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über 100 Filmen von Frauen aus aller Welt

2010 – ein gutes Jahr für Filmemacherinnen? Frauenfestival vom 14. bis 18.4.2010 in Köln und Dortmund

Singuläre Erscheinungen oder Vorboten besserer Zeiten für Frauen in der Filmbranche?

In Köln wird es in jedem Fall ein gutes Jahr für Filmemacherinnen. Vom 14. – 18. April präsentiert das Internationale Frauen-filmfestival Dortmund | Köln ein hochkarätiges Programm mit über 100 Filmen von Frauen aus aller Welt. Dem Anspruch die aktuelle Filmarbeit von Frauen repräsentativ abzubilden kann das IFFF Dortmund | Köln nach mehr als 20 Jahren Festivalarbeit erfreulicherweise nicht mehr gerecht werden. Wie die meisten Festivals verzeichnet es einen stetigen Anstieg von Einreichungen. In diesem Jahr wurden für die fünf Programm-Sektionen mehr als 700 Filme gesichtet. Es ist ermutigend, dass die eingereichten Arbeiten so vielseitig und hochwertig sind und die Festivaltage nicht ausreichen würden, um all das zeigen zu können, was zeigenswert wäre. Doch nach wie vor liegt der Anteil von Frauen an den verantwortungsvollen Positionen der Filmproduktion weit unter 20% - aller Freude über die Erfolgsgeschichten zum Trotz.

Diese Erfolgsgeschichten sucht das IFFF Dortmund | Köln und präsentiert sie mit seiner aktuellen Auswahl herausragender Produktionen. Das Spektrum reicht vom sperrigen Avantgarde-Film bis zu großen Spielfilmen, darunter zahlreiche Deutschland-premieren. Sie sind den Sektionen Debüt-Spielfilmwettbewerb, Panorama, begehrt !, dem Länderschwerpunkt Fokus : Rund um den Balkan und dem Schulfilmprogramm zu sehen, zwischen denen es zahlreiche Querverbindungen gibt. In seinem Weiterbildungs-programm arbeitet das Festival außerdem kontinuierlich an der Vernetzung und Fortbildung von Frauen in der Filmbranche.

Vom 14. – 18. April wird Köln einmal mehr zur Filmmetropole und zum Treffpunkt für zahlreiche Filmschaffende aus aller Welt.

Internationaler Debüt-Spielfilmwettbewerb
Acht Filme konkurrieren um den mit 10.000 Euro dotierten Preis für internationale Spielfilmdebüts. Über 90 Produktionen waren in der Vorauswahl, 30% mehr als 2008. Auffällig häufig im Zentrum stehen eigenwillige Frauenfiguren, die beharrlich ihren Platz im Leben suchen. Das Festival gibt die ersten vier Filme des Wettbewerbs 2010 bekannt. Als deutsche Premiere ist die italienische coming-of-age Komödie COSMONAUTA von Susanna Nicciarelli zu sehen, die im Italien der 60er Jahre von der Leidenschaft einer 15jährigen für die russische Space Mission und die kommunistische Partei erzählt. Ebenfalls eine deutsche Erstaufführung ist BROKEN LINES der britischen Regisseurin Sallie Aprahamian. Sie erzählt präzise eine Liebesgeschichte, die nur möglich ist durch den Ausnahmezustand, in dem sich die beiden Hauptfiguren befinden. Aus Kanada stammt die Kamerafrau Sophie Deraspe, deren außergewöhnliches Spielfilmdebüt LES SIGNES VITAUX (Deutsche Erstaufführung) von einer jungen Frau erzählt, die nach dem Tod ihrer Großmutter auf einer Palliativ-Station mit Sterbenden Zeit verbringt und eine immer stärkere Obsession für die Fragen von Leben und Tod entwickelt. Direkt von der Berlinale kommt der deutsche Beitrag EINE FLEXIBLE FRAU von Tatjana Turanskyj. Die Geschichte ihrer Protagonistin Greta, einer 40jährigen Architektin und Mutter, die ihre Arbeit verliert, ist die feministische Momentaufnahme einer zeitgenössischen, brüchigen Arbeits-Biografie.

Jury 2010
Über die Preisvergabe werden in diesem Jahr die österreichische Produzentin und Regisseurin Barbara Albert (coop 99; NORDRAND, FALLEN), die serbische Schauspielerin Mirjana Karanović (PAPA IST AUF DIENSTREISE, DAS FRÄULEIN, ESMAS GEHEIMNIS), und die deutsche Redakteurin Dr. Jessica Eisermann (WDR / 1Festival) entscheiden.

