Die Kunsthalle Lingen freut sich sehr, eine großformatig angelegte Einzelausstellung des 1976 in Brüssel geborenen Künstlers Olivier Foulon unter dem Titel „Pure ’n Gentle“ zu präsentieren. Er studierte dort an der Ecole de Recherche Graphique, von 2001 bis 2002 absolvierte er ein Postgraduiertenstudium an der Jan van Eyck Akademie in Maastricht. Einzelausstellungen richteten ihm unter anderem das Musée d’Art Moderne – Grand-Duc Jean in Luxemburg, das Musée Wellington in Waterloo, der Kölnische Kunstverein und das Museum Abteiberg in Mönchengladbach aus.
Olivier Foulon nahm unter anderem an Gruppenausstellungen im Van Abbe Museum, Eindhoven, dem Projects Arts Center in Dublin und im Sala Rekalde in Bilbao teil, er war 2009 Stipendiat der Villa Romana in Florenz und jüngst für den Dorothea von Stetten Kunstpreis Bonn nominiert.
Olivier Foulons künstlerische Arbeit steht in der Tradition der kunsthistorisch etablierten Kunst der Appropriation, bei der sich auf unterschiedliche Art und Weise fremde Bildlichkeiten durch Wiederholung, Zitat oder Kopie angeeignet werden. Aspekte traditioneller Wertbildung, des Originals, der künstlerischen Handschrift, des kreativen Aktes, der Autorschaft und der Anteil des Betriebssystems Kunst sowie des Zusammenhangs, in dem Kunst präsentiert wird, kommen hierdurch reflektierend zur Sprache.
Olivier Foulon nutzt berühmte Gemälde als historische Vorlagen und überführt sie in einen anderen Zusammenhang, indem er sie in Form von Diapositiven, Malerei, Filmen und Installationen präsentiert. Beispielsweise malte der Vertreter des Realismus Gustave Courbet 1865 ein Portrait der Geliebten und des Modells des Künstlers James McNeill Whistler mit Titel „Jo, the Beautiful Irish Girl.“
Als sich ein Sammler dafür interessierte, fertigte Courbet eine Kopie des Bildes an, verkaufte das Original und behielt die Kopie. „Kurz darauf wollte ein Sammler das Portrait von Jo kaufen und Courbet fertigte eine Kopie der Kopie des Bildes an, verkaufte sie und behielt die Kopie des Bildes. Kurz darauf wollte ein Sammler das Portrait von Jo kaufen und Courbet fertigte eine Kopie der Kopie des Bildes an, verkaufte sie und behielt die Kopie des Bildes.“ (zitiert nach Text in der Publikation The Soliloquy of the Broom / Selbstgespräch eines Besens, Kölnischer Kunstverein 2010) Die insgesamt vier Versionen dieser Bilder von Courbet befinden sich heute in drei großen Museen und einer Privatsammlung.
Olivier Foulon drehte einen 16 mm Film des gerahmten Portraits und übersetzt eine Kopie der Kopie somit in das projizierte Bild, fertigt also wieder eine Kopie an. Ihn interessieren einerseits der Grat zwischen dem privaten Aspekt, verbunden mit dem Malen des Portraits der Geliebten seines Kollegen und deren öffentlicher Vervielfältigung durch Courbet. Andererseits wird der Stellenwert von Reproduktion und Original verhandelt und einhergehend hiermit drückt Olivier Foulon seine Hochachtung nicht nur Gustave Courbet gegenüber, sondern auch dem Akt der künstlerischen Aneignung gewissermaßen auf tautologische Weise aus.
Dieser Aspekt der Hochachtung gegenüber Kollegen charakterisiert auch eine Arbeit, die in der Kunsthalle Lingen unter anderen präsentiert wird. Sie umfasst zahlreiche kleinformatige monochrome Bilder, die in gleichem Abstand an den Wänden hängen. Entstanden in Öl, Aquarell, Kugelschreiber, Bleistift, Konfetti, Klebe und Glitter nehmen sie Bezug auf die Geschichte der Malerei in all ihren minimalistischen Komponenten, verbunden mit Künstlernamen wie Piet Mondrian, Ad Reinhard oder Blinky Palermo.
In diesen Gemälden setzt sich Olivier Foulon mit so offensichtlichen Begriffen wie Figur und Grund, Form und Format, Objekt und Wand, Licht und Ort, Material und Referenz auseinander. Durch das Hinzufügen eines oder mehrerer fremder Elemente während des Malprozesses unterbricht der Künstler die Ausführung seiner Arbeit und vergrößert die Herausforderung, so als scheine es ihm wichtig, die Handlung ebenso auszustellen wie das Objekt. „Das Objekt, sagt Olivier Foulon, hängt nicht nur an der Wand, sondern steht immer auch in einer bestimmten Beziehung zu ihr.“
Das Ausstellungsprogramm der Kunsthalle Lingen wird unterstützt durch das Land Niedersachsen, den Landkreis Emsland und die Stadt Lingen (Ems). Ihnen allen gilt herzlicher Dank. Weiterer Dank geht an die Kulturstiftung Heinrich Kampmann.
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