In seiner ersten Ausstellung bei Semjon Contemporary wird Dirk Rathke zwei Werkgruppen zeigen: Bildobjekte und Raumzeichnung.
Seine Bildobjekte, die Curved Canvases, sind bereits einem größeren Publikum bekannt. Der vom Künstler bearbeitete Keilrahmen, der nicht zwingend rechtwinklig sein muss, aber in der Kantentiefe variiert, erzeugt konkave oder konvexe Formen, die die Leinwand in den Raum zieht oder sich an die Wand schmiegen lässt.
Je nach Standpunkt des Betrachters lässt sich ein und dasselbe Bildobjekt verschiedenartig erfahren. Die Kantentiefe des Gevierts suggeriert den Objektcharakter, der meist monochrome Auftrag der Ölfarbe den Bildcharakter. Die unterschiedlichen Formen, Größen und Farben der Bildobjekte erzeugen eine spannungsvolle Komposition im Raum, die in einem anderen Medium, die Stirnwand der Galerie betonende Raumzeichnung, aufgenommen und verdichtet wird.
Die durch die Türöffnung unterbrochene und deshalb selten mit Kunst bespielte Stirnwand der Galerie wird durch den installativen Eingriff der Raumzeichnung mit Hilfe von Klebebändern zu einem Hauptfokus der Ausstellung. Diese Raumzeichnung ist als Premiere einer neuen Werkgruppe zu verstehen.
Eine die Stirnwand durchmessende Zickzack-Linie, von den Seitenwänden ausgehend, lotet in ihrem Verlauf die Möglichkeiten aus, die Türöffnung ideal, also spannungsvoll, zu umspielen. Die immer wieder die Richtung ändernde Klebebandlinie führt durch Bilderrahmen oder auch Leinwänden hindurch, die ihr ‚im Weg sind’. Die Rahmenwerke werden Teil des Ganzen, sind aber auch autonom zu sehen.
Die Begründung des einzelnen Rahmen-Bildes liegt im Miteinander der gesamten Wand, muss aber die kompositorische Kraft haben, sich selbst ohne den Umraum zu vertreten. Durch die Niveauunterschiede von Rahmen- und Wandzeichnung zum Raum ergibt sich ein idealer, ein zentraler Betrachterstandpunkt. Verlässt man jedoch den Idealstandpunkt, so verschiebt sich das Verhältnis zwischen Rahmenlinie und Wandlinie. Die durchgehende Zickzacklinie löst sich auf hin zu parallel versetzten Linien.
Die Kante des Bilderahmens oder des Keilrahmens des Bildobjekts wird zur Scheidelinie in der Bilddefinition oder metaphorisch gesehen zu einer ‚Randerscheinung’, deren nur der sehende Betrachter gewahr wird.
Die von Dirk Rathke im Ausstellungstitel angedeutete Parabel von dem Königsberger Brückenproblem, als Gleichnis für die Suche nach dem idealen Weg, zeigt die im Kunstwerk angelegte Dichotomie auf: Je nach Standpunkt des Betrachters erschließt sich das Kunstwerk aufs Neue und ist doch immer noch dasselbe. Das Kunstwerk lässt sich nur im aktiven Verhalten des Betrachters zu ihm begreifen. Es ist nicht statisch.
Kontakt
Semjon Contemporary
Galerie für zeitgenössische Kunst
Schröderstr. 1
10115 Berlin
office@semjoncontemporary.com


(c) Dirk Rathke