Die CARICATURA – Galerie für Komische Kunst im KulturBahnhof Kassel präsentiert vom 12. September bis zum 25. Oktober 2009 mit Adam Trepczynski und Martin Zak zwei junge Künstler mit Cartoons, Animation und interaktiven Arbeiten. Trotz großer stilistischer und auch rein handwerklicher Unterschiede lässt sich doch am Werk von beiden beispielhaft ablesen, wie sich Stil und Sujets des Cartoons am Anfang des 21.
Jahrhunderts manifestieren. Sowohl adam als auch Zak verfolgen einen minimalistischen, vom digitalen Zeitalter geprägten Stil. Auf das Wesentliche reduziert, sind ihre Pointen geradlinig, offensiv und respektlos. Die Ausstellung im KulturBahnhof (Bahnhofsplatz 1) ist donnerstags und freitags von 14 bis 20 Uhr und samstag, sonntags und an Feiertagen von 12 bis 20 Uhr geöffnet.
adam und Zak gehören zur jungen Generation der deutschen Cartoon-Szene. In ihren Biografien finden sich einige Parallelen: Beide wurden in Polen geboren, siedelten schließlich nach Deutschland über und erlebten das Ende des Kalten Krieges und den Fall der Mauer als Teenager. Soweit die Gemeinsamkeiten – als Zeichner gehen sie jedoch unterschiedliche Wege.
Ein Blick auf die Website von adam zeigt, hier ist ein Künstler mit starker Affinität zu wissenschaftlich-physikalischen Phänomenen unterwegs – er weiß sich die digitale Medienwelt zunutze zu machen. Der Wahlberliner studierte Informatik und war lange Zeit hauptberuflich Computerspielentwickler. Im Jahr 2000 entdeckte er seine Vorliebe für Cartoons – mit großem Erfolg.
adam arbeitet seine Cartoons nicht nur als Grafiken, sondern animiert sie zu kurzen, wenige Sekunden langen Spots. Einzelne Motive arbeitet er zu 3-D-Kunst-Objekten aus. Oder er programmiert ganze Spiele – da kann der ehemalige Computerspielentwickler sein ganzes Know-how in die Komische Kunst einbringen.
adams Humor ist trocken und tiefschwarz. Es ist sein spezifischer Umgang mit der Welt und dem Leben. Auch wenn er über den Tod spricht, tut er das mit Humor. Es geht ihm um „die Missgeschicke rund um das Ende des Lebens“. „Alles was schiefgehen kann“, sagt er „lässt sich ja humoristisch verwerten“. „Man kann durch Humor vielleicht nicht die Welt verändern, aber die Wahrnehmung“, so Adam in einem Interview mit der Wochenzeitung „der Freitag“.
Humor ist für adam eine Weltanschauung: „Man kann durch Humor vielleicht nicht die Welt verändern, aber die Wahrnehmung.“ Vor allem dem schwarzen Humor schreibt er eine wichtige Funktion zu. Für ihn ist er „eine Art mit der Welt umzugehen“, denn „irgendwie müssen wir ja mit ihr umgehen“.
Seine Werke sind mittlerweile preisdekoriert: 2005 belegte er den zweiten Platz beim Deutschen Karikaturenpreis, 2008 den dritten.
Die Cartoons von Zak stehen in der Tradition von amerikanischen Zeichnern, wie Matt Groening („Simpsons“). Kennzeichnend für die Figuren sind nicht nur eine klare Outline und vollflächig angelegte, kräftige Farben sondern vor allem die großen, kugelförmigen Augen seiner Protagonisten. Diese sorgen mit einem den Betrachter fixierenden Blick dafür, dass keinesfalls ein niedlicher Eindruck entsteht.
Zaks Pointen offenbaren seinen bitterbösen, skurrilen Humor. „Die fantasiereichen, boshaften, absurden und komischen Cartoons lösen beim Betrachter diese schöne Reaktion aus: Zak, das sitzt!“ (so der Wiener „Kurier“). In seinen Büchern „Bettlektüre für Männer“ und „Bettlektüre für Frauen“ geht Zak gängigen Gender-Klischees satirisch auf den Grund, indem er Fragen wie „Können Frauen wirklich nicht rechts von links unterscheiden?“ oder „Denken Männer wirklich immer nur an Sex?“ aufgreift.
Das Magazin MAX gehörte zu den ersten, die die Cartoons von Zak veröffentlichten, später kamen Bravo und Matador hinzu. Zak spricht mit seinen Cartoons vor allem ein junges Publikum an. Seine Technik bezeichnet er selbst allerdings als „altmodisch“ und meint damit, dass er seine Cartoons per Hand zeichnet und nicht, wie mittlerweile viele Zeichner, am PC erstellt oder coloriert.
