Im Zentrum der Ausstellung stehen die Werke der flämischen Bildhauerin Berlinde De Bruyckere (geb. 1964 in Gent). Gemeinsam mit der Künstlerin wurde das Konzept eines epochen- und medienübergreifenden Dialoges ihrer Arbeiten mit ausgewählten Gemälden von Lukas Cranach und Sequenzen aus Filmen von Pier Paolo Pasolini entwickelt.
De Bruyckere gewinnt dem Figurativen mit ihrem transformierten Realismus der Körperdarstellung völlig neue Möglichkeiten und emotional tief berührende Gestalten ab.
Besonders De Bruyckeres Werke der letzten Jahre zum Thema Schmerzensmann und Pietá von Lucas Cranach, sind von der Intensität und Schönheit seiner Gestalten inspiriert. Vor dem Hintergrund der Theologie Martin Luthers reflektiert Cranach das Bild vom Menschen, der „im Fleisch“ lebt und im Bild vom Schmerzensmann. Seine Wundmale bezeugen Gottes Liebe zu den Menschen und seine Gnade in der Menschwerdung seines Sohnes. Die Plastiken von De Bruyckere transformieren die religiösen Motive und den selbst im Schmerz erotischen, hoch kultivierten sinnlichen Ausdruck Cranachscher Darstellungen in Figuren, deren Realismus künstlerisch überhöht und verdichtet wird. Angesichts zu den von den Wissenschaften entwickelten moder-nen Möglichkeiten, Natur zu generieren, fordern sie ethische Fragen heraus und werden in ihrer emotionalen und ästhetischen Distanz zum Voyeurismus der Medien, zu den Mechanismen der Werbebilder und vor dem Hintergrund von Massenvernich-tungen provozierend politisch.
Zu diesem Aspekt von De Bruyckeres Werk treten ausgewählte Filme von Pier Paolo Pasolini in einen künstlerischen Diskurs über die archaische Dimension der Sprache des Leibes und den Leib als Projektionsfeld von Macht- und Konsuminteressen.
Dies ist die erste monografische Ausstellung des Werkes von Berlinde De Bruyckere in einem Schweizer Museum, in der speziell dafür geschaffene neue Werke präsentiert werden.
Realisiert wird die Ausstellung in Zusammenarbeit mit Dr. Cornelia Wieg, Stiftung Moritzburg Halle – Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt.
Die Ausstellung
Eröffnung
Donnerstag, 20. Oktober 2011, 18h30
Dauer
21.10.2011 - 12.02.2012
Eintritt
CHF 14.00 / red. CHF 10.00
KuratorinKathleen Bühler
Pressekontakt:
Brigit Bucher
Corporate Public Relations
T +41 31 328 09 21
brigit.bucher@kunstmuseumbern.ch
Bilder/Copyrights:
1) Pier Paolo
Pasolini
Filmstill aus: Il
Vangelo secondo
Matteo, 1964
schwarzweiß, 142
min., Produktion:
Alfredo Bini-Arco
Film (Rom)/Lux C.ie
Cinematographique
de France (Paris),
der Judaskuss
2) Berlinde De Bruyckere
Into One-Another to P.P.P., III, 2011
Wachs, Epoxidharz, Eisen, Vitrine,
193 × 183 × 86 cm
Courtesy Hauser & Wirth
Fotografie: Mirjam Devriendt
3) Berlinde De
Bruyckere
Romeu 'my deer',
2010 - 2011
Aquarell und
Bleistift auf Papier
32.4 x 24.77 cm
Friedrich Christian
Flick Collection

