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Ausstellung in Frankfurt: Julian Faulhaber - Corona - seine neue in Kairo entstandene Fotoserie

Corona – so hat Julian Faulhaber seine neue in Kairo entstandene Fotoserie genannt. Was ihn inspiriert hat, sind die großen beleuchteten Werbetafeln, die hoch über den Verkehrsadern der Stadt thronen.

Ausstellung in Frankfurt

Diese Tafeln dominieren ihre Umgebung nicht nur durch ihre schiere Größe, sondern auch durch ihre grellen Farben, die im Kontrast zur vom Smog und Wüstenstaub bedeckten Stadt stehen.
Die strahlende Herrschaft der leuchtenden Werbeflächen erinnert an eine Krone und gleichzeitig an eine urbane Vision Bruno Tauts: Der expressionistische Architekt und Stadtplaner entwickelte 1919 das Konzept einer Gartenstadt, in deren Zentrum sich weithin sichtbar ein Kristallturm über der Stadt erhebt. Diesen Kristallturm nannte Taut die „Stadtkrone“, ein zweckfreier Bau, der einfach „nur schön“ sein sollte. Bei der Entwicklung seines Konzepts ließ sich Taut von Städten und Denkmälern aus verschiedenen Epochen und Kulturen inspirieren. Neben Athen mit der Akropolis und Bangkok mit dem Tempel Wat Arun verweist Taut auch auf ein Bild von Kairo, der „Mutter aller Städte“ – hinter der mit Häusern und Moscheen zugebauten Stadt erheben sich zwei mächtige Pyramiden.

Faulhabers Wahrnehmung der Stadt Kairo wurde zunächst geprägt von den vielen Hotels und Wohnblöcken, die den Blick auf die Denkmäler der antiken Kultur versperren, längst ist die Stadt mit ihrer chaotischen und ausufernden Bebauung bis an den Fuß der Pyramiden vorgedrungen. Obwohl sie immer noch einen mächtigen Eindruck hinterlassen, sind die Grabmäler nicht mehr die Krone der Stadt. Faulhaber erhebt die Werbetafeln zur Stadtkrone, mehr noch den Lichtschein, den sie nachts ausstrahlen. Diese Assoziation, das image, verwandelte Faulhaber in ein Bild, das picture. Er fotografierte nachts, wenn die Neonröhren die Werbeflächen besonders hell und klar aus der Dunkelheit hervorheben und der Widerschein des Lichts die Farben transformiert.

Die so entstandenen Bilder zeigen weder die Produkte noch das Setting der Werbung. Auch die Umgebung bleibt dem Betrachter verborgen, keine Stadt als Hintergrund. Faulhaber interessiert denn auch nicht das Dokumentarische, die Materialität oder das Narrative der Situation, sondern vielmehr deren poetische Abstraktion: die Verfärbung des dunklen Himmels durch das Licht und das Eigenleben, das die beleuchtete Fläche in der Dunkelheit entwickelt. Die Bilder sind immateriell und in Gänze abstrakt. Eine unscharfe Kontur trennt große dunkle von schmalen überbeleuchteten Farbflächen. Sie beeindrucken durch ihr breites Farbspektrum, das man in Kairo bei Tageslicht vergeblich suchen würde. Die satten, dunklen Farben mit einem Hauch von vintage lassen an die späten Bilder Mark Rothkos denken.

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Faulhabers Corona-Serie besticht durch eine formale Eleganz, die in ihrer besonderen Farbgebung, vor allem aber in der Reduktion liegt: Hier wird nichts erzählt, nichts inszeniert. Der Betrachter findet auch keinen Kommentar zum „ästhetischen ´Konsum´, der für gewöhnlich den Kreislauf von Waren, Wörtern und Zahlen vervollständigt“, wie es Jacques Rancière in seiner Politik der Bilder formulierte. Stattdessen konzentriert sich Faulhaber auf die Konstellation von image und picture, eine Konstellation von dem Gesehenen und Gedachten. So wird das Ergebnis, Corona, nicht zur bloßen Abbildung, sondern zur Aufforderung ein neues Bild zu denken.

Kasha Bittner

L.A.Galerie-Frankfurt@t-online.de