Da staunt Alice nicht schlecht, als sie sich unversehens in einem Wunderland wieder findet, in dem so gar nichts nach den ihr bekannten Ordnungsprinzipien funktioniert.
Alice merkt gleich, dass sich solch skurrile Geschöpfe wie die Grinsekatze, die Königin, die rauchende Raupe, Humpty Dumpty und der Hutmacher von in der Schule gelerntem Erwachsenenwissen nicht beeindrucken lassen und muss einen anderen Weg finden, sich gegen die Bewohner des Wunderlandes zu behaupten.
Das berühmte Buch des englischen Logik-Professors Charles Lutwidge Dodgson, wie Lewis Carroll mit bürgerlichem Namen hieß, gilt als Klassiker der Kinderliteratur. Doch es ist weit mehr als das: Durch seinen intelligenten Sprachwitz und hintersinnige Denkspiele lädt es auch jeden Erwachsenen ein in eine kindlich anarchische Parallelwelt abzutauchen.
Die Bühnenbearbeitung von Roland Schimmelpfennig wurde 2004 uraufgeführt und besitzt durch die Songs eine poetisch-musikalische Akzentuierung. Schimmelpfennigs Sprache erschafft ein phantastisch-unheimliches Wunderland, das scharf konturiert der Alltagswelt der Protagonistin gegenübergestellt wird.
‚Ich bin ganz deiner Meinung’, sagte die Herzogin; ‚und die Moral davon ist: ‚Scheine, was du bist, und sei, was du scheinst’ – oder einfacher ausgedrückt: ‚Sei niemals ununterschieden von dem, als was du jenem in dem, was du wärst oder hättest sein können, dadurch erscheinen könntest, dass du unterschieden von dem wärst, was jenen so erscheinen könnte, als seiest du anders!’ (Lewis Carroll: ‚Alice im Wunderland’)
Vier Schauspieler in fünfzehn Rollen – das muss dem Jungen Staatstheater Wiesbaden erstmal jemand nachmachen! Regisseur Herbert Wandschneider und Ausstatter Oliver Kostecka (Bühnenbild und Kostüme) verleihen der Geschichte einen ganz neuen Glanz. Annette Müller als Alice ist ein aufgewecktes, neugieriges, abenteuerlustiges Mädchen auf der Suche nach sich selbst.
Während [Oliver] Wronka als Humpty Dumty einfach köstlich ist, brilliert Wolfgang Zarnack als coole Raupe, etwas finsterer Hutmacher und charmant grinsende Katze. Elke Opitz spielt die brave Alice-Schwester, den süßen Märzhasen, die resolute Pfefferköchin und haut ganz zum Schluss als herrische Königin ordentlich auf den Putz. (...) Passt alles bestens und macht richtig viel Spaß.
Wiesbadener Tagblatt, 26.05.2009
Das weiße Kaninchen kommt im Glitzeranzug und Flokatijacke auf die Bühne gehetzt. Oliver Wronka verkörpert es eindringlich als immer zu spät kommenden Zeitgenossen mit Gangsterblick und Reibeisenstimme.
Wiesbadener Kurier, 26.05.2009
Für Jugendliche und Erwachsene ist die Aufführung überaus sehenswert: Das Ensemble aus vier Schauspielern in 15 Rollen bringt die sprachverspielten Texte brillant auf die Bühne, Wortwitz und Wörterverdrehung stehen durchweg im Vordergrund.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2009
Bühne und Kostüme
Musik
Dramaturgie
Mit:
Alice
Alice Schwester / Königin / Köchin / Ente / Hase März
Weißes Kaninchen / Humpty Dumpty / Maus / Dideldum / Siebenschläfer
Hutmacher / Dideldei / Raupe / Katze
von Roland Schimmelpfennig nach Lewis Carroll
Wiederaufnahme am
Mittwoch, den 13.10.2010, 18.00 Uhr
Studio
Aufführungsdauer: 1 Stunde 10 Minuten. Keine Pause.
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