiter geht es mit einer feinstofflicheren Auffassung des Weiblichen in Symbolismus und Feinmalerei, um dann zu einem Blumenstillleben und der Rose von Joseph Beuys überzuleiten. Szenenwechsel: Realismus, wiederum in diversen Spielarten von Ost und West – vom politischen, über den religiösen bis hin zum urbanen Realismus eines Hendrik Krawen, sockellos und schnörkellos. Der nächste Raum hält inne und fragt, sich selbst selbstversichernd: Was ist der Mensch, wie präsentiert er sich und was ist Repräsentation? Porträts, Gesellschaftsbilder und Gartenszenen geben das Spektrum der Antworten vor. Im nächsten „Akt“ wird der Besucher sowohl auf den Klassizismus als Epoche wie das Klassische als Lebenshaltung gelenkt.

Ein mögliches Fazit: Der Hamburger Künstler Stefan Kern tritt spannungsvoll der Büste von Bertel Thorvaldsen entgegen. Geschichte und Zeitgeschichte verschränken sich und erhellen sich gegenseitig. Umgekehrt chronologisch kommen im letzten Raum die ältesten Arbeiten zur Geltung. Feine Werke des europäischen Golden Age: Jacob von Ruisdael, der Brueghel-Schule und Adriaen Pietersz van de Venne. An einer feinen
Kupferplatte mit einer Opfer-Szene des Salomon von Johann Georg Platzer bleibt die
Erinnerung haften: sie ist eine der vielen Neuentdeckungen dieser Werkschau.
In seiner letzten Sammlungspräsentation in Kiel zeigt Dirk Luckow herausragende Werke aus dem Bestand. Damit ist die Ausstellung Steppin’ Out. Glanzstücke der Sammlung NEU ENTDECKT nicht nur ein Dank an die Treue der Besucher, das Engagement des Schleswig-Holsteinischen Kunstvereins und der Mitarbeiter des Hauses, sondern auch eine Verneigung vor dem Stifterkreis, den Mäzenen und zahlreichen Förderern aus Wirtschaft und Politik, die durch ihr finanzielles Engagement Neuerwerbungen von individueller Qualität erlaubt haben.

Künstlerliste:

Albert Aereboe, Carl Arp, Stephan Balkenhol, Max Beckmann, Joseph Beuys, Martin Boyce, Peter Brüning, Lovis Corinth, Marlene Dumas, Peter Doig, Harald Duwe, Hans Peter Feddersen, T. Lux Feininger, Hans-Peter Feldmann, Jacob Grimmer, Jakob Philipp Hackert, Erich Heckel, Bernhard Heisig, Alexander Kanoldt, Stefan Kern, Georg Friedrich Kersting, Per Kirkeby, Ernst Ludwig Kirchner, Hendrik Krawen, Gotthardt Kuehl, Mathieu Mercier, Paula Modersohn-Becker, Friedrich Loos, Emil Nolde, Hans Olde, Max Pechstein, Neo Rauch, Ilja Repin, Daniel Richter, Gerhard Richter, Karl Peter Röhl, Christian Rohlfs, Jacob van Ruisdael, Thomas Schütte, Dora Schröder, Norbert Schwontkowski, Franz Skarbina, Dirk Skreber, Andreas Slominski, Johann Sperl, Volker Stelzmann, Ludwig Philipp Strack, Bertel Thorvaldsen, Johann Anton Tischbein, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Emilio Vedova, Adriaen Pietersz van de Venne, Erik Werenskiold, August Wilckens.

Pressekontakt:

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