Eigentlich träumt der junge Elliot (Demetri Martin) von einer Karriere als Innenausstatter in New York City. Doch das marode Motel seiner Eltern steht kurz vor der Pleite. Also kehrt Elliot in sein Heimatdorf zurück und sucht nach einer Lösung, die bevorstehende Zwangsvollstreckung doch noch abzuwenden. Als er aus der Zeitung erfährt, dass einem groß angekündigten Open Air Konzert die Genehmigung entzogen wurde, wittert Elliot seine Chance: Er bietet den Veranstaltern als Austragungsort die Kuhwiese auf dem elterlichen Grundstück an, ohne zu ahnen, welche gewaltige Welle er damit lostritt. Schon bald zieht ein Bataillon von Organisatoren und schrillen Künstlern in die kleine, konservative Gemeinde und versetzt die Bewohner in helle Aufregung. Als dann auch unzählige Hippies und Musikbegeisterte in die Kleinstadt pilgern, ist das Chaos perfekt. Der Ansturm bringt zwar den erhofften Geldsegen, ist aber logistisch kaum zu bewältigen. Und je unübersichtlicher die Situation wird, desto klarer sieht Elliot, was er wirklich will – und dass sich hier ein historisches Ereignis anbahnt, das alle im Ort verändern wird...
Nach so unterschiedlichen Filmen wie BROKEBACK MOUNTAIN, SINN UND SINNLICHKEIT und TIGER & DRAGON wechselt Oscarpreisträger Ang Lee einmal mehr das Genre und präsentiert eine bunte und mitreißende Komödie, die zurück in das Jahr 1969 führt, zu einem legendären Ereignis, das das Lebensgefühl einer ganzen Generation bestimmte: Woodstock!
Am 15. August dieses Jahres feiert der Mythos um Musik, Liebe, Freiheit und eine halbe Million Hippies sein 40. Jubiläum. Dass die Legende aber auf einer Kuhwiese in tiefster Provinz nahe der Kleinstadt Bethel im Bundesstaat New York begann, wissen nur wenige. Davon erzählt nun TAKING WOODSTOCK, nach einem autobiografischen Roman von Elliot Tiber.
Für die Hauptrolle seiner Komödie engagierte Regisseur Ang Lee einen Hollywood-Neuling: Demetri Martin. In den USA wird der junge Stand-Up-Comedian bereits begeistert gefeiert. Auf Comedy Central präsentiert er wöchentlich eine eigene Personality Show und in Hollywood gilt er als einer der heißesten und vielversprechendsten Newcomer. In weiteren Rollen sind Liev Schreiber, Emile Hirsch, Imelda Stauton, Jeffrey Dean Morgan, Eugene Levy, Dan Folger, Jonathan Groff und Mamie Gummer zu sehen.
Ohne Elliot Tiber, der den Veranstaltern das Festivalgelände vermittelte, hätte Woodstock als größtes und friedlichstes Happening aller Zeiten vielleicht nie stattgefunden. Ohne Woodstock allerdings hätte auch Elliot selbst nicht jene Impulse und Inspirationen für sein befreiendes Coming Out erfahren. Und so stehen in TAKING WOODSTOCK auch nicht die Festival-Künstler und ihre Musik im Vordergrund, sondern die kleinen und großen Schicksale hinter den Kulissen.
Wie in allen seinen Filmen erzählt der gebürtige Taiwaner Ang Lee einfühlsam und mit viel Gespür für Humor von inneren Konflikten und Aufbruch, dem Zusammenprall von Traditionen und Generationen, von Mut, Liebe und Freundschaft. TAKING WOODSTOCK spiegelt in allen Facetten das Amerika der späten 60er Jahre wider, zwischen Summer of Love und Vietnam, und gibt so den Zuschauern einen authentischen, überaus unterhaltsamen Einblick in einen magischen, historischen Moment.