Das Medium Internet nutzt er dennoch als Plattform zur Verbreitung seines Schaffens. Seine neue Cartoonserie „Who’s Perfect?“ findet sich hier genauso wie sein Kurzfilm-Projekt „Crash Test Dummies off Work“ mit animierten Cartoons, das in Indien, Russland und der Türkei im Fernsehen lief. Zaks klassische Cartoons sind aktuell regelmäßig im Eulenspiegel, im Nebelspalter und im MAD-Magazine zu sehen.
In seinen aktuellen Büchern „Bettlektüre für Männer“ und „Bettlektüre für Frauen“ (2007) geht er den zentralen Fragen der Genderforschung nach, wie „Können Frauen wirklich nicht rechts von links unterscheiden“, „was tun sie für ihre Linie“ und „warum wollen sie immer reden?“
Adam Trepczynski, alias adam
1976 im polnischen Milanowek geboren.
Lebt und arbeitet in Berlin.
Er veröffentlicht seit 2003 regelmäßig in der Berliner Zeitschrift DAS MAGAZIN („adams Universum“) sowie in der Titanic.
Von adam erschienen bisher: „Auch das noch“ und zuletzt „Ist nur Spaß!“ (beide Carlsen).
Martin Zak
1972 im polnischen Beuthen (Bytom) geboren.
Lebt und arbeitet in Köln.
Studierte visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Illustration an der FH Bielefeld.
Er veröffentlicht regelmäßig im Eulenspiegel, Nebelspalter und im MAD-Magazine.
Von Zak erschienen u.a.: „Bettlektüre für Männer“ und „Bettlektüre für Frauen“ (beide Carlsen), „Na toll!“ (Lappan) und zuletzt „Miau! Katzen-Cartoons“ sowie „Wuff! Hunde-Cartoons“ (beide Carlsen).
CARICATURA – Galerie für Komische Kunst
Die CARICATURA – Galerie für Komische Kunst ist als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum für Komische Kunst bundesweit einzigartig. In mindestens fünf Ausstellungen pro Jahr werden hier Arbeiten aus den Bereichen Cartoon, Karikatur, Bildergeschichte, Comic, Komische Zeichnung und Malerei gezeigt. Komische Kunst gibt es mehrmals im Jahr bei Lesungen, Konzerten und Kabarettabenden auch live zu erleben.
Nachwuchsförderung
Die CARICATURA – Galerie für Komische Kunst ist seit 2007 Ausrichtungsort der „Sommerakademie für Komische Kunst“, eines gemeinsamen Projekts mit dem caricatura museums frankfurt, der Fotter-Privat-Stiftung und dem Titanic-Magazins. Ihr Anliegen ist es, im Rahmen eines Workshops Nachwuchszeichner auszubilden und zu fördern. Außerdem hat es sich die CARICATURA-Galerie verstärkt zur Aufgabe gemacht, Nachwuchszeichnern der Komischen Kunst ein Ausstellungs-Podium zu bereiten.
Zur Geschichte
Die Institution CARICATURA wurde 1984 als gemeinnütziger Verein gegründet. Seither hat sie Kassel zu einem wichtigen Zentrum für Komik und Satire gemacht. Vor allem in den documenta-Jahren seit 1987 bietet die CARICATURA parallel zum Weltkunstereignis Nr. 1 die respektlose Alternative zum erhabenen Olymp der Hochkunst, wenn sie in groß angelegten Querschnittsausstellungen die Crème des gegenwärtigen Komikschaffens präsentiert.
Das Wirken der CARICATURA ist beeinflusst durch die Aktivitäten der Neuen Frankfurter Schule, und so gehörten F.W. Bernstein, Robert Gernhardt und F.K. Waechter Anfang der 80er Jahre zu den Förderern der ersten Stunde.
Im November 1995 endlich öffnete die CARICATURA - Galerie für Komische Kunst im KulturBahnhof Kassel ihre Pforten. Dort ergänzt der CARICATURA Shop mit einem feinen Sortiment ausgewählter Postkarten, Druckgrafiken und Büchern das Angebot. Hier sind auch alle Veröffentlichungen aus der CARICATURA Edition erhältlich.
Der KulturBahnhof Kassel
Seit 1995 ist Kassels alter Hauptbahnhof der „erste KulturBahnhof Deutschlands“ (DB AG). Die CARICATURA war federführend an der Gesamtkonzeption beteiligt.
1997 war der KulturBahnhof ein Standort der documenta X und befindet sich in weiterer Entwicklung. Er war eines der dezentralen Projekte der EXPO 2000.
links:
http://www.deutscherkarikaturenpreis.de/index.php?modul=winners&mod=11
http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Zak
http://www.lappan.de/Cartoons.Autoren.Martin-Zak.html
http://www.eulenspiegel-laden.de/shop/category_31/Martin-Zak.html?shop_param=cid%3D%26
http://www.echolog.de/surftipps/martin_zak.shtml

