Gesellschaft Freunde der Künste

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Anlässlich seines 70. Geburtstags

Ausstellung in Frankfurt am Main: Jean-Marc Reiser - VIVE REISER! bis zum 26.6.2011

Mit Jean-Marc Reiser (1941 - 1983) ehrt das caricatura und die Stadt Frankfurt einen der bedeutendsten komischen Zeichner Europas, eine „Jahrhundertfigur“, wie die FAZ schrieb.

Wie kein zweiter hat der französische Satiriker und Künstler tief in das Wesen der Menschen geschaut und uns seine Einblicke in der versöhnlichen Tonart des Humors vermittelt. Sein zeichnerisches und erzählerisches Genie schlug sich in Tausenden von Karikaturen, Cartoons und Bildgeschichten (Strips) nieder, in zart-poetischen Blättern sowohl wie in schockierender Drastik, die indessen nie den Bezirk des Humanen verließ. Reiser hat, obschon früh aus dem Leben gerissen, ein immenses Werk hinterlassen, das nun, zur siebzigsten Wiederkehr seines Geburtstages (13. April 2011), in einem notwendig bescheidenen, aber doch die Breite seines Schaffens dokumentierenden Ausschnitt gewürdigt wird.

VIVE REISER! präsentiert rund 240 zum Teil unveröffentlichte Original-Zeichnungen des Künstlers und ist damit die erste repräsentative und mit Abstand größte Ausstellung seines Werkes.

Reisers Arbeiten widmen sich den großen sozialkritischen Themen (Arbeit, Erziehung, Umwelt, Kriminalität u.a.v.m.), dem Anti-Militarismus und Anti-Imperialismus, der Emanzipation der Frau, den zwischenmenschlichen Beziehungen sowie der Sexualität und vermitteln philosophisch-humorvolle Einblicke in das wahre Wesen und die liebenswerten Abgründe des Menschen. Mit einer Reihe unveröffentlichter Skizzen und Vorarbeiten wird seine Schaffensweise dokumentiert.

„Ridentem dicere verum“ - die Sentenz des Satirikers Horaz, kennzeichnet Reisers intellektuelle und moralische Grundhaltung und darf auch als das Motto der Ausstellung angesehen werden: Die Wahrheit, selbst die peinlichste, verstörendste, stets mit einem Lächeln auszusprechen bzw. zu zeichnen.

Jean-Marc Reiser, dem es gelang, noch mit den widerlichsten Figuren, den ungeheuerlichsten Geschichten und den unfassbarsten Pointen Lachen zu erregen, überrascht auch mit seiner Persönlichkeit. Der Unterschied zwischen dem Zeichner und dem Gezeichneten ist in seinem Fall größer kaum denkbar: Reiser, ein sympathischer, liebenswürdiger Mensch, ein schöner, attraktiver Mann, ein liebender Gatte und guter Vater. Die kontrastive Dokumentation seiner Persönlichkeit mit Fotografien, Filmen und persönlichen Briefen ist ein wichtiger Bestandteil der Ausstellung.

Ein weiteres, die Ausstellung abrundendes Thema ist die Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte von Reisers Werk in Deutschland beziehungsweise im deutschen Sprachraum. Es hat zum einen Millionen Leser und Betrachter begeistert, zum andern aber auch Widerspruch provoziert und die Zensur auf den Plan gerufen. Dies sowohl in Gestalt verlegerischer Selbstzensur als auch behördlicher Indizierungs- und Verbotsanträge; letztere aus Gründen des Jugendschutzes sowie des Verbots der Verbreitung pornographischen Schrifttums.

Die angerufenen deutschen Gerichte lehnten die Verbotsanträge allerdings ausnahmslos ab, und gegen den Vorwurf der Pornografie sowie der Frauenfeindlichkeit fand Reiser in Alice Schwarzer, der prominenten Wortführerin der deutschen Frauenbewegung, eine entschiedene Verteidigerin. Die von Reisers Werk in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ausgelöste öffentliche Debatte errang für die Kunst- und Meinungsfreiheit in Deutschland einen nachhaltigen Sieg.

Kontakt

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Museum für Komische Kunst

Weckmarkt 17

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