Gesellschaft Freunde der Künste

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5. Sinfoniekonzert: am 4.2.2009 im Kurhaus Wiesbaden

Mit Werken von Peter Sculthorpe, Edouard Lalo und Gustav Holst

Peter Sculthorpe (*1929) Sun Music II (1969)

Edouard Lalo (1823-1892) Cellokonzert d-moll

Gustav Holst (1874-1934) Die Planeten op. 32

Aufführung im Kurhaus Wiesbaden am 04.02.2009, 20.00 Uhr, Infos unter: www.staatstheater-wiesbaden.de 

Violoncello: Alban Gerhardt

Dirigent: Nicholas Milton

Alban Gerhardt, der sich im letzten Jahrzehnt unter den großen Cellisten unserer Zeit etabliert hat, fasziniert durch seinen unverwechselbaren Klang, seine von großer Emotionalität geprägten Interpretationen und eine fesselnde Bühnenpräsenz.
Der junge Solist spielt Edouard Lalos Konzert für Cello und Orchester in d-moll, das seit seinen ersten Erfolgen zum Kernrepertoire eines jeden Cellisten gehört. Neben Lalos zeitnah entstandener Symphonie espagnole zählt es zu den beliebtesten Werken des spanischen Komponisten und wurde am 9. Dezember 1877 in Paris vom legendären belgischen Cellovirtuosen Adolphe Fischer uraufgeführt. Lalo, der in seiner Kindheit selbst Violin- und Cellounterricht erhalten hatte, behandelt das klassische Konzertschema sehr individuell und nutzt spanisch-folkloristische Elemente, wobei er kontrastierende Episoden elegant miteinander verwebt.

So kehrt im Allegro maestoso des Kopfsatzes die langsame Einleitung wieder, und das luftige Intermezzo umspannt den Gegensatz zwischen einem lyrisch-gesanglichen Andantino und einem rasanten, von Streicherpizzicati bestimmten Allegro innerhalb eines einzigen Satzes, bevor der Satz geradezu koboldhaft im Nichts verschwindet. Das auf den tiefen Klangbereich des Violoncellos konzentrierte Werk überzeugt durch feurige Eleganz, gerade auch der virtuosen Solopassagen, durch melodischen Charme und eine äußerst farbige Orchestrierung.


Gustav Holst gehört zu jenen Komponisten, derer sich die Nachwelt vor allem aufgrund eines einzigen Werkes erinnert. Sein genialer symphonischer Zyklus ‚Die Planeten’ ist von populären Konzert- und Radioprogrammen wahrlich nicht mehr wegzudenken, und zahlreiche Einspielungen des monumentalen und reich orchestrierten Werkes haben Holsts Namen unsterblich gemacht.


Obwohl der englische Spätromantiker nie als Vertreter der Avantgarde galt, hat er deren kompositorischen Errungenschaften viel zu verdanken: Die komplexen rhythmischen Strukturen Strawinskys, die bitonalen Akkordbildungen Debussys und Schönbergs Klangfarbenmelodie haben auch in den ‚Planeten’ ihre Spuren hinterlassen, haben Inhalt und Form ekstatisch erweitert.

Dennoch spricht Holsts Musik ihre ureigene, ungleich verständlichere Sprache. Mit seiner Orchestersuite ‚Die Planeten’ gelingt ihm ein unglaublich radikales, von mystischen und okkulten Urkräften gespeistes Werk. ‚Mars, der Kriegsbringer’ leitet den ersten Satz ein und präsentiert einen mechanisierten Krieg, ohne eine Spur von Heldenhaftigkeit. Sein unerbittlicher 5/4-Takt wird vom friedvollen zweiten Satz ‚Venus, die Friedensbringerin’ abgelöst.

