Weltpremiere:Ein indigenes Museum trifft auf die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.Die Macht des Schenkens“ – Eine Ausstellungskooperation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und des U’mista Cultural Centre der Kwakwaka'wakw First Nation in Kanada
Wenn wir heute das Wort Geschenke hören, assoziieren wir es zuerst mit Freude, Glückwünschen oder Überraschung, aber sicher nicht mit Macht. Was verbinden Geschenke mit Macht? Dieser Frage geht ein, von der Kulturstiftung des Bundes gefördertes Ausstellungsprojekt zwischen dem U’mista Cultural Centre in Alert Bay, British Columbia, Kanada, und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nach.
Sie tauschen zu diesem Thema Objekte aus ihren Beständen aus und präsentieren sie zeitgleich. Ausstellungsorte für die Sonderschau „Die Macht des Schenkens“ sind das U’mista Cultural Centre in Alert Bay und die Kunsthalle im Lipsiusbau in Dresden. Ab dem 21. April 2011 ist in Alert Bay die Ausstellung „Die Macht des Schenkens – Gaben am sächsischen Herrscherhof in Dresden und im Großen Haus der Kwakwaka'wakw“ zu sehen.
In Dresden öffnet die Ausstellung „Die Macht des Schenkens – Der Potlatch im Großen Haus der Kwakwaka'wakw an der kanadischen Nordwestküste“ am 7. Mai 2011. Trotz Tausender Kilometer Entfernung stehen die beiden Ausstellungen in engem Dialog zueinander.
Aus Alert Bay kommt eine einmalige Sammlung von bis zu 300 Jahre alten Masken, Gefäßen und Kleidung der Kwakwaka'wakw First Nation von der kanadischen Nordwestküste nach Dresden. Die ca. 50 Ausstellungsstücke werden zu einem Großteil erstmals außerhalb Kanadas zu sehen sein. Diese außergewöhnlichen Objekte finden in rituellen Tänzen und Zeremonien des Potlatch Verwendung. Der Potlatch ist eine traditionelle Zeremonie, die politische, wirtschaftliche, spirituelle und soziale Angelegenheiten für Einzelpersonen, Familien und größere Gemeinschaften kennzeichnet. Anlass dafür kann z.B. die Geburt des ältesten Sohnes sein. Einen zentralen Aspekt des Potlatch bildet die Rolle des Geschenkes. Das Schenken ehrt u.a. auch die Gäste, indem sie die Ereignisse beim Potlatch bezeugen und die Ansprüche der Familie auf Status und Ansehen bestätigen.
Dresden hat für das U’mista Cultural Centre in Alert Bay eine Auswahl von repräsentativen diplomatischen und persönlichen Fürstengeschenken und Schauobjekten des sächsischen Herrscherhofes in Dresden zusammengestellt: Arbeitsgeräte aus der Kunstkammer, Prunkwaffen und Turnierausstattungen aus der Rüstkammer sowie Gefäße und Figuren aus dem Grünen Gewölbe und der Porzellansammlung. Sie demonstrieren das wirtschaftliche Engagement, die ritterliche und allegorische Selbstdarstellung, die glanzvollen Hoffeste und die Hofjagd der sächsischen Herrscher in der Frühen Neuzeit.
„Mir ist wichtig, dass die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nicht nur mit großen und weltberühmten Museen zusammenarbeiten, sondern auch derartige Kooperationen aufgeschlossen sind, die dazu beitragen können, das interkulturelle Denken wie auch den Dialog zwischen Kunst und Ethnographie zu fördern. Dabei sind der Austauschgedanke und die Gleichzeitigkeit der Präsentation in Dresden und in Alert Bay von besonderer Bedeutung. Ich bin meiner Kollegin Sarah Elizabeth Holland vom U´mista Cultural Centre dankbar, dass sie sich mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden auf das Wagnis einlässt, gemeinsam das gesellschaftliche Phänomen des Schenkens in unterschiedliche Kulturen zu untersuchen und darzustellen. Ich freue mich zudem sehr, dass wir für die Ausstellungsgestaltung in Dresden mit Corrinne Hunt, der Designerin der Medaillen der Olympischen Winterspiele von Vancouver, eine hervorragende Ausstellungsgestalterin gewonnen zu haben, die mit dem Thema des Potlatch bestens vertraut ist“ so Martin Roth, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
“Wir alle wissen aus persönlicher Erfahrung, was Schenken ist. In der Auseinandersetzung mit Schenkungszeremonien am barocken sächsischen Hof und im Großen Haus der Kwakwaka'wakw, fordern uns die Ausstellungen heraus, unter die Oberfläche dieser alltäglichen Handlung zu schauen und darüber nachzudenken, wie das Schenken zugleich ein materieller und symbolischer Austausch ist. Diese bahnbrechende Zusammenarbeit bietet uns die seltene Chance, die Kultur der Kwakwaka'wakw einem europäischen Publikum Näher zu bringen. Zugleich ist es ein historisches Ereignis, Schätze des sächsischen Hofes der First Nations Gemeinschaft und den Kanadiern zu vermitteln, denn nie zuvor sind vergleichbare Kunstschätze in Kanada zu sehen gewesen. Diese Ausstellungskooperation ist in der Beziehung Europas zu den indigenen Völkern des pazifischen Nordwestens weltweit einmalig” so Sarah Elizabeth Holland, Direktorin des U’mista Cultural Centre.
„Erst der neueste wissenschaftliche Stand innerhalb der Ethnographie macht diese Ausstellungskooperation möglich. Denn sie vergleicht zwei Gesellschaften, die in ihrer Kultur und ihrer spezifischen historischen Entwicklung unterschiedlicher nicht sein könnten. Zudem werfen die beiden Ausstellungen die Frage auf, welche Rolle der Akt des Schenkens zukünftig in der sozialen und wirtschaftlichen Welt spielen wird“, so Claus Deimel, Direktor der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen.
Die Macht des Schenkens – Der Potlatch im Großen Haus der Kwakwaka'wakw an der kanadischen Nordwestküste“
7. Mai bis 21. August 2011
Ausstellungsort: Kunsthalle im Lipsiusbau, Dresden, Deutschland
Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen
Herrscherhof in Dresden und im Großen Haus der Kwakwaka'wakw“
21. April bis 28. August 2011
Ausstellungsort: U’mista Cultural Centre
Alert Bay, Kanada
Winteröffnungszeiten: täglich 9 bis 17 Uhr (Oktober 2010 - bis 23. Mai 2011: sonntags und montags geschlossen)
Sommeröffnungszeiten: täglich 9 bis 17 Uhr
gefördert durch die:
Kulturstiftung des Bundes
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Staatliche Kunstsammlungen Dresden
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Taschenberg 2
01067 Dresden
Deutschland
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