Unschärfe als Strategie, als Stil. In einer Schau der Hamburger Kunsthalle wird gerade unter dem Titel „Unscharf. Nach Gerhard Richter“ gefragt, wie Richters Bildfindungen seit den 1960er Jahren nachfolgende Generationen junger Maler und Fotografen beeinflusst haben.
Jörg Schaller, der ab kommendem Mittwoch, dem 9. März 2011, mit neuen fotografischen Arbeiten in der Einzelausstellung „out of focus“ im Projektraum am Weißen Hirsch zu sehen ist, steht ebenfalls in dieser Bildtradition der Unschärfe. Seine Arbeiten sind Zeitzeugnisse im Kontext der sich stetig weiterentwickelnden technischen und medialen Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung. Doch sucht Schaller mit seiner manipulierten Kamera den ,wahren‘ Moment fotografisch festzuhalten, der ohne die Generierung digitaler Effekte gelingt.
Jörg Schaller (*1968 in Hof/Saale) zeigt folglich in seinen Aufnahmen eine Welt, die nur schwerlich zu fassen ist. Lichtwolken legen sich über Kleingartenlandschaften, Menschen verlieren sich in dunstigen Nebelschwaden – Schaller vermeidet es, eine Kontextualisierung mitzuliefern.
Die Unschärfe, bei der zugleich eine Unwirklichkeit mitklingt, und die seinen Fotografien stets zu Eigen ist, findet er im Moment der Aufnahme und bearbeitet diese nicht nach. Zu der realen Gegebenheit tritt Unwägbares hinzu, Verborgenes, Unvorhersehbares wird so bildhaft.
Weiß man, dass für Jörg Schaller, der u.a. bei Valie Export an der Hochschule der Künste, Berlin studierte, die Hinterfragung der eigenen Wahrnehmung ein wichtiger Impuls für diese Arbeiten ist und das „scharfe Bild“ als der Inbegriff der exakten, perfekten Abbildung ein Unwohlsein, gar einen Widerstand in ihm hervorruft, dann ist die den Fotografien innewohnende Unschärfe als künstlerische Strategie zu deuten.
Die Fotografien aus den letzten drei Jahren haben gemein, dass es sich um eine Art von ,Nebenschauplätzenʻ, von verborgenen, unbekannten Orten zu handeln scheint.
In den aktuellen Arbeiten, die im Projektraum am Weißen Hirsch zu sehen sind, zieht sich deren ,Unbestimmtheit‘ gleich einem roten Faden durch Jörg Schallers Fotografien.
Im künstlerischen Grenzbereich von Abstraktion und Gegenständlichkeit zeigt sich, dass Schallers anfänglich noch figurative Konturen in den Fotografien dann in ungegenständliche Farbverläufe übergehen. Der aufwendige Pigmentdruck auf papierenem Bildträger, dessen aufgeraute Oberfläche mit den Pigmentpartikeln eine myzelartige Struktur eingeht, ist mehr Malerei als Fotografie.
In ihrer malerischen Qualität erinnern seine fotografischen Arbeiten an gemalte Bilder Gerhard Richters.
Kontakt
Projektraum am Weißen Hirsch | Eine Initiative der Galerie Grafikladen
Plattleite 6601324 Dresden

