Der in New York lebende österreichische Künstler Mathias Kessler ist bekannt ür seine spektakulären Projekte, die mit aufwendigen Expeditionen und ihren Extremerfahrungen verbunden sind. In seinen Fotografien beruft er sich auf die Idee der idealen Landschaftsfotografie im Sinne des amerikanischen Fotografen Ansel Adams. Um sich Adams Idee der „reinen Fotografie“ anzunähern, wählt der Künstler die abgeschiedensten und entlegensten Gebiete der Welt: die Costa Carayas Inseln an der Pazifikküste Mexikos oder die Eisberge bei Ilulissat auf Grönland. In seiner Höhlenexpedition mit dem Entdecker Charles Brewer (2009) in den Gyana Highlands setzte er extrem starke Magnesiumblitze ein als Verweis auf die Pioniere der frühen Fotografie.
Es sind Orte fern von Lichtsmog und Luftverschmutzung, deren totale Dunkelheit nur vom Schein der Sterne und des Mondes gebrochen wird. Kessler wählt die Nacht, um die physikalisch beste Sicht zu erhalten. Hier scheint die perfekte Nachtaufnahme im Sinne Adams möglich. Doch dies täuscht. Denn erst der künstliche Eingriff durch die sekundäre
Beleuchtung macht das Dargestellte sichtbar, die Idee der idealen Landschaftsfotografie wird ad absurdum geführt. Die angestrahlten Inseln oder Eisberge werden so zu Bühnen, zu grandiosen Schauplätzen ohne Akteure.
Der Künstler thematisiert unseren Umgang mit dem Eingriff in die Natur und der Frage, wie Natur und Landschaft konsumiert und kultiviert werden können. Er fügt der Kunstgeschichte nicht nur ein weiteres spannendes Nachtstück hinzu, er hinterfragt kritisch das romantisierte Streben der westlichen Konsumgesellschaft nach Erlebnistourismus und „authentischer“ Natur.
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