Alexander Grinberg gehört heute zu den bedeutendsten Vertretern der piktoralistischen Fotografie Russlands. 1906 schließt sich der junge Grinberg der Russischen Fotografischen Gesellschaft Russlands an und kann schon wenige Jahre später erste künstlerische Erfolge verzeichnen, wie auf der Dresdener Photokunstausstellung im Jahre 1909.
Während seiner Zeit in deutscher Kriegsgefangenschaft entstehen zahlreiche Landschaftsfotografien, die neben Bewegungsstudien, Aufnahmen von Stilleben, fotografischen Portraits und Nackt-Fotos das künstlerische Werk von Alexander Grinberg ausmachen. Im Anschluss an die Oktoberrevolution ist er u.a. als Dozent am Staatlichen Technikum für Kinotechnik und als fotografischer Ausstellungsgestalter im Moskauer Lenin-Museum tätig.
1936 wird ihm sein, gänzlich von den Vorstellungen der kommunistischen Regierung abweichendes Frauenbild, zum Verhängnis. Dem Vorwurf der Fotopornografie folgt die Verurteilung zu 20 Jahren Erziehungslager. Trotz der vorzeitigen Freilassung nach 4 Jahren aufgrund guter Führung, ist es ihm im Anschluss nicht möglich, seine Arbeit uneingeschränkt fortzuführen.
So arbeitet er anonym u.a. als Cheffotograf bei Intourist und Modefotograf und kämpft parallel bis zu seinem Tode 1979 für seine Rehabilitation.
Einführung: Dr. Helga Meister
Vernissage: Donnerstag, 18.02.2010, 19:00 Uhr
Weitere Infos:
Die Kunstszene in Düsseldorf - Flingern macht von sich reden, dazu gehört die Galerie Viktor Grray. Der russische Fotograf Vadim Gushchin, Jahrgang 1963, hatte die Technische Universität in Moskau besucht und in der Armee gedient, als er 1989„Seiten aus dem Tagebuch eines Soldaten“ herausgab.
Das Verwunderliche an diesen Aufnahmen ist, dass sie nichts mit Armee-Propaganda zu tun haben, sondern an Konzeptkunst der 70er Jahre erinnern. Gushchin gehört zur neuen Generation Moskauer Künstler, die sich als Kunstfotografen einen Namen machen. In der Galerie Viktor Grray präsentiert er Schwarz-Weiß-Aufnahmen als extreme Licht-Schatten-Spiele.
Er konzentriert sich auf Stillleben, zeigt Bücher-Stapel aus Bibliotheken, Eierbehälter aus Pappmaché, zu Säulen gerollte Papierseiten, insgesamt also nichtige Alltagsgegenstände. Er inszeniert sie zu Stillleben, indem er die Dinge auf Regalbretter wie auf Präsentierteller stellt. Jedes Motiv wird auf diese Weise zu einem Teil eines imaginären Archivs von Gegenständen.
Gushchin knüpft mit seiner Kunst an die Stilllebenmalerei und den Piktorialismus in der russischen Fotografie an. Die Tageslicht-Aufnahmen überhöhen die banalen Alltagsdinge und überführen sie in eine lautlose Stille und Zeitlosigkeit.
Dabei wird deutlich, dass die alte Tradition der relativ jungen Konzeptkunst nahe steht, wie sie von dem um 15 Jahre älteren Japaner Hiroshi Sugimoto vertreten wird. Beide Künstler beschäftigen sich in ihren höchst präzisen, sehr ruhigen Darstellungen mit Fragen von Realität und Abbildung, mit dem Vergehen und Festhalten von Zeit und vor allem mit Schatten und fein nuancierten Abstufungen von Grautönen.
Parallel dazu zeigt die Galerie Viktor Grray mit Alexander Grinberg (1885-1979) einen Vorreiter des Piktorialismus, dessen Stil im Einklang mit der mystischen Atmosphäre von Landschaften und Gegenständen steht.
© Helga Meister
ÄSTHETIK DER STATIK von Alexander Grinberg und Vadim Gushchin
Der Moskauer Fotograf Vadim Gushchin konzentriert sich nicht nur auf seine gegenständlichen Stilleben-Kompositionen. Seit Jahren widmet er sich der Architektur.
Der Gewinner des Silver Camera Award von 2007 fotografiert u.a. Moskauer Vorstädte
und focussiert sich seit längerem auf die Stadt Düsseldorf mit dem individuellen Hafengelände oder dem Derendorfer Güterbahnhof. Aktuell ist er in der Galerie Viktor Grray zu sehen.
Die Ausstellung "ÄSTHETIK DER STATIK" verbindet die Arbeiten zweier Moskauer Fotografen - Alexander Grinberg (1885-1979) und Vadim Gushchin - ungeachtet der stilistischen und epochalen Unterschiede in ihren Werken. Die piktorialistischen Arbeiten Alexander Grinbergs vereinigen sich mit den minimalistischen und gegenständlichen Konzept-Kompositionen Vadim Gushchins.
Der Titel der Ausstellung ist an die 1920er Jahre angelehnt, als die Fragen der Dynamik und der Statik diskutiert wurden und in diesem Jahrzehnt ihren Höhepunkt ereichten.
Gushchin zeigt helle Gegenstände auf schwarzen Hintergrund, aufgebaut in einer strengen, reduzierten Ordnung. Eine Serie Grinbergs aus dem Jahre 1928 stellt Tänzerinnen und Tänzer dar, die mit ihren Figuren komplizierte geometrische Kompositionen aufbauen - an eine gegenständliche Errichtung erinnernd.