Komödie - USA 2009
120 Min. - Verleih: Tobis
Start: 03.09.2009
http://tobis.de/film/taking-woodstock
PRESSESTIMMEN
„Ang Lees großartige Komödie ist eine Ode an die Lebensfreude und huldigt dem Moment, in dem die good vibrations tatsächlich möglich waren - ein wunderschöner, sehnsuchtsvoller Film.“ Susan Vahabzadeh SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
„Mit viel Sinn für die komischen Momente des Zusammenpralls von entspannten Hippies mit den konservativen Landbewohnern erweist Ang Lee einem geschichtlichen Moment seine Reverenz, in dem das Wort Freiheit keine Floskel war.“ Andreas Borcholte SPIEGEL ONLINE
„Durch die Hintertür erzählt Ang Lee die Geschichte des legendären Festivals, wobei man von den Musikern auf der Bühne etwa soviel sieht wie die meisten Besucher damals, nämlich gar nichts, nicht mal von den berühmten Songs gibt es außer ein paar entfernten Klängen viel zu hören. Doch was die Hippies von einst nicht sonderlich vermissten, das fehlt einem auch diesmal nicht. Lee gelingt wieder ein Film, der allein durch seine Figuren unterhält.“ Daniel Kothenschulte FRANKFURTER RUNDSCHAU
Rezension www.kino.de :
"3 Days of Peace & Music" versprachen die Veranstalter des Woodstock Music Art and Festival, als sich am 15. August auf dem Farmgelände des Milchbauern Max Yasgur in Bethel, New York, der Vorhang hob für ein Rockfestival der Superlative, in dessen Verlauf 32 Künstler bei Sonne, Sturm und strömenden Regen vor geschätzten 500.000 begeisterten Besuchern auftraten, während weitere 500.000 im 90 Kilometer langen Stau vergeblich versuchten, zum Ort des Geschehens zu wagen. Wenn Ang Lee ein filmisches Schlaglicht auf die Ereignisse von damals wirft, dann liegt die Vermutung nahe, dass der Spezialist für obsessive Dramen im bunten Hippietreiben nach einer düsteren Seite suchen könnte. Das Gegenteil ist der Fall: "Taking Woodstock", basierend auf Auszügen der Memoiren des damals tatsächlich bereits 34-jährigen Elliot Tiber, der als Präsident der Handelskammer von Bethel die Befugnis hatte, einmal im Jahr ein Musikfestival zu organisieren und mit dieser Genehmigung Woodstock möglich machte, ist vielmehr ein krasser Gegenentwurf zu Lees zeitlich kurz davor angesiedelten "Brokeback Mountain": der eine Moment in der amerikanischen Geschichte, in dem die Utopie von Gleichheit und Brüderlichkeit tatsächlich wahr wurde, in dem die Menschen einander unter dem Einfluss von Musik und Drogen als das akzeptierten, was sie waren, ungeachtet von Hautfarbe, Geschlecht und sexueller Orientierung (Lees 1997 entstandener "Der Eissturm" wiederum lässt sich als Abgesang auf den Summer of Love lesen).
Der Regisseur verpackt die Geschichte von Tiber, der in New York City als Galerist und Künstler der aufkeimenden Schwulenbewegung angehört, zu Hause in der spießigen 4000-Seelen-Gemeinde Bethel bei seinen jüdischen Eltern aber ein Doppelleben führen und seine Sexualität verheimlichen muss, in das Gewand der Filme dieser Zeit und erweist damit den eigenen Vorbildern seine Referenz: Unverkennbar ist der Elliot Tiber, den Lee und sein stetiger Drehbuchautor James Schamus für ihren Film erfunden und von dem filmunerfahrenen Standup-Comedian Demetri Martin ganz unaffektiert spielen lassen, angelehnt an Dustin Hoffmans Benjamin Ben Braddock aus "Die Reifeprüfung", mit einem Schuss Ringo Starr, wie man ihn in Richard Lesters "Hi-Hi-Hilfe" erlebte - ein unbedarfter, unsicherer Nebbish, der unter der Knute seines dominanten Mutterdrachens (Imelda Staunton als Inbegriff der resoluten yiddischen Quengelmama) leidet. Der zentrale Familien- und Generationenkonflikt - ein wiederkehrendes Thema in den Filmen von Ang Lee, das man auch als Bindeglied zu den anderen Arbeiten des Regisseurs sehen kann - ist fast identisch aus Paul Mazurskys bittersüßer Coming-of-Age-Geschichte "Ein Haar in der Suppe" übernommen. Und die lose Struktur, die so zufällig und improvisiert wirkt wie das damalige Festival selbst, bei dem die angesichts des Publikumsansturms völlig überforderten Veranstalter oft nicht wussten, wer als nächstes auf die Bühne kommen würde, erinnert an die großen Ensemblefilme von Robert Altman, Filme wie "Nashville" oder "Eine Hochzeit", nur dass Lee dessen Zynismus mit einem liebevollen, milden Blick auf das unüberschaubare Treiben ersetzt.
Schauplatz ist das heruntergekommene, hoch verschuldete Motel der Tibers, das auf einmal zum Dreh- und Angelpunkt wird, sowie die Festivalleitung das Gelände zum Hauptquartier erklärt. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen, während die Familie Tiber im Ausnahmezustand lernen muss zusammenzurücken. Ein paar Stars schauen auf Cameos vorbei: Liev Schreiber als ausgesprochen maskuliner Transvestit, Emile Hirsch als traumatisierter Vietnamveteran, Komiker Don Fogler als durchgeknallter Ausdruckskünstler. Ein paar Konflikte, u. a. mit den wenig begeisterten Mitbürgern von Bethel, werden angerissen, verlieren sich aber wieder im steten Getümmel. Und doch verdichten sich all die Anekdoten und Geschichtchen schließlich zu einem stillen Höhepunkt, als Elliot in einem kurzen Moment der Ruhe doch noch versucht, zu dem fünf Kilometer entfernten Festival durchzudringen, von einem Cop auf dem Motorrad mitgenommen wird, vorbei an einer endlosen Kette glücklicher und sich liebender Menschen, um schließlich von zwei Hippies - Paul Dano und Kelli Garner - auf einer Anhöhe in ihrem VW-Bus auf einen Trip mitgenommen zu werden, aufdass das ganze Festival in einem Farbenstrom zu wogen beginnt, als hätte man kurz Kubricks psychedelischen Höhepunkt von "2001" einkopiert. Woodstock ist wie das Leben - ein langer ruhiger Fluss. Lees Film auch. Und eine wahre Freude! ts.
Quelle: www.kino.de

