Diese Frage stellten Angelika Wende und Heiko Schulz im Rahmen der Mainzer Museumsnacht im Kultur Salon vor Ort im Atelier Neun. Brennstoff um unter den Talkgästen heiße Kontroversen zu entfachen.
Mit dabei waren die Freischaffende Künstlerin Birgid Helmy, die Galeristin Dagmar Rehberg und der Künstlerische Leiter der Gesellschaft der Freunde der Künste, Gottfried Böhmer.
Diejenigen, die mit ihrer Kunst Geld machen hatte der Salon nicht als Gäste geladen. Georg Baselitz nicht, Gerhard Richter nicht, Sigmar Polke nicht, Bruce Nauman nicht und all die anderen Superstars der Bildenden Kunst nicht, die auf der Ranking Liste ganz oben stehen. Schade eigentlich - sie hätten den KünstlerInnen, die sich im Publikum befanden sicher ein paar Tipps geben können.
Ein grundsätzliches Dilemma des Kunstschaffenden ist die Tatsache, dass die Gesellschaft der Meinung ist, dass Kreativität an sich keinen Wert hat. Arbeit wird nur dann als sinnvoll erachtet, wenn sie eine direkte Belohnung nach sich zieht oder einen Nutzen zur Folge hat.
Die Masse schätzt den Wert einer Tätigkeit danach ein, wie viel Geld damit verbunden ist. Was kein Geld bringt taugt nichts und hat keinen Wert.
Die Agentur für Arbeit in Berlin Tempelhof- Schöneberg ist da erstaunlicherweise anderer Meinung: In einer dpa Meldung vom 26. Mai 2010 steht zu lesen: „Bislang hieß es, selbst geschaffene Kunstwerke von bildenden Künstlern dürften nicht als Vermögen angerechnet werden.
Nun liegt der Fall vor, dass die Agentur für Arbeit - Jobcenter Berlin Tempelhof-Schöneberg - zwei Künstlern das Arbeitslosengeld II streichen will. Als Begründung führt das Jobcenter an, dass die von den Künstlern selbst geschaffenen Kunstwerke verwertbares und einzusetzendes Vermögen seien.
Kunst ist also Vermögen – es zu veräußern wäre die Kunst!
Und da ist der Haken: Seit es Künstler gibt weiß jeder, dass der, der seine Werke verkauft und davon leben kann eher ein Glückspilz ist, als ein begnadeter Künstler. Ich erinnere an Van Gogh, der zu Lebzeiten kaum Bilder verkauft hat – der Käufer: sein Bruder Theo.
Oder an Amedeo Modigliani, der in seinem Leben eine einzige Ausstellung hatte, die bei der Vernissage wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses von der Polizei beendet wurde. Was ein Modigliani heute wert ist wissen wir nicht erst seit dem Diebstahl der Dame mit dem Fächer aus dem Pariser Museum.
Fakt ist: Nur wenige Künstler verdienen mit der Kunst und das ist nicht Zeitgeist 2010. Es war schon immer so. Nur ein verschwindend geringer Teil der Kunstschaffenden schafft es von dem zu leben was ihre Arbeit ausmacht: Kreativität und künstlerische Produktion.
Alle anderen machen weiter, weil sie nicht anders können. Sie müssen sich kreativ ausdrücken. Nimmt man diesen Menschen diese Form sich auszudrücken, nimmt man ihnen Wesentliches. Künstler eben, eine besondere Spezies und vielen suspekt.
Warum aber können die einen von Ihrer Kunst leben und die vielen anderen nicht? Warum schafft es ein Picasso, und ein Modigliani nicht? Qualität in Kombination mit gutem Marketing? Sind das die Schlüsselworte?
In Deutschland leben 55.000 Bildende Künstler. Durchschnittseinkommen 10.509 Euro im Jahr! Bis zu 80 Prozent der selbstständigen Künstler, ob ausgebildet oder nicht haben einen Nebenjob.
„Die Kunst ist brotlos“. Der Künstler leidet, nicht nur Hunger, seine Seele leidet. Aber Leid macht ja bekanntlich kreativ. Somit stimmt es dann ja wieder: das Klischee vom armen Künstler als Avantgardist der Not.
Anders als der Künstler leben Andere mittelbar von der Kunst. Es sind diejenigen, die sie verwalten in Stiftungen, Behörden und Museum und jene, die sie ausschlachten: Kunsthistoriker, Galeristen, Kuratoren, Journalisten, die Touristenindustrie, die Künstlersozialkasse und das Finanzamt.