Die „Kunst der Bewegung“ erstarrt in der expressiven Anstrengung des Augenblicks.
Die Ausstellung läuft bis zum 31.03.2010, alle Informationen finden Sie unter www.viktor-grray.de.
Informationen zu den Künstlern: Alexander Grinberg / Vadim Gushchin
Alexander Grinberg (1885 - 1979)
in Moskau geboren.
1905 Beendigung des Gymnasiums. Anschließender Zeichenunterricht an der Stroganow-Fachschule.
1905 – 1912 Studium an der physikalisch-mathematischen Fakultät der Moskauer Universität
1906 Mitglied der Russischen Fotografischen Gesellschaft (RFG).
1909 Erhalt der Goldmedaille bei der Internationalen Fotografischen Ausstellung in Dresden.
1913 Nach Ausschreibung Arbeit als Ausbilder der RFG.
1914 Organisator der Fotoabteilung der Kinofabrik A. Chanshonkow.
Arbeitet als Kinokameramann. Einberufung zur regulären Armee.
1915-1918 Gefangenschaft in Deutschland. Übersetzer einiger Ausgaben für Foto- und Kinochemie.
1918 Arbeit als Kameramann in den Moskauer Filmfabriken Charitonow, Jermoljew, „Biofilm“.
1919 Kameramann der Politabteilung der 41. Division der Roten Armee.
Anschließende Tätigkeit in der Odessaer Kinofabrik.
1921 Arbeit in der Gesamtrussischen Fotokinoabteilung.1923-1930 Lehrstuhlleiter für Kinotechnik und Kinoaufnahme in der Staatlichen Fachschule für Kinematografie (GTK).
1925-1928 Kameramann der ersten Fabrik Goskino.
1930 Mitarbeit in Projektorganisationen für Fotolabors.
1932 Auszeichnung mit der Urkunde des Zentralen Exekutivkomitees der UdSSR aus Anlass des 15. Jahrestages des sowjetischen Kinos.
1934 Lehrer für Fotokurse der Moskauer Gesellschaft der Fotoschaffenden.
1935 Teilnahme an der Ausstellung „Meister der sowjetischen Fotografie“ in Moskau.
Arbeit als Fotogestalter im Lenin-Museum.
1936 Verhaftung und Verurteilung zu fünf Jahren Arbeitslager mit der Begründung, ein „sozial gefährdetes Element“ (SGE) zu sein.
1936-1939 NKWD-Lagerhaft. Arbeit als Fotograf und technischer Leiter des Fotobüros der Lagerverwaltung. Leiter von Fotokursen.
1939 Entlassung aus dem Lager aufgrund seiner Arbeitsverdienste.
1939-1941 Fotograf im Museum des ehemaligen Troize-Sergius-Klosters.
1941-1945 Verbleib in Moskau während des Großen Vaterländischen Krieges.
1945 Eintritt ins Rentenalter. Arbeit als Portraitfotograf nach Vereinbarung.
Vadim Gushchin
geboren – 1963, Novosibirsk/Russland;
1986 Abschluss an der Technischen Universität, Moskau;
seit 1988 ist er freischaffender Künstler.
Auszeichnungen:
2007 “Silver Camera” Award 1. Platz für den besten Bericht über Moskau im Bereich Architektur.
Einzelausstellungen (Auswahl):
2009 “Photografien Vadim Gushchin”, Museum of the History of Photography, St.Petersburg;
2008 “Garderobe”, The Lumiere Brothers Photogallery, Moskau;
Russische Landschaft”, Galerie Glaz, Moskau;
Abstellraum", Galerie "Lumiere", Moskau;
2007 “Typologie” (mit J. Galert), Staatisches russisches Museum für Photografie, Nishny Novgorod/RU; Reflexes”, Galerie Reflex, Moskau;
2006 “Lecker und gesund”, Galerie Glaz, Moskau;
2005 “Rotta ad Est” (mit M. Koulakov), Sala dello yachting club, Porto della Maremma, Italien;
2004 “Il tempo mai andante”, Galerie Contarte, Rom;
Geometrie der Hygiene”, Galerie Etage 20, Düsseldorf;
Studio Domenico Gioia, Jesi, Italien;
2003 “Personalismus des Dinges”, Kultur Bahnof Eller, Düsseldorf; Reflex Galerie, Moskau;
2002 “Art Attributes”, art-cafe “PirOGI”, Moskau;
2001 “Im Regal”, Galerie P, Wittingen;
2000 “Brot und Wein”, Galerie Fenix, Moskau;
1999 “Meine Dinge”, Museum für Photografie, Braunschweig;
Im Ausstellungsraum der Adam Opel AG, Rüsselsheim;
Staatliches Museums- und Ausstellungszentrum ROSIZO, Moskau;
1998 “Das stille Leben im Regal”, Na Peshchanoy Galerie, Moskau;
1997 Im Rahmen der 11.Internationalen Photoszene (mit S. Ivanova);
Kunstverein EXIT-ART, Köln;
1996 Ausstellung im Staatlichen Historischen Museum Moskau;
1995 “Dove” (mit D. Pilikin), Galerie 1.0, Moskau;
Doubled Meaning”, Galerie 21, St.Petersburg.
Ausstellungsort: Galerie Viktor Grray Ausstellungsdauer: 19.02. - 31.03.2010
Ackerstrasse 108 40233 Düsseldorf
Tel: +49 (0)211 229 709-70
Fax: +49 (0)211 229 709-40

