Gesellschaft Freunde der Künste

Nachrichten und Veranstaltungen in unserem Archiv

Latifa Echakhch, David Jablonowski, Charlotte Moth, John Smith, James Welling, Haegue Yang

After Architects bis zum 24.5.2010 in Basel

Die Kunsthalle Basel präsentiert After Architects, eine Gruppenausstellung mit Latifah Echakhch, David Jablonowski, Charlotte Moth, John Smith, James Welling und Haegue Yang. Die Ausstellung wurde von Adam Szymczyk in Zusammenarbeit mit Annette Amberg und Roos Gortzak kuratiert und untersucht die verschiedenen Haltungen der Künstler zur zeitgenössischen Architektur sowie das durch sie ausgelöste Unbehangen, indem sie ihren Blick auf die unspektakulären, konfrontativen und oft auch problematischen Aspekte des architektonischen Vermächtnisses richtet.

Eine Ausstellung sollte nicht für Architektur gehalten werden, auch wenn alle Formen des Ausstellungsdesigns gestaltet und gebaut werden müssen. Im Gegensatz zu vielen utilitaristischen Funktionen, die von der Architektur erfüllt werden, liegt der essentielle Zweck einer Ausstellungsarchitektur ungeachtet des Themas der Ausstellung darin, Bedingungen zu kreieren, die es den Besuchern ermöglichen, die künstlerischen Arbeiten, Dokumente oder andere Dinge zu sehen und zu erleben. Genauer gesagt, der Akt des Sehens soll mit Hilfe einer eigens gebauten Umgebung, mit Beschriftungen, Wandtexten und Audio-Guides als kontrollierte Passage konzipiert werden, die den Besucher innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne vom Eingang bis zum Ausgang leitet.

Die Architektur einer Ausstellung und wie diese die Wahrnehmung und Interpretation des präsentierten Materials beeinflusst, ist innerhalb der „Konzeptkunstagenda“ der kritischen Befragung des Museumsapparates als integraler Teil des Machtsystems in der kapitalistischen Gesellschaft zum Gegenstand künstlerischen Interesses geworden. Das Dispositiv der Architektur eines Ausstellungsraumes und dessen real existierende Umgebung – die privaten und öffentlichen Orte der Stadt – ist für viele Künstler zu einem Beschäftigungsfeld geworden.

Frühe Beispiele, die sich an Architektur und Ausstellungen richten, können in Robert Smithsons Essays gefunden werden, wie zum Beispiel in „Entropy and New Monuments“ (1966), einer kritischen Beurteilung des späten Internationalen Modernismus, auch in Dan Grahams Homes for America (1965), einer Dokumentation typischer Einfamilienhäuser in den amerikanischen Vorstädten, ebenso in Hans Haackes Untersuchung von Immobilienspekulationsmechanismen in Shapolsky et al. Manhattan Real Estate Holdings, A Real Time Social System, as of May 1, 1971, in Michael Ashers sandgestrahlten Räumen der Galleria Toselli in Mailand (1973) oder in Gordon Matta-Clarks Conical Intersect (1975), einem Schnitt in zwei Gebäude nahe den Les Halles in Paris, die abgerissen werden sollten, um dem Centre Georges Pompidou Platz zu machen.

Künstler haben verschiedene „Strategien gegen Architektur“ (um den Titel des 1983er Albums der Einstürzenden Neubauten auszuleihen) als Mittel ästhetischen Widerstands eingesetzt. Sie erkannten Gebäude und deren Inneres folgerichtig als symbolische und tatsächliche Schauplätze der Macht und versuchten, ein „Leben ohne Gebäude“ (um hier den Namen einer Band aus Glasgow aus den späten 1990er Jahren zu entlehnen) und eine „Architektur ohne Architekten“ zu ersinnen (ein Begriff, der in einer von Bernard Rudofsky kuratierten MoMA-Ausstellung im Jahre 1964 eingeführt wurde).

In den 1990ern setzten sich diese direkten Eingriffe an existierenden Gebäuden in einem veränderten sozial-politischen und wirtschaftlichen Kontext in den Arbeiten von Rachel Whiteread fort (House (1993), ein Betonabguss des Inneren eines viktorianischen Hauses in einer Strasse im Osten Londons, in der alle Gebäude abgerissen wurden, um einem Neubauprojekt zu weichen). Entscheidende Statements zur Politik des häuslichen und öffentlichen Raums können in den diskursiven und vielschichtigen Installationen von Marc-Camille Chaimowicz gefunden werden, die in diesem Jahrzehnt wachsende Aufmerksamkeit erfahren haben, so zum Beispiel Celebration? Realife (1972) im ICA in London; ein anti-minimalistisches, heimisch-glamouröses und eindringliches Environment gefundener Objekte.

Dasselbe gilt für Christian Philip Müller (Forgotten Future (1992) im Kunstverein München – eine für die Arbeit vieler nachfolgender Künstler wegweisende Installation, die den Modernismus als archäologischen Schauplatz und futurologische Projektionsanordnung betrachtete) oder die Fotografien von James Welling und Louise Lawler. All diese Künstler haben Paradigmen für die zeitgenössische Kunst, die sich mit Architektur beschäftigt, aufgestellt, welche von zahlreichen, heute mit und in gebauter Umgebung arbeitenden Künstlern anerkannt, diskutiert, überarbeitet und verändert werden.

Die Voraussetzung für die Ausstellung „After Architects“ liegt in der Annahme, dass weder Architektur noch Ausstellungsarchitektur als gegebener, neutraler Teil “unserer Welt” verstanden werden sollten. Die Rolle der Architektur muss im Gegenteil konstant hinterfragt und ihre Bedeutung durch gelebte Erfahrungen neu interpretiert werden. In der Vergangenheit wurden Gebäude und Ausstellungen konstruiert, um verschiedenen ideologischen Programmen zu dienen, und sie müssen in Beziehung zu den konkreten wirtschaftlichen und politischen Kontexten, in denen sie entstanden sind, betrachtet werden.

Kunst kann ein effizientes Mittel zum Verständnis dazu sein, wie Gebäude uns in den Szenarien anderer Leute Rollen spielen lassen, wie wir durch unsere Ausstellungen ausgestellt werden und was es ist, das uns ansieht, wenn wir einen Raum oder ein Gebäude anschauen (ein Thema in „Rooms Look Back“, einer Ausstellung in der Kunsthalle Basel, die 2008 von Simone Neuenschwander kuratiert wurde). „After Architects“ beginnt dort, wo die Architekten die Bühne verlassen und ihre Entwürfe über uns aufragen, denn es sind wir – die Benutzer, oder „Menschen“ –, welche die virtuellen Adressaten der Arbeit der Architekten sind, und der eigentliche Gegenstand von Architektur.

Kontakt

KUNSTHALLE BASEL, STEINENBERG 7, CH-4051 BASEL · T: +41 61 206 99 00 · F: +41 61 206 99 19

info@kunsthallebasel.ch 

Links

http://www.kunsthallebasel.ch/ausstellungen/aktuell/90