1824 gelingt Joseph Nicéphore Nièpce mit einer Camera Obscura die erste haltbare Abbildung auf einer Zinkplatte. 1839 verkündet die französische Akademie der Wissen- schaften, dass es Nièpce & Daguerre gelungen sei, dauerhafte Bilder mit einer Camera Obscura aufzuzeichnen und gibt die Erfindung zur weltweiten Nutzung frei.
Daguerre gilt seitdem als Erfinder der Fotografie.
Seit 1839 entstanden somit Millionen von „Daguerreotypien“. Vorerst wurden Portraits zum Statussymbol der Zeit, aber gleichzeitig entstanden die ersten Aktfotografien, verschämt akademische Studien genannt. Die Annäherung der jungen Fotografie an den lebenden Körper. Nackte Männer wurden fast nie daguerreotypiert, es ging vorwiegend um die Damen.
Sie stehen, sitzen, hocken oder liegen mit Armreifen, Diademen oder Halsketten auf opulenten Sofas vor schweren Samtvorhängen oder sind in malerischen Posen in Anlehnung an die zeitgenössische Salonmalerei drapiert. Manchmal gelingt den Modellen ein sanfter verführerischer Blick, doch zumeist blicken sie freundlich, doch etwas reserviert in die Kamera. Distanzierter als sich mancher Betrachter gewünscht haben mochte.
Die Geschichte der Ausstellung „La belle Epoque“ begann mit einem klassischen Gaunerstück: Mister „Unbekannt“ bot den beiden Galeristen, aus der Auflösung einer Privatsammlung seines Urgroßvaters, ein Konvolut von erotischen Fotografien zum Kauf an.
Zugegeben - der Kaufpreis hätte warnend wirken müssen - ein Schnäppchen eben.
Was dann aber mit der Post kam, war eigentlich nicht einmal das Porto wert. Die etwa postkartengroßen Fotos waren von erschütternder technischer Qualität und darüber hinaus mindestens die fünfte Generation von Reproduktionen. Den Fotos waren im Laufe des häufigen Reproduzierens fast alles an Details, Bildschärfe und Kontrast genommen worden. Auch jeder Hinweis auf die ursprünglichen Urheber war getilgt.
Was ihnen aber nicht genommen werden konnte und die aufwändige Rekonstruktion recht- fertigte, war die wunderbare Anmutung der Bilder, die liebvolle Gestaltung und die graziösen Posen der durchaus selbstbewusst agierenden Models dieser Epoche.
Mit einem Wort : „der Charme der frühen Jahre“ wirkte unvermindert und führte zu dem Entschluss, den Versuch zu wagen, mit viel Zeitaufwand, handwerklichem Können und künstlerischem Verständnis die Fotos neu zu beleben, sie zu rekonstruieren und sie mit moderner Bildästhetik neu zu interpretieren.
Die Mühe hat sich gelohnt - Lassen Sie sich verführen von einer Epoche der Freizügigkeit und Eleganz!
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