Gesellschaft Freunde der Künste

Nachrichten und Veranstaltungen in unserem Archiv

Vorlieben für freche Titel

Auf stille Art verzaubernd - Skulpturen des Bildhauers Wöhrl in der Galerie Oberem Bonn

Aus München ist Martin Wöhrl angereist - und sämtliche Kunstwerke, die er für seine Ausstellung in der Galerie Oberem mitbrachte, passten in eine Wagenladung. Jetzt, am Eröffnungsabend, die beiden raumfüllenden Skulpturen stehen sicher auf dem Parkettboden, wirkt der 34-Jährige entspannt. Es läuft gut für den jungen Bildhauer.


Seine erste Ausstellung in den USA, in der New Yorker Spencer
Brownstone Gallery, ist im letzten Jahr positiv aufgenommen worden.

Das Magazin The New Yorker fand Wöhrls "Gloriolen" aus strahlenförmig
angeordneten Spanplatten-Resten "auf eine stille Art verzaubernd"
("quietly enchanting"). Und das Kunstmuseum Bonn sicherte sich, nach
Wöhrls Debüt in der Galerie Oberem, ebenfalls 2008, gleich das
Lampenpaar "Witwe v. Hagen & der Joni".

Seine Vorlieben für freche Titel sowie Materialien vom Baumarkt oder
Sperrmüll hat Martin Wöhrl für die aktuelle Bonner Ausstellung
beibehalten. "Dr. Igel", ein Wandobjekt mit roten und weißen Stacheln aus
Spannplatten reckt sich eher anmutig als bedrohlich in die Höhe. Und die
Hommage an den berühmten Barcelona-Pavillon, den Mies van der Rohe
1929 als deutschen Beitrag für die Weltausstellung entwarf, nennt Wöhrl
"Mies and Roh".

Aus der stilbildenden Architektur mit den frei stehenden Wänden ist eine
Bodenskulptur aus weißen Ikea-Regalen geworden, dekoriert mit einer
Gipsbüste frei nach Wilhelm Lehmbrucks traurig blickenden
Frauenfiguren. Auch die aufrecht stehende "Scheibe" besteht aus
ausrangiertem Material und besinnt sich zugleich auf Schönheit und
Bedeutung vergangener Zeiten.

Aus sechs zusammengefügten Türblättern sägte Wöhrl ein Maßwerk nach
dem Vorbild der Fensterrosen gotischer Kathedralen aus. Mit Erstaunen
lässt sich beobachten, wie die alte ornamentale Schmuckform dabei nicht
nur ihre Faszination behält, sondern den Zivilisationsabfall, aus dem sie
herausgelöst wurde, in ein künstlerisch wertvolles Material verwandelt.

Dauer der Ausstellung bis zum 27.2.2010

Kontakt

Galerie Barbara Oberem

Hausdorffstraße 63 D-53129 Bonn

Fon     +49 (0)228 619 58 57

Mobil +49 (0)170 531 47 47

info@galerieoberem.de

Öffnungszeiten

Di-Fr 10-12 Uhr, Do-Fr 16-20 Uhr
und nach Vereinbarung

Links

http://www.galerieoberem.de/newpages/ausstellungen/2009/Ver_28ze/ansicht1.html