Gesellschaft Freunde der Künste

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ein delikates Farb-Seh-Erlebnis

Ausstellung in Berlin: 380 > 780 nm – Wandobjekte von Dittmar Krüger am 17. Februar 2012

Infrarot und Ultraviolett sind Wellenlängen des Lichts, die das menschliche Auge
nicht wahrnehmen kann. Sie sind größer oder kleiner als der Spektralbereich von 380 > 780 nm. Farbe ist also nichts anderes als das Licht in diesen Wellenlängen.
Der Berliner Künstler Dittmar Krüger entlehnt diese physikalisch-mathematischen Parameter und benutzt diese Formel als Titel seiner Ausstellung. Zu Recht: Dittmar Krüger, ehemaliger Meisterschüler des Farbfeldmalers Johannes Geccelli, hat vor bald 20 Jahren die zweidimensionale Leinwand verlassen, um die Malerei in den Raum hinein zu verorten. Dies kommt der Quadratur des Kreises nahe, scheint auf den ersten Blick unmöglich.
Doch bei den ‚eingehausten’ Farbfeldmalereien von Dittmar Krüger ist die Box der Transmitter der Farbe, hält sie zusammen und gibt ihr zugleich die Freiheit, nach außen zu strahlen. Abhängig vom Standpunkt des Betrachters und von der
umgebenden Lichtsituation (Stand der Sonne oder der künstlichen Lichtquelle),
verändert sich die Farbintensität. Der Farbraum ‚steht nicht still’, wandelt sich stetig, erfährt seinen Höhepunkt bei starkem Streiflicht und glimmt noch immer bei abnehmendem Licht. Die Farbmächtigkeit im Innenraum wird gesteigert durch die bearbeitete, mit Hilfe von Aluminiumprofilen vorgeblendete Acrylscheibe.


Abertausende mikroskopische Schleifrillen wirken wie High-Tech-Glasfasern, die das Licht (die Farbe) nach Außen ‚schleudern’ und der Box die Aura eines
‚Farbraumkörpers’ geben. Der bewusste Umgang mit den Farbkontrasten und deren Synergien durch den Einsatz zum Beispiel von Preußischblau und Ultramarin, Silber und Kobaltblau oder Magentarot und Kadmiumorange lassen die Retina rotieren und sorgen für ein delikates Farb-Seh-Erlebnis.


Dieses Farb-Seh-Erlebnis wird bei einer neuen Werkgruppe auf den Prüfstand
gestellt. Was bleibt sind die uns bekannten, dieses Mal schwarz gefassten Boxen, die zu einem extremen Längsformat proportioniert sind. Der Innenraum ist weiß oder gelb gehalten und eingestellt sind Gläser, mal sich selbst genug und ein Spiel von Licht und Schatten evozierend, mal sind sie Träger für die Farben Gelb, Blau und die Nichtfarbe Weiß.


Beim Schreiben dieses kleinen Textes sind die Arbeiten noch nicht fertig, die
Acrylscheiben weder bearbeitet noch platziert, doch läßt sich erahnen, was hier
geschehen könnte: Je nach Unschärfe des Acrylglases könnten die Trinkgläser
schweben, das Schattenspiel ein Eigenleben von subtilen Grautönen generieren und die Gläser als Farbträger im (Boxen-) Raum als farbliche Binnenflächen flirren. Die Unschärfe könnte die Entgrenzung der Materialien ,Trinkgläser’, eine
Entmaterialisierung des Gegenstandes hervorrufen, ein Vexierspiel von Ahnung und Gewissheit einläuten.
Die schwarz gefassten Außenwände könnten wie ein Rahmen wirken, der das
Innenleben konzentriert, uns einführt in eine Welt, die zu erkunden uns überlassen
ist.
H. N. Semjon, Januar 2012

 

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