C/O Berlin, International Forum For Visual Dialogues, präsentiert vom 5. Februar bis 3. April 2011 die Ausstellung SHOOT! Fotografie existentiell.
Die Pressevorbesichtigung findet am Freitag, den 4. Februar 2011, um 11 Uhr im Postfuhramt in der Oranienburger Straße 35/36, 10117 Berlin, statt. Wir bitten Sie um Bestätigung Ihrer Teilnahme bis zum 3. Februar 2011 telefonisch unter 030.28 09 19 25 oder per E-Mail an presse@co-berlin.com.
„Wie die Kamera eine Sublimierung des Gewehrs ist, so ist das Abfotografieren eines anderen ein sublimierter Mord – ein sanfter, einem traurigen und verängstigten Zeitalter angemessen.“ Susan Sontag
Anlegen, zielen, abdrücken, schießen, nachladen – wer ins Schwarze trifft, begeht fotografischen Suizid oder visuelles Harakiri. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg tauchte der sogenannte Fotoschuss als kuriose Attraktion auf Jahrmärkten auf. Die spielerische Herausforderung beinhaltet die verstörende Geste, angesichts der fotografischen Trophäe auf sich selbst angelegt zu haben. Welch‘ seltsame Faszination, sein eigenes Ego in eine Zielscheibe zu verwandeln, oder – um den Preis eines Bildes – der Versuchung zu erliegen, ein Duell mit sich selbst als Gegner auszutragen.
Nach Susan Sontag beinhaltet der Akt des Fotografierens etwas Räuberisches, das dem Menschen Gewalt antut. Man sieht ihn so, wie er sich niemals sehen kann. Fotograf und Betrachter erfahren vom Porträtierten etwas, dass ihm selbst verborgen bleibt – seine Verletzlichkeit, Wandelbarkeit und Sterblichkeit. Fotografieren als Memento Mori verwandelt Menschen in vergängliche Objekte. Beim Fotoschuss wird sogar der Schütze sein eigenes Objekt und löst seinen eigenen Tod aus.
Zum Selbstporträt mit Waffe wurden unzählige Schützen verführt, berühmte Künstler und Intellektuelle wie Jean Cocteau, Federico Fellini, François Truffaut, Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Gilles Deleuze, Juliette Gréco, Man Ray, Henri Cartier-Bresson, Brassaï und Robert Frank kosteten den Taumel der fotografischen Selbstzerstörung aus. Die Ausstellung beleuchtet diese fast vergessene Bildform und spürt dem Motiv, bei dem der Betrachter zur Zielscheibe wird, in zeitgenössischen Arbeiten nach.
Legen Sie selbst an! Im Zentrum der Ausstellung steht die Rekonstruktion eines echten Schießstandes. Hier kann Besucher die Erfahrung machen, welche Lust es bereitet, von sich ein Porträt zu erzielen.
Die Ausstellung ist eine Koproduktion des Museums für Photographie Braunschweig und Les Rencontres d‘Arles.
Kontakt
Mirko Nowak
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