Bis zum 24. Mai zeigen die Krefelder Kunstmuseen in den benachbarten Häusern Lange und Esters an der Wilhelmshofallee in einer Sonderausstellung Werke der Künstler Alan Uglow und Herbert Hamak. Museumsdirektor Dr. Martin Hentschel präsentiert bewusst diese beiden Künstler nebeneinander, weil sie gemeinsame Wurzeln haben und beide ihren Objekten räumliche, körperliche Form verleihen,wobei ihre verschiedenartige Ausprägung gut zum Ausdruck kommt.
Für seine Ausstellung im Museum Haus Lange hat der Maler Herbert Hamak eine Serie von neuen Bildern entwickelt, die als Interventionen die architektonischen Aspekte des Hauses betonen. Er arbeitet mit einem eigens entwickelten Polyester- Wachs-Gemisch, um seiner Farbe Räumlichkeit und Dicke zu geben. Raumecken, Wände oder Winkel erhalten eine farbige Markierung und körperhafte Erweiterung.
Dennoch betrachtet Hamak seine Werke als Bilder. Das gewohnte, nüchterne
Raumerlebnis der Villa wird durch die Farbvolumina emotional aufgeladen.
Grundsätzlich bekennt sich Hamak zu einer Beschäftigung „mit der Masse der
Farbe“. Er rührt in das Gemisch aus Kunstharzen und Wachs Farbpigmente ein und gießt die Masse anschließend in eine Form aus Siebdruckplatten.
Noch ehe die Masse abbindet und somit keine Veränderungen mehr zulässt, wird eineherkömmliche Leinwand auf Keilrahmen aufgespannt als Bildträger in die Masseeingelegt. Man kann Hamaks Werke als Weiterentwicklung der durch die MalereiMark Rothkos angestoßenen räumlichen Farberscheinungen betrachten.
Zugleich bewegen sich seine Arbeiten auf einer Ebene, die durch den Übergang vom Bild zum Objekt gekennzeichnet ist, wie das bei den Arbeiten Frank Stellas oder bei Ellsworth Kelly zu beobachten ist.
In der Ausstellung Alan Uglow kann der Besucher im Museum Haus Esters in eine Art von Überzeitlichkeit eintauchen. Die radikal reduzierte Bildsprache des Künstlers fordert eine konzentrierte Wahrnehmung von Malerei und eine Intensivierung des Blicks auf formale Details, die den Fluss der Zeit vergessen lassen.
Ende der 1960er Jahre, als Malerei nur mehr als verbrauchtes Medium betrachtet wurde, verschrieb sich der in Großbritannien geborene Künstler, der sich seit 1969 in der lebendigen Szene von New York bewegt, einer konsequenten Reduzierung und Ökonomie der malerischen Mittel.
Einfache geometrische Formen, klare Linien, die die Bildfläche strukturieren, oder die wie ein Rahmen das Bildgeviert umranden, eine limitierte Farbigkeit und Materialität und ein sich ausdehnendes Weiß binden Gemälde, Wand und Ausstellungsraum zusammen.
Mit solchen Elementen baute Alan Uglow auf den Errungenschaften der Minimal und Concept Art auf und arbeitete parallel zu Künstlern wie Brice Marden, Robert Ryman, Jo Baer oder auch Blinky Palermo an neuen Konzepten für die Malerei. Das viel diskutierte Ende der Malerei hat es für diese Künstler nie gegeben.
Die Bilder von Uglow erscheinen überaus reduziert, und dennoch entfalten sie ein reiches Potential an formalen und materialen Varianten. Wesentlich ist dabei die Position der Gemälde im Raum. Einige Arbeiten lehnen nur an der Wand, andere hat der Künstler im Museum Haus Esters nur knapp oberhalb der Fußleiste gehängt. Die Erwartung des Besuchers, dass sich ein Bild auf der Mitte einer Wand befindet, unterläuft er damit bewusst.
Alan Uglow zielt auf die Befragung des Bildes selbst ab, in dem er konsequent Zwischenräume besetzt: Seine Arbeiten sind Malerei und Objekt zugleich. Farbe erzeugt bei ihm bildlichen Raum und besitzt ebenso eine eigene stoffliche Präsenz, Gemälde und Ausstellungsraum stehen in Relation zueinander.
Sechzehn Gemälde und einige Fotoarbeiten aus den letzten zwölf Jahren, darunter sieben eigens für die Ausstellung neu entstandene Bilder, fügen sich harmonisch in die klare Architektur des von Ludwig Mies van der Rohe entworfenen Bauwerks ein.
Die Fotografien, die Uglow im Museum Haus Esters unter seine Gemälde gemischt hat, deuten eine Dialog an und reflektieren die Anschauung von Malerei. Sie zeigen Menschen, wie sie etwas betrachten, ohne dass in der fotografischen Aufnahme der Gegenstand der Betrachtung erkennbar ist. Durch den massiven Lichteinfall der großen Fenster erfahren die Werke eine gezielte Steigerung ihrer stofflichen Wirkung.
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