Die Göttin der blühenden Natur, der Liebe und des sich fortzeugenden Lebens zaubert eine Idylle mit hinreißenden Soli von Oboe und Violoncello. ‚Merkur, der geflügelte Bote’ ist ein kurzes, rastloses Scherzo mit stetigem Wechsel zwischen verschiedenen Tonarten und rhythmischen Mustern. ‚Jupiter, Bringer der Fröhlichkeit’ feiert mit Tanz und ausgelassenem Jubel das Leben. Dagegen gilt ‚Saturn, der Bringer des Alters’, surrealistisch zu Beginn und resignativ am Ende, als Holsts persönlicher Favorit. Schwerfällige Akkorde münden in feierlichen Glockenschlägen. ‚Uranus, der Magier’ beschreibt in extremen dynamischen Wechseln groteske satirische Zaubertricks, während ‚Neptun, der Mystiker’ Fragen im alles durchdringenden Pianissimo zu stellen scheint, Antworten aber schuldig bleibt. Die dahinschwindenden Laute der Chorstimmen im Weltall verklingen wie das letzte Echo menschlichen Lebens.

Holst komponiert ein Ein- und Ausatmen ohne Entwicklung und ohne Kern – die Auflösung von Raum und Zeit. Der fehlende Planet unseres Sonnensystems ‚Pluto’ war zu Holsts Zeiten übrigens noch nicht entdeckt.
Apropos Sonne: Mit ‚Sun Music II’ eröffnet das Zentralgestirn unseres Planetensystems das musikalische Geschehen des Sinfoniekonzerts. Der australische Komponist Peter Sculthorpe verbindet hierin die unbeschreibliche Energie der Sonne mit der kargen, fast eintönigen Landschaft seiner Heimat.

Alban Gerhardt, Violoncello
Nach frühen Wettbewerbserfolgen und seinem Debüt bei den Berliner Philharmonikern startete Alban Gerhardt vor fünfzehn Jahren seine internationale Karriere, die ihn inzwischen zu über 140 verschiedenen Orchestern in der ganzen Welt geführt hat. So spielte er u.a. mit den Münchner Philharmonikern, dem Gewandhausorchester Leipzig, den meisten deutschen und allen britischen Rundfunkorchestern, dem City of Birmingham Symphony und Chicago Symphony Orchestra, mit den Tschechischen und den St. Petersburger Philharmonikern.

In letzter Zeit debütierte er bei zahlreichen Orchestern in den USA. In Deutschland trat Alban Gerhardt kürzlich bei den Berliner Philharmonikern unter Christian Thielemann, beim Gewandhausorchester Leipzig unter Dimitri Kitajenko und beim NDR-Sinfonieorchester unter Christoph von Dohnányi auf. Demnächst folgen u.a. Gastspiele beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Hans Graf und beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Marek Janowski.
Alban Gerhardts CD-Einspielungen sind mehrfach ausgezeichnet worden, darunter ECHO Klassik Preise 1998 und 2003.



Nicholas Milton, Dirigent
Nicholas Milton ist einer der führenden australischen Dirigenten seiner Generation. Bevor er 2003 zum Generalmusikdirektor der Jenaer Philharmonie ernannt wurde, war er u.a. von 2000 bis 2004 Chefdirigent des Sinfonie Orchesters Dubrovnik (Kroatien). Ab 2007 ist Milton zudem Künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Canberra Symphony Orchestra (Australien). Weltweit engagieren ihn große Orchester regelmäßig als Gastdirigenten. Im Zuge seiner Musikerlaufbahn erwarb Nicholas Milton ‚Master’-Abschlüsse in den Fächern Violine, Orchesterdirigieren, Musiktheorie sowie Philosophie und promovierte im Fach Musik an der City University of New York.

1999 gewann Nicholas Milton den ‚Symphony Australia’-Wettbewerb für Junge Dirigenten, wurde mit dem Titel ‚Dirigent des Jahres’ ausgezeichnet und war Preisträger beim Internationalen Lovro von Matacic‘-Dirigierwettbewerb; in London wurde ihm im Jahr 2000 der ‚Sir Charles Mackerras’-Dirigierpreis verliehen. Darüber hinaus ehrte man Nicholas Milton 2003 mit der Australischen Jahrhundertmedaille für sein gesellschaftliches Engagement, insbesondere für seine Aktivitäten zur Förderung der Musik.