Herren-bestatter ist nach Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm und Monsun im April das dritte Stück, das Theresia Walser für das Nationaltheater schreibt. 1998 wurde sie von der Jury der Zeitschrift Theater heute zur Nachwuchsautorin des Jahres gewählt; im gleichen Jahre erhielt sie den Förderpreis des Schiller-Gedächtnispreises des Landes Baden-Württemberg.
In der Herrenabteilung eines Kaufhauses: Es ist der letzte Arbeitstag von Herrn Ellenbeck, einem Verkäufer, der seit über 20 Jahren dort arbeitet und nun, ein paar Jahre vor seiner Rente, gekündigt worden ist. An Ellenbecks Seite steht bereits sein junger Nachfolger, Herr Lenz, der sich, obschon er Ellenbecks Korrektheit belächelt, vor einer ähnlichen Zukunft fürchtet.
Gemeinsam müssen sie diesen letzten Tag an der „Front“ verbringen, wo sich nicht viele Kunden blicken lassen, zumal das Kaufhaus seine besten Zeiten hinter sich hat und Gerüchte von Insolvenz ebenso die Runde machen wie die Nachricht, im obersten Stockwerk würden die Regale bereits nicht mehr aufgefüllt.
Trotz alledem kommt Frau Irrwein, die Abteilungsleiterin, mit immer abstruser werdenden Verkaufsideen daher und versucht, ihre Mitarbeiter zu „Munterkeitssoldaten“ zu erziehen, die ihre Waren mit einer so grotesken Sprache anpreisen sollen, dass man beim besten Willen nicht mehr weiß, worum es sich handelt.
In dieser tolldreist versinkenden Welt ziehen allerhand Gestalten durch die Kaufhausflure: Eine junge Frau, die für ihren toten Vater einen Anzug kaufen möchte, ein Ehepaar, das nach einer Hose für ihn sucht und dabei einen Kleinkrieg anzettelt, der sich am Ende gegen die Verkäufer wendet, bis hin zu einer männlichen Kassandra, die mit apokalyptischer Lust den Untergang unserer gefräßigen Warenwelt vorhersagt.
Ungeachtet all dieser Turbulenzen steht mittendrin Ellenbeck mit stoischer Haltung, der hier seinen letzten Tag verbringt und so, als sei nichts Besonderes, seine Kunden wie stets zuvorkommend behandelt, obwohl dieser Beruf seine einzige Leidenschaft ist, und er jetzt vor dem Nichts steht.
Inszenierung Burkhard C. Kosminski - Bühne Florian Etti - Kostüme Lydia Kirchleitner -Musik Hans Platzgumer
Mit Gabriela Badura, Jenny König, Anke Schubert; Ralf Dittrich, Hans Fleischmann, Reinhard Mahlberg, Jacques Malan, Sven Prietz, Peter Rühring
Weitere Vorstellungen: 25. und 31. Dezember, 8., 12., 23. 31. Januar 2010
Kartentelefon: 0621- 16 80 150, www.nationaltheater-mannheim.de
Sandra Strahonja
Pressereferentin Oper und Schauspiel
Nationaltheater Mannheim
Mozartstr. 9
68161 Mannheim
Tel: 0621 - 16 80 444
Fax: 0621 - 16 80 443

