Nur eines ist sicher die Strukturen ändern sich ständig und mit Ihnen das Systemtheorierecycling
Titel und Untertitel der Ausstellung verweisen in ihrer augenzwinkernden Komplexität auf die Arbeitsweise und die Herkunft des Künstlers aus der „Dresdner Schule“. Ein expressiver Aktionismus und strukturelle Abstraktion hatten dort ihre Brücken- Kopffunktion während des Systemübergangs im letzten sozialistischen Kunstdiplomjahrgang 1989.
Seit Ende der achtziger Jahre realisiert der Künstler Themenräume in Form von künstlerischen Sammlungen. In diesen Rauminstallationen werden klassische mit modernen Medien kombiniert. Die Grundthemen entstehen aus den Zusammenhängen von Spurensicherung, Strukturfragen und Systemtheorien zwischen den Polen Natur und Kultur.
Die Arbeitsweise steht in der Tradition des prozesshaften Gesamtkunstwerkes. Die Kunstbegriffe Transstrukturalismus und Systemtheorierecykling bezeichnen dieses prozesshafte in den Arbeiten von R.Görß.
Die Erfahrungen eines erlebten Gesellschafts- Systemwechsels haben hierbei eine zentrale Rolle gespielt und spiegeln sich in einer bewusst kritischen Haltung gegenüber Kunst- Marken- und Markt – Mechanismen wieder.
Themengerecht entstand seit den Neunzigern, im Berliner Untergrund gegenüber der Galerie, eine Geschichte zur Markenprodukt -Gesellschaft in Form einer labyrinthischen Langzeitinstallation. Der gesellschaftliche Bezug dieser Arbeitsweise basierte seit Mitte der neunziger Jahre stark auf dokumentarisch orientierten Videoarbeiten, Installationen und baugebundenen Projekten, die den Aktionsbegriff immer wieder über die Grenzen des Kunstsystems hinaus in die Realität von Wirtschaft und in die gesellschaftliche Arbeit führten.
Ein Ausgangspunkt der gezeigten Installation ist der Begriff der Systemrelevanz der im Rahmen der Finanzkrise kurz in das öffentliche Bewusstsein gestellt wurde.
Je nach dem wo man sich in diesem Spiel befindet verbinden sich damit Fragen der Wahrnehmungsstrukturen der Existenz in Systemtheorie und Praxis.
Bild-Raum-Installation
Die Ausstellung setzt frühe Arbeiten ab den achtziger Jahren und neuste von 2010 miteinander in Beziehung und bezeichnet so einen Zeit- und auch einen Systemsprung. Arbeiten die unter dem sozialistischen Realismus bis hin zu zum sozialen Realismus der Gegenwart entstanden sind, verbinden sich in bleibenden und neuen Lebensfragen.
Die verwendeten vielfältigen künstlerischen Techniken resultieren aus dem freien Umgang mit der klassischen Moderne. Diese wird hierbei konzeptionell recycelt und mit zeitgenössischen Fragestellungen nach Wert-Kreislaufen konfrontiert.
Eine in der Ausstellung oben sichtbare Leitlinie der Bild-Raum Installation bildet eine Reihe von Realienfotos welche als Realitätsbezug und Vorbild wie Fenster in die Um- und Außenwelt führen und gleichzeitig für Videoarbeiten stehen. Die Basis bildet ein Panel aus strukturellen und expressiven frühen Arbeiten.
Im Zentrum der Installation stehen Diagramme strukturrelevanter Bezugssysteme, frei zitierter Informations-Theorien und Philosophiesysteme. In den „Leistungsmerkmalen graphischer Ordnungsformen“ / als Weltordnung nach Gerhart Dirmoser ordnet sich eine Vielzahl der verwendeten Formsprachen und Techniken zu einem Zusammenhang. Dieser spiegelt eine weit verzweigte künstlerische Arbeitshaltung wieder.
Von den Diagramminstallationen aus spannen sich Bezugslinien zu Papierarbeiten, Objekten und Reliefs. Nicht immer tragen diese auf den ersten Blick system- und strukturrelevante Anzeichen, sondern geben erst in der Kombination von Materialsprache und Titel Auskunft über den Zusammenhang der Strukturen.
Zeichnungen Farbreliefs Objekte
Prototypen wie die Wandbilder, Farbfeldcodes, Reflexionen oder die Lageberichte beziehen sich einerseits auf kontinuierliche Themenstränge andererseits auf neu eröffnete Themenzyklen
Titel wie Ornament und Ordnung, Gedankengebäude, Vordenken - Nachdenken Biostacheldraht, fraktaler Fatalismus, Fortschritt, Wartburg- Alles hängt irgendwie mit Allem zusammen, Familienbande, Schwarmforschung am Baumdiagramm, Alle reden vom Wetter, Bioglobal, verweisen auch auf den Spannungsbogen zwischen Berlin als urbanem Zentrum und der Mark Brandenburg als Umweltbezug – in dem die Arbeiten entstehen.
Land Art Miniaturen
Während einige Objekte und Objektkästen einer schwindenden Industriekultur entstammen begegnen diese Biobildern und Tierplastiken. Hier zeichnen sich mit nachwachsenden Rohstoffen zwischen Terra di Brandenburg und angebauten Verzweigungen ändernde Strukturen und Systemtheorien im „Leben auf dem Lande“ ab.
Die Wandbilder sind Teile des komplexen Systems Architektur, in denen die Schnittstelle Innen/ Außen als Hausausschnitt wörtlich an die Wand zitiert werden. Das Recycling wird direkt aus Architektur-Resten vollzogen. Der Kreislauf schließt sich im Schattenriss der größeren Systemzusammenhänge auf den Ausschnitt projiziert.
Die Entfaltungen/Bezeichnungen führen aus der räumlichen Tätigkeit in die Fläche und von dort in den fiktiven Raum der Systeme ihrer Konstrukte und Scheinperspektiven zurück.
Die Farbfeldmalerei, die unter Spannung gesetzten Farben kontrastieren diesen, in klassischer Weise vom direkten Themenbezug freien, Kunstraum durch die Quellen der hier verwanden regionalen und kulturgebundenen Farbcodes aus der Kulturgeschichte und Medienkultur.
Die Reflexionen, Scheinperspektiven, Diagramme auf fein geschliffenen Spiegeln stellen den Betrachter direkt Auge in Auge in den Bildzusammenhang der Reflexionen.
Kontakt
immaginaria arti visive gallery
walter bischoff galerie
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