Das Ringen der Künstler mit eigenen Ambitionen und Unvollkommenheiten faszinierte und elektrisierte schon immer die menschliche Imagination. Weil die verzwickten Gedanken des künstlerischen Schaffens oft unverständlich sind, erweckte und erweckt die Fähigkeit der Übertragung der künstlerischen Idee, der Entwurf für das auszuführende Werk noch immer Bewunderung.
Die Suche nach der adäquaten Form, der Expression und des Sichtbaren ist ein langwieriger Prozess, welcher das ganze Leben des Künstlers dauert. Deshalb ist es so faszinierend zu beobachten wie in den verschiedenen Werken der Stil des Künstlers sich verändert, reift und immer vollere Formen annimmt.
Die Ausstellung Lukasz Butowskis in der Galerie Sandhofer erlaubt uns das Nachspüren der verzwickten Wege der künstlerischen Entwicklung.
Die Exposition bildet eine Mini-Retrospektive des bisherigen Werdegangs dieses jungen, polnischen Künstlers, welcher als Assistent an der Fakultät für Grafik an der Akademie der schönen Künste in Danzig tätig ist. Butowski beschäftigt sich mit Malerei und Grafik, daher werden in der Ausstellung Arbeiten in beiden Techniken gezeigt.
Seine Diplomarbeit bildet den Ausgangpunkt der Ausstellung. Die großformatigen Leinwände sind geheimnisvolle, mehrdeutige Spektakel, teils Stillleben, teils Inszenierungen. Auf dem durch dicke, schwarze und stark gefaltete Folie bedeckten Boden liegt ein Spiegel, auf seiner roten Oberfläche spiegelt sich ein weiblicher Torso.
Auf anderen Leinwänden vermischen sich die gespiegelten Bilder: Torso und hängende Füße, aus zwei Perspektiven gezeigt, sind im gleichen Moment im Spiegel auf dem Bild „Roter Paravent“ 2007 sichtbar. Dass der Titel mit dem, was gemalt wurde nicht überein stimmt, überrascht. Indem der Künstler das Gefühl der Diskrepanz herbeiruft, suggeriert er dem Zuschauer, dass Jenes, welches sich im Spiegelfragment spiegelt eine Täuschung ist, eben ein „Paravent“ der Realität.
Auf dieser Art und Weise ist der Titel des Bildes nicht seine Beschreibung sondern ein Dialog mit dem Betrachter. Genauso wie unsere Abbildung im Spiegel nicht unser treues Abbild ist weil es umgekehrt, seitenverkehrt gezeigt wird. Diesen seltsamen, bedeutenden Dualismus zeigt Butowski in seinen Bildern. Die Leinwandbilder wirken umso stärker, weil in die monochromen Hintergründe die eingefügten Spiegel intensiv farbig Rot oder Blau sind.
Starke Farben voller Expression emanieren aus den neuesten Werken des Künstlers. Inspiriert durch das Schaffen deutscher Expressionisten, der italienischen Transavantgarde und der polnischen expressiven Malerei der 80-er Jahre treten sie in Dialog mit ihren Vorgängern und den von ihnen getragenen Idealen. Der hauptsächliche Held ist immer der Mensch, jedoch wird seine Gestalt stark dramatisiert.
Der Künstler verzichtete auf Studien der Figur zugunsten der fakturalen Form und immer stärkerer Synthese. Auf solchen Bildern wie „Podroznik VII – Reisender VII“ oder „Wyprawa na lodki – Ausflug zu den Booten“ wird der Mensch zu einem Zeichen, das einen an die abstrakten Vorstellungen aus prähistorischen Zeiten erinnert.
Butowski platziert seine Darsteller in weitläufigen Landschaften, die er mit schnellen Pinselzügen malt; das wiederum macht den Eindruck des stetigen Bewegens und Pulsierens. Die Natur ist hier dominierend und erdrückt fast die menschlichen Silhouetten, sie verlieren sich in ihren wilden Formen, wie in „Wyprawie na lodki – Ausflug zu den Booten“ (2009) oder „Zbierajacy truskawki – Die Erdbeerenpflücker“ (2010) .
In diesen Bildern Butowskis ist der Mensch als Reisender das hautsächliche Motiv. Der Künstler selbst nennt ihn „Den reisenden Beobachter, der die Realität betrachtet“.
Er zeigt stets dem Betrachter seinen Rücken und scheint immer in Bewegung zu sein. Die malerische Expression und saftige Farben verstärken die Kraft des Ausdrucks und den Zwiespalt dieses Reisenden – das Verlangen das Neue kennen zu lernen, und der Wunsch nach Einsamkeit.
Seine Gestalt erscheint auch in Butowskis lithografischen Triptycha unter dem Titel „Going, going, going“. Hier erzeugt der Künstler den Eindruck der Bewegung durch Sequenzen und Änderungen der Szenen. Der mit dem Rücken zu uns gewandete Mann steht auf der ersten Grafik im Vordergrund, auf der zweiten ist er schon nahe dem Horizont um auf der dritten Grafik, dem letzten Teil des Triptychons vollständig zu verschwinden.
Die farbigen Lithografien Butowskis verbinden Elemente expressiver Zeichnungen und malerischen Flächen intensiver Farben in sich. Auf diese Weise nützt der Künstler alle Möglichkeiten, welche ihm die am Ende des XVIII. Jahrhunderts erfundene grafische Technik bietet.
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