Fokus : Rund um den Balkan
Regisseurinnen aus der Balkan-Region haben in den letzten Jahren international verstärkt auf sich aufmerksam gemacht und große Festivalerfolge gefeiert. Das Frauenfilmfestival Dortmund | Köln 2010 greift diese Entwicklung auf und bietet Regisseurinnen aus Südosteuropa und ihren Filmen im Länderschwerpunkt Rund um den Balkan ein eigenes, breites Forum.

Gezeigt werden aktuelle Arbeiten der letzten acht Jahre, Filme unterschiedlicher Längen und Genres, die neue Perspektiven aus einer filmisch noch wenig bekannten Region präsentieren. Den erzählerischen und filmästhetischen Besonderheiten, den spezifischen Produktionsbedingungen sowie politischen Implikationen nachzuspüren und als Nachbarn in Westeuropa mit den Filmemacherinnen ins Gespräch zu kommen, das ist Aufgabe und Ziel dieses Länderschwerpunkts. Trotz der Unterschiedlichkeit der Filme treten bestimmte Themen immer wieder in den Vordergrund, eingefangen mit selbstironischem Blick auf die Absurditäten des Alltags.

Das Programm, das von der kroatischen Journalistin, Filmemacherin und Drehbuchautorin Rada Šešic gemeinsam mit Betty Schiel und Sonja Hofmann (IFFF Dortmund | Köln) kuratiert wurde, zeigt Filme aus Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Rumänien, Serbien und Slowenien.

Das Festival eröffnet am 14. April mit NA PUTU (ON THE PATH), dem neuen Film der bosnischen Regisseurin Jasmila Žbanić, die 2006 in Berlin den Goldenen Bären (für GRBAVICA) erhielt. Das leise, aber ungeheuer intensive Drama, das gerade bei der Berlinale im Wettbewerb seine Premiere feierte, erzählt von den Schwierigkeiten eines muslimischen Paares in Sarajewo, bei dem der eine Partner beginnt, sich religiös zu radikalisieren.

Panorama
Das Panorama ist die größte Sektion des Festivals und seine Schatzkiste. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit werden hier wichtige Filme der vergangenen zwei Jahre präsentiert. Dabei interessieren besonders individuelle filmische Ansätze, die sich durch außergewöhnliche Perspektiven und formale Experimentierfreude auszeichnen. Hier kommen sowohl junge Regisseurinnen zum Zuge, die ihren ersten Film auf dem Festival präsentieren als auch alte Bekannte, deren Laufbahn wir seit Jahren verfolgen wie Andrea Arnold. Die britische Oscar-Preisträgerin feuert mit ihrer fantastischen neuen Milieustudie FISHTANK eine Breitseite des traditionsreichen englischen Arbeiterkinos ab, getragen von ihrer Entdeckung Katie Jarvis. Das Panorama hat ein Herz für die schrägen, sympathischen Figuren, die sich wie in dem japanischen Spielfilm BARE ESSENCE OF LIFE – ULTRA MIRACLE LOVE STORY (Dt. Erstaufführung, Regie: Yokohama Satoko) sogar mit Insekten-vertilgungsmittel einsprühen, wenn sie dadurch ihrem Lebenstraum und der Liebe ihres Lebens näher zu kommen glauben.

Die Notwendigkeit diese blanke Essenz des Lebens einzufangen und abzubilden zieht sich wie ein roter Faden durch die Auswahl. Es sind die großen politischen Themen wie Migration in LES ARRIVANTS, der mit Sorgfalt und Liebe die alltäglichen Geschichten und Not der Migranten und Beamten in einer Pariser NGO einfängt und dafür mit der goldenen Taube (Internationales Leipziger Festival für Dokumentarfilm) gewürdigt wurde. Oder die radikal persönlichen Geschichten wie Claire Pijmans mutiger Film LATER WE CARE (Dt. Erstaufführung). Sie begleitet mit ihrer Familie die alt gewordene Mutter würdevoll bis ans Ende ihres Lebens und arbeitet sich an den eigenen Ansprüchen mit rührender Offenheit ab.

