ZUR AUSSTELLUNG
Das Leopold Museum widmet dem bedeutenden norwegischen Expressionisten Aksel Waldemar Johannessen (1880-1922) die bisher größte Ausstellung in Österreich. Rund 60 Gemälde, Grafiken und Skulpturen zeigen ein aufregendes und ungemein kraftvolles, teils drastisches Oeuvre. Die Kunstwerke wurden von Prof. Rudolf Leopold persönlich für die Ausstellung ausgesucht.
RUDOLF LEOPOLD UND HAAKON MEHREN – KÄMPFER FÜR DIE KUNST
Prof. Rudolf Leopold verbindet seit langen Jahren eine sehr intensive Freundschaft mit dem norwegischen Galeristen und Kunstkenner Haakon Mehren, der das Glück hatte, das großartige Oeuvre von Aksel Waldemar Johannessen wieder entdecken zu dürfen. Ohne seine Bemühungen wäre möglicherweise heute ein Großteil der Werke des Expressionisten verloren. Haakon Mehren und Rudolf Leopold eint die unerbittliche Leidenschaft, mit der sie für einen Künstler eintreten.
GERSTL, SCHIELE, JOHANNESSEN
Die Wiederentdeckung des Schaffens des hoch talentierten Richard Gerstl (1883-1908), der aus unglücklicher Liebe und der daraus resultierenden gesellschaftlichen Marginalisierung Selbstmord beging, sowie die Geschichte der einzigartigen Wertsteigerung des Werkes von Egon Schiele (1890-1918), erinnern an den Weg Johannesens. Sowohl für Gerstls als auch für Schieles (Wieder-)Anerkennung trat Dr. Leopold jahrzehntelang ein. Schiele, der in jungen Jahren Opfer einer Epidemie wurde, war zum Zeitpunkt seines Todes kein Unbekannter mehr, stand vor dem Durchbruch.
Nach dem zweiten Weltkrieg dauerte es jedoch lange, bis Schiele internationale Anerkennung zuteil wurde. Gerstls Bilder landeten nach seinem Tod in einem Depot, wurden erst nach 20 Jahren wieder entdeckt und es vergingen ebenfalls Jahre, bis dem Vorreiter der österreichischen Kunst wieder ein gebührender Rang im Kunstgeschehen zuerkannt wurde. Johannessen wirkte lange Zeit »im Geheimen«, zeigte sein Werk nicht der Öffentlichkeit. Erst 1990 entdeckt Haakon Mehren wichtige Werke von Johannessen in einer Scheune.
SCHAFFENSKRAFT UND SELBSTZERSTÖRUNG
Johannesens früher Tod ist Folge des Raubbaus an seinem Körper. Die Neigung zur Selbstzerstörung wurde durch dramatische Ereignisse in seinem Leben verstärkt. Die Krebserkrankung seiner Frau ließ vor seinem geistigen Auge Horrorszenarien entstehen. Johannessen malte sich in düsterer Weise aus, wie seine Kinder eines Tages als Waisen zurück bleiben würden. Diese Visionen sind immer wieder Gegenstand seiner Bilder, so etwa in jenem, in seinem Todesjahr 1922 entstandenen Gemälde, das seine Tochter zeigt.
Das junge Mädchen beobachtet vom Fenster aus zwei vorbeigleitende dunkle Boote, deren Segel den Wind wie Sensen schneiden. Das Bild kann als Vorbote des Todes betrachtet werden. Trotz der unheilbaren Krankheit seiner Frau, war es Johannessen, der einige Monate vor ihr aus dem Leben schied. Die finsteren Prophezeiungen wurden von der grausamen Realität eingeholt. Die Bilder der letzten Jahre gehören ob Ihrer Direktheit zu den stärksten seines Schaffens, so etwa die »Kreuzigung«.
KUNSTSCHULE, KUNSTHANDWERK, TRACHTEN UND THEATERKOSTÜME
Aksel Waldemar Johannessen wurde 1880 in Kristiania, dem späteren Oslo, geboren. Er studierte an der Königlichen Kunstschule, lebte und arbeitete zur selben Zeit wie Edvard Munch (1863-1944) in Kristiania. Zunächst war er als Entwerfer für Möbel und Kunsthandwerk tätig. Gemeinsam mit seiner Frau Anna gründete er 1913 die Firma »Heimen Tegnekontor«, die sich der Herstellung von Trachten und Theaterkostümen widmete.
