Gesellschaft Freunde der Künste

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das menschliche Antlitz: Direkt und frontal

Ausstellung in Bielefeld: Wolfgang Waesch, Neue Bilder und Objekte

Im Mittelpunkt des künstlerischen Oeuvres von Wolfgang Waesch stehe ohne Zweifel das menschliche Antlitz: Direkt und frontal. So Jan Hoet* in einem Katalogvorwort zu den Bildern von Wolfgang Waesch. Das Gegenüber im Bild - so Hoet weiter - sei der Ort, an dem Waesch mit hohem Einsatz agiere. Im Medium des Portraitierens suche er nicht das endgültige, das vollständige Portrait, sondern Spuren von Charakter und - wir ergänzen - Charaktermasken. Bei dieser Suche sei - so Hoet - Waesch nachgerade auf die Unzulänglichkeiten des Portraitierten aus, ja er provoziert sie geradezu.

Es stellt sich bei den Bildern, die in der Ausstellung zu sehen sind die Frage, welcher Sinn dem Betrachter entgegenkommt. Unvollkommen aufgezählt begegnet man dem Maler Wolfgang Waesch als Völkerkundler, als Fährtensucher von Charakteren, als „Antlitzforscher“ in dem Sinne, dass er über das Antlitz des Menschen Schlüsse ziehen lässt; über das „Offensichtliche“ hinaus. Da sucht der Maler nach Brüchen.

Hinzu kommt, dass Wolfgang Waesch sich selbst als Künstler auf die Spur kommen will. Wer bin ich als Künstler? Wo stehe ich als Maler? Jan Hoet sagt dazu: „Wolfgang Waesch ist ein laborierender Künstler. Er scheint geradezu in der Materie des Malens zu wühlen, sich mit ganzem Körpereinsatz in das Machen des Bildes hinzugeben. (Jan Hoet, Die Mühen des Machens, Zu den Bildern von Wolfgang Waesch, 2005) Waesch operiert mit Archetypen. Mit vorgeblichen Helden, dunklen Doppelgängern, Schattenmännern und -frauen, Liebenden, Küssenden, Aalglatten und Erwachsenen, die noch in ihren Kinderträumen behaftet sind. So erscheinen geträumte Geisterseher, Heiler, Könige und andere „Gestalten“. Hier kommt auch anthropomorphologisch zum Tragen: die Affen(Tier-)ähnlichkeit des Menschen. Und es kommen vor: Lächerlichkeit, Spott, Unverständnis, Schwermut, Freude.

Das Antlitz, der Gesichtsausdruck interessieren ihn wegen der großen Ausdrucksvielfalt, da ein menschliches Gesicht über zahlreiche Muskeln und Nerven verfügt und so eine reichhaltige Mimik bereithält. Manche Bilder treffen den Betrachter wie einen Faustschlag. Unverhofft und direkt. Im Grunde sucht Wolfgang Waesch mit der Geformtheit seines Gemalten nach dem paradoxen Kopf, der so perfekt ist und so unvollkommen wie in der Zerrissenheit des „Königs“ (siehe Abb.). Wolfgang Waesch ist 1945 in Lautenthal/Harz geboren. In Essen wuchs er auf. Seit 1996 lebt und arbeitet er in Bielefeld und Herford. Prägend waren seine Begegnungen mit Künstlern wie Corneille (COBRA), Howard Kanovitz und Mario Merz.

Seit 1975 ist er auf vielen in- und ausländischen Ausstellungen präsent. Reise- und Arbeitsaufenthalte führten ihn über Europa hinaus nach Afrika, Nord- und Südamerika und in die Südsee. In Bremerhaven gestaltete er zum 100jährigen Bestehen des Fischereihafens die Skulptur „Windfänger“. Weitere öffentliche Sammlungen, Museen und viel private Sammler besitzen Bilder von Wolfgang Waesch. (*Jan Hoet, ehem. Künstlerischer Direktor: S.M.A.K. Gent, documenta IX Kassel, MARTa Herford.

Dauer der Ausstellung bis zum 15.1.2011

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