Wer hat den Zauberstab in der Hand um aus einem Bild eine Wertanlage zu machen? Das ist die Frage! Wenn Du als Künstler mit dem Feuer für deine eigene Arbeit kein nasses Holz zum Brennen bringen kannst, dann lass es besser…Lassen sie mich das mal ins Wirtschaftsdeutsch übersetzen:
Wenn du als Produzent deiner Ware, deine Ware nicht an den Mann bringen kannst hast du kein Marketingtalent. Aber? Seit wann ist der Produzent auch zugleich Marketingstratege…
Irgendwie stimmt hier was nicht.
Und das zeigte sich dann auch in der Diskussion. Die einen schaffen es und die anderen nicht. Birgid Helmy, selbst freischaffende Skulpturistin weiß warum.
Der künstlerische Erfolg läge maßgeblich am individuellen Selbstvertrauen und fordere den Einsatz der eigenen Überzeugungskraft gegenüber Galeristen und der Kunstszene, so Helmy.
Eine exzellente Homepage zum Zwecke der Selbstvermarktung gehöre selbstverständlich dazu, wohl dem der 12.000 Euro hat, soviel habe die ihre gekostet, und ein bisschen Kunst am Bau machen schade auch nicht. Zudem habe sie Glück gehabt.
Ihre Arbeiten fanden Gefallen beim Ministerpräsident Roland Koch. Dass ein Künstler in der ersten Reihe nach diesem Statement kopfschüttelnd den Saal verließ, sprach Bände.
Der Galeristen spielt eine entscheidende Rolle zur öffentlichen Wahrnehmung künstlerischer Talente. Sie tragen erheblich dazu bei ob´s mit der Kunst was wird oder nicht.
Das ist zwar nichts Neues, aber dass sie nicht auf Kosten der von ihnen vertretenen Künstler in Saus und Braus leben, konnte Dagmar Rehberg, seit siebenunddreißig Jahren Galeriebesitzerin, dem Publikum überzeugend vermitteln.
Der Gewinn wird geteilt und die Investition in Künstler sei ein kostenaufwendiger Fulltimejob und erfordere Beständigkeit, so Rehberg.
Fazit: Hat der Künstler keinen Galeristen, vorzugsweise mit Messepräsenz, stehen die Chancen mies durch die Kunst leben zu können. Bis der Galerist einen Newcomer aufgebaut hat, vergehen in den meisten Fällen Jahre.
Geduld ist also angesagt und ein langer Atem. Dazu Glück und Marketing und schon haben wir die Zauberformel für künstlerischen Erfolg und Cash. Ach ja, und Qualität natürlich, nur wer bestimmt diese?
Wer entscheidet was gute Kunst ist und was nicht? So stritten sich denn auch die Geister im Kultur Salon über den Hype um Neo Rauch und orakelten über das Verfalldatum seiner „Ware“. Kurator Gottfried Böhmer sprach aus Erfahrung und als Kenner der Kunstszene.
Er gab zu bedenken, die Macher seien die Kapitalgesellschaften, die hinter den großen Galerien stehen. In Deutschland, so Böhmer, glaube man Kunst und Kultur seien eine Art Give away fürs Volk, sobald bezahlt werden soll, sei die Masse bereit darauf zu verzichten.
Anders in den USA. Da liegt die Kunst überwiegend in privater Hand. Hier ist sie vielmehr Nahrungsmittel und nicht, wie die Deutschen glauben, überflüssiger Luxus,den kein Mensch braucht.
Am Ende der Diskussion war klar: Es gibt wenig Hoffnung für KünstlerInnen und die, die es werden wollen und einen Leitfaden zum Erfolg schon gar nicht.
Die Ursache dafür, weshalb der Künstler der Letzte ist der an der Kunst verdient, formulierte Böhmer treffend in seinem Fazit: „Es stand noch nie schlecht um die Kunst, nur um die Gesellschaft“. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Link zur az: http://www.allgemeine-zeitung.de/region/mainz/meldungen/8965780.htm
Angelika Wende
Pressearbeit & Kommunikation
oncue
communication & event GmbH
Bastion Philipp 9 | D-55131 Mainz
Phone: +49 6131 83 55 26-0
Fax: +49 6131 83 55 26-9
angelika.wende@oncue.de