Er schuf viele Entwürfe für »Det Norske Teatret« (Norwegisches Theater), das zur selben Zeit vom norwegischen Dichterpaar Arne Garborg (1851-1924) und Hulda Garborg (1862-1934) begründet worden war. Um Arne und Hulda Garborg scharte sich ein Kreis von Literaten und Künstlern, wie etwa der Arbeiterdichter Kristofer Oliver Uppdal (1878-1961) und der Poet Olav Nygard (1884-1924), mit denen Aksel WaldemarJohannessen in engem Kontakt stand.
DER MALER JOHANNESSEN
Soziales Engagement, abseits öffentlicher Wahrnehmung Von seiner Umgebung weitgehend unbemerkt betätigte sich Aksel Waldemar Johannessen seit 1912 auch als Maler. Bis zu seinem frühen Tod 1922 entstanden über achtzig Gemälde, von denen sich der Künstler Zeit seines Lebens kaum trennte und die er auch nicht auf Ausstellungen zeigte. Johannessens Bilder überraschen durch die Direktheit ihrer Aussage.
Der Kritiker Jappe Nielsen, ein enger Freund von Edvard Munch bemerkte, dass sich Johannesens Bilder geradezu ins Gedächtnis einätzen würden. Viele der Bildthemen enthüllen ein hohes soziales Engagement, vergleichbar dem Werk von Käthe Kollwitz. In seinen Darstellungen des städtischen Proletariats solidarisiert sich Johannessen mit den Unterdrückten und Armen und sieht sich als Anwalt der mittellosen Arbeiter. In vielen seiner Bilder wendet er sich dem Schicksal der Trinker und Prostituierten zu.
Seine Anklage unterstützt Aksel Waldemar Johannessen oft durch effektvolle und theatralische Inszenierungen. Schließlich widmete sich Aksel Waldemar Johannessen auch der Schönheit der norwegischen Landschaft. Er schildert die Landarbeiter bei ihrer Tätigkeit auf den Feldern und beschreibt die abwechslungsreiche Umgebung von Kristiania.
TRAGISCHER TOD UND POSTHUME ANERKENNUNG
Aksel Waldemar Johannessen starb mit 42 Jahren an physischer und psychischer Zerrüttung, verursacht durch seine Alkoholabhängigkeit. Dazu kam noch der Kummer über die Krebserkrankung seiner Frau. Anna Johannessen sollte ihren Mann nur kurze Zeit überleben. Wenige Monate nach
dem Tod des Künstlers fand in der renommierten Galerie Blomqvist in Oslo 1923 eine Gedächtnisausstellung statt, bei der Johannessens Bilder erstmals in der Öffentlichkeit zu sehen waren. Die Schau rief große Aufmerksamkeit innerhalb der Kunstwelt hervor. Edvard Munch etwa sagte über Johannessens Bilder: »Mit das Merkwürdigste, dem ich je begegnet bin!«
VERGESSEN UND GERETTET
Trotz des Erfolgs dieser Ausstellung geriet Johannessen nach seinem Tod in Vergessenheit. Johannessens Bilder lagerten unbemerkt viele Jahre in einem Landhaus in der Nähe von Oslo. Erst 1990 wurden sie durch Zufall vom Kunstliebhaber Haakon Mehren wiederentdeckt. 1992 veranstaltete dieser in der Galerie Blomqvist neuerlich eine große Personalausstellung mit den wieder aufgetauchten Werken des Künstlers. Eine Reihe von Ausstellungen innerhalb und außerhalb Norwegens (Palazzo Te, Mantua, Palazzo Ducale, Venedig, Kunstforum der GrundkreditBank, Berlin) lenkte den Blick wieder auf diesen bemerkenswerten Maler, dessen expressionistische Malerei in der
norwegischen Kunst singulär erscheint.
Mit der Ausstellung im Leopold Museum ist Aksel Waldemar Johannessens Werk erstmals auch in Wien zu sehen. Die Ausstellung versteht sich als weiterer Schritt, diesem Künstler den Stellenwert zuzuerkennen, der ihm innerhalb der künstlerischen Aufbruchsbewegung Norwegens im frühen 20. Jahrhundert gebührt.
Dauer der Ausstellung bis zum 11.01.2010
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Links
http://www.akselwaldemar.com/?page=biography&text=full&lng=de
http://de.wikipedia.org/wiki/Aksel_Waldemar_Johannesen