Das Panorama ist traditionell der dokumentarischen Form verpflichtet, nicht zuletzt deswegen, weil Regisseurinnen in diesem Bereich nach wie vor stärker vertreten sind als im abendfüllenden Spielfilm. Dabei ist es ein Privileg als ZuschauerIn Einblick in Welten zu bekommen, die uns sonst verschlossen bleiben: Das Schicksal der Menschen in der abgeschlossenen Diktatur Nordkoreas in KIMJONGILIA oder der Alltag einer jungen, berufstätigen Mutter in Damaskus, die versucht ihre eigenen Wünsche und die ihrer Familie in Einklang zu bringen. DOLLS – A WOMAN FROM DAMASKUS (Deutschlandpremiere) spielt auch mit interessanten Variationen die Karte des weiblichen Schönheitsideals aus: Fulla - die arabische Variante der Barbie-Puppe, deren Rollen-Modell es nachzueifern gilt. Eine deutsche Premiere ist die Dokumentation ISA HESSE-RABINOVITCH von Anka Schmid, die die faszinierende Künstlerin und kompromisslose Exzentrikerin, Schwiegertochter von Hermann Hesse, porträtiert. Die KHM-Absolventin Juliane Großheim ist mit DIE KINDER VOM FRIEDRICHSHOF im Programm vertreten. In der Kommune des Wiener Aktionskünstlers Otto Mühl sollten völlig neue, gesunde Menschen geboren und herangezogen werden. Angefangen als freie Lebensgemeinschaft in den 70er-Jahren artete das Gesellschaftsexperiment jedoch in ein totalitäres Herrschaftssystem aus.

HENRY GEORGE CLOUZOTS INFERNO ist die Dokumentation eines filmischen Versuchs – Clouzots nie fertig gestellter Film INFERNO mit Romy Schneider – der mehr wagte als viele andere und radikal scheiterte; vielleicht eine Parabel auf das Filmemachen an sich und die blanke Essenz des Lebens.

Die lange Filmnacht am Festivalsamstag präsentiert ein Feuerwerk außergewöhnlicher, witziger Kurzfilme.

begehrt! filmlust queer
Die Sektion präsentiert die lesbischen, queeren Blicke des Festivals. Aktuelle Filme, die neue Geschichten erzählen, traditionelle Vorstellungen von Geschlecht in Frage stellen und Sichtbarkeit für andere Lebensformen schaffen. Das Spektrum reicht von berührenden Dokumentarfilmen, die lesbische Historie nachzeichnen (EDIE & THEA: A VERY LONG ENGAGEMENT) über sperrige Underground-Filme wie Cheryl Dunyes neuem Film THE OWLS bis zu radikalen Inszenierungen lesbischer Sexualität (CHAMPION).

Ein Schwerpunkt der Sektion 2010 liegt bei Animationsfilmen und japanischen Mangas. So wird die bekannte New Yorker Comic-Autorin Ariel Schrag in einer Performance ihre Comic-Biografie Potential aufführen.

In Verbindung mit dem diesjährigen Länderprogramm Fokus: Rund um den Balkan thematisiert das Panel Balkan Queer Pride mit Aktivistinnen, Feministinnen, Festival- und Filmemacherinnen Fragen von Homophobie, Nationalismus und Gewalt in der Nachkriegs-Situation der Balkanregion

Die Sektion begehrt! wird erstmals von der Bochumer Filmwissenschaftlerin Natascha Frankenberg als Kuratorin betreut.

Schulfilmprogramm
Schon lange macht sich das IFFF Dortmund | Köln für die Vermittlung filmischen Know-hows von der Pike auf stark und bietet regelmäßig Filmprogramme mit intensiven Filmgesprächen für die Kölner und Dortmunder Schulen an. Susanne Steube, die für das Kinderfilmfest Hamburg tätig war, betreut in diesem Jahr die Auswahl, die sich an SchülerInnen aller Altersstufen richtet. Mit dabei sind unter anderem der indonesische Spielfilm JERMAL über den 12jährigen Jaya, der zur Arbeit auf einer einsamen Fischereiplattform gezwungen wird. Mit dem bildgewaltigen Kinderabenteuer TEAH von der slowenischen Filmemacherin Hanna Slak ist auch ein Beitrag aus dem Balkan-Programm zu sehen. Für die kleinen Cineasten steht das rasante Familienabenteuer DAS GROSSE RENNEN auf dem Programm, außerdem die Dokumentarfilme LENA, STELLA, ÜMMÜ UND DIE ANDEREN (Regie: Betty Schiel) über die Klasse einer Förderschule in Gelsenkirchen und NICK & TIM der Kölner Regisseurin Bettina Braun. Sie begleitet die eineiigen Zwillinge und ihre Familie. Ein Film über Zusammengehörigkeit, Zugehörigkeit, und über Individualität - unter besonderen Bedingungen: Nick hat die Diagