Der Rosshändler Kohlhaas ist mit seinen Rappen unterwegs zur Messe. An der Grenze wird er aufgefordert, einen zusätzlichen Pass vorzulegen oder umzukehren. Dem Rosshändler bleibt nichts anderes übrig, als zwei seiner Pferde als Pfand beim Junker von Tronka zurück zu lassen und sich einen solchen Pass zu besorgen. Auf dem Amt erfährt er, dass es dieses Papier gar nicht gibt.
Kohlhaas kehrt zurück. Der Junker hat seine Pferde durch Feldarbeit halb zu Tode geschunden. Kohlhaas reicht eine Klage gegen ihn ein, die aber niedergeschlagen wird. Ein weiterer Versuch, gegen den Junker vorzugehen, versickert im Filz der Bürokratie.
Als Kohlhaas’ Frau mit einer Bittschrift zum Kurfürsten geht, wird sie von dessen Wachen so verletzt, dass sie stirbt. Kohlhaas bewaffnet daraufhin seine Knechte und zündet die Burg des Junkers von Tronka an. Der Junker kann fliehen und verschanzt sich in Wittenberg. Kohlhaas steckt mit seiner Bande, die zum Sammelbecken für Entrechtete aller Couleur geworden ist, die Stadt dreimal in Brand.
Luther verspricht, sich für ihn einzusetzen. Aber für eine Befriedung des Konflikts ist es zu spät. Kohlhaas wird vom Jäger zum Gejagten. Die Mühlen der Justiz laufen gegen ihn, und die kriminelle Energie seiner Bande verselbständigt sich zur Anarchie. Am Ende steht der Rosshändler auf dem Schafott.
Nach ‚Der zerbrochne Krug’, ‚Das Käthchen von Heilbronn’ und ‚Die Familie Schroffenstein’ setzt das Schauspiel die Auseinandersetzung mit dem Werk Heinrich von Kleists mit einer Theater-Adaption dieser Meisternovelle fort.
Kleist treibt die Paradoxie eines authentischen Justizfalles in die schlimmstmögliche Wendung und damit in die Absurdität. Recht und Moral werden von unverrückbaren Grundsätzen einer Gesellschaft zu beliebig interpretierbaren Leerformeln.
Konstanze Lauterbach gehört zu den renommiertesten deutschen Regisseurinnen und arbeitet regelmäßig am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Zuletzt inszenierte sie Grillparzers ‚Die Jüdin von Toledo’, Massenets ‚Werther’ und Alban Bergs ‚Lulu’.
Bilder übernehmen einen ordentlichen Teil der schwierigen Aufgabe: Wie soll man eine so ungeheuerliche Geschichte wie Kleists Erzählung ‚Michael Kohlhaas‘ auf die Bühne bringen? Lauterbach, deren Theaterarbeit immer eine körperbezogene, fein choreografierte und mit kleinsten Gesten arbeitende ist, weist mit einem großartig agierenden Ensemble jeder Figur eine Eigenständigkeit zu. Zumal Michael Günther als Michael Kohlhaas, der vom jovialen Gemütsmensch zum Gerechtigkeitsfanatiker wird. Jörg Zirnstein, der als Herse ebenso beeindruckt wie als eleganter Prinz Meißen das Publikum begeistert.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2010
Konstanze Lauterbach inszenierte für das Wiesbadener Kleine Haus die Kleist-Novelle ‚Michael Kohlhaas‘. Der trockene Rechtsstreit ist als buntes lautes, unterhaltsames Spektakel auf die Bühne gekommen. Das große Ensemble bewies eine beachtliche Leistung. Michael Günther ein präsent kraftvoller Kerl, dem man den Ausbruch seiner Wut glaubt.
Eine Diskrepanz tut sich auf zwischen Kohlhaas‘ ‚gerechtem Krieg‘ und dem anarchischem Aufruhr eines Nagelschmidt, fulminant dargestellt von Oliver Breite. Rasante Szenenwechsel demonstrieren eine Welt, die in Unordnung gerät und damit auch clowneske Momente in sich birgt.
Komödiantisch lässt sich die Tragik eines Michael Kohlhaas für heutiges Publikum vielleicht noch am eindringlichsten erzählen. Respekt. Das Premierenpublikum dankte für einen atemlosen Abend mit langem, rhythmischen Applaus.
Wiesbadener Kurier, 01.02.2010
Wie soll man eine so ungeheuerliche Geschichte wie Kleists Erzählung ‚Michael Kohlhaas‘ auf die Bühne bringen? Lauterbach, deren Theaterarbeit immer eine körperbezogene, fein choreografierte und mit kleinsten Gesten arbeitende ist, weist mit einem großartig agierenden Ensemble jeder Figur eine Eigenständigkeit zu. Zumal Michael Günther als Michael Kohlhaas, der vom jovialen Gemütsmensch zum Gerechtigkeitsfanatiker wird. Jörg Zirnstein, der als Herse ebenso beeindruckt wie als eleganter Prinz Meißen das Publikum begeistert.
Staatstheater Wiesbaden begeistert mit Kleists ‚Michael Kohlhaas‘ (...) in klug gestraffter, stark akzentuierter Theaterfassung von Konstanze Lauterbach und Dramaturgin Dagmar Borrmann. Die mimisch und gestisch lebhaft unterstrichenen und vom Ensemble deutlich artikulierten Szenen faszinieren. Begeisterter Beifall für Regieteam und Ensemble.
Gießener Allgemeine Zeitung, 05.02.2001
Kleists berühmte Novelle ‚Michael Kohlhaas‘ in einer packenden Theaterfassung. Konstanze Lauterbach, eine der interessantesten Regisseurinnen der Szene, die mit innovativen Ideen dem Theater jene Impulse gibt, die es zum Überleben in kargen Zeiten braucht, hat Kleists Novelle – in Zusammenarbeit mit Dagmar Borrmann – geschickt dramatisiert. Ovationen für ein Stück, das in unsere Tage passt.
Frankfurter Neue Presse, 01.02.2010
Lauterbach und ihr gut eingespieltes Ensemble adaptieren den Stoff szenisch dicht, abwechslungsreich und unterhaltsam für die Bühne. Das mag oberflächlicher sein als das Original, aber es ist ohne Zweifel auch unterhaltsamer, weniger anstrengend und manches Mal richtiggehend erhellend. Unbedingt zu erwähnen ist Jörg Zirnstein, der als Knecht Herse den Schmutz vergangener Zeiten atmet und auch als Prinz von Meißen umwerfend auf den Punkt genau agiert.
Nachtkritik, 02.02.2010
Konstanze Lauterbach zeigt in Wiesbaden auf ihre Weise den ‚Michael Kohlhaas‘ zur Stunde. Fast besser noch als in die Zeiten des Aufruhrs passt ‚Michael Kohlhaas‘ in die Zeiten des ausbleibenden Zorns. Die Wahl des Wiesbadener Staatstheaters trifft also schon im Prinzip ins Schwarze.
Frankfurter Rundschau, 03.02.2010
Lars Wellings spielt den adligen Fiesling so abstoßend gut, dass man beim spektakulären Feurio und Mordio des rigorosen Racheengels die Säuglinge gerne übersähe, die da aus den Fenstern der brennenden Tronka-Burg geschleudert werden. Strandgut, März 2010
Strandgut, März 2010
Dem Team gelang es, bei größtmöglicher Werktreue mit vielen wörtlichen Textpassagen des Kleistschen Originals eine lebendige, unterhaltsame und sehr kurzweilige Bühnenversion zu schaffen, die das Thema eindringlich an den Zuschauer bringt. Wer einen hochaktuellen politischen Stoff erleben möchte, wird einer nachdrücklichen Inszenierung beiwohnen und nicht enttäuscht nach Hause fahren.
Suite101.de, 05.02.2010
Die 15 wunderbaren Schauspieler überzeugen mit Spiellust, Temperament und Freude am Gestalten. Glänzend Michael Günther als der in seinem Gerechtigkeitswahn und Hass weit übers Ziel hinausschießende Kohlhaas.
Hanauer Anzeiger, Allg. Zeitung Gießen, Kassel, Alsfeld, Dortmund, Heidelberg, und RMT-Magazin, Februar 2010
nach der Novelle von Heinrich von Kleist
Theaterfassung von Konstanze Lauterbach und Dagmar Borrmann
Regie
Bühne
Kostüme
Musik
Dramaturgie
Mit:
Michael Kohlhaas
Lisbeth / Zigeunerin / Volk / Chor
Herse / Prinz von Meißen / Chor
Tronka / Wenk
Hinz / Geusau / 3. Ratsherr / Meister Himboldt
Kunz
Bruno Winzen
Luther / Graf Wrede
Nagelschmidt / Kurfürst von Sachsen
Oliver Breite
Burgvogt / Sternbald / Knecht Kunz / Kurfürst v. Brandenburg
Magd bei Tronka / Chor / Gast bei Tronka / Bürgerin v. Wittenberg / Straßenjunge / Hofdame / Volk
Junger Kecht bei Tronka / Chor / Friedrich / Händler Marktplatz
Stimme Advokat im Chor / Amtmann / 2. Ratsherr / Abdecker
Knecht bei Tronka / Chor / Zöllner / Rümhold / Volk Marktplatz
Gregor Müller
Knecht bei Tronka / Chor / Gast bei Tronka / 1. Ratsherr / Offizier der Wache / Volk Marktplatz
Steven Gänge
Knecht bei Tronka / Chor / Gast bei Tronka / Waldmann / Volk / Händler Marktplatz
Dietmar Barbatschi
Kleines Haus
Sonntag, den 09.05.2010, 16.00 UhrFreitag, den 28.05.2010, 19.30 UhrDienstag, den 15.06.2010, 19.30 UhrMittwoch, den 30.06.2010, 19.30 Uhr
Aufführungsdauer: 2 Stunden 30 Minuten. Eine Pause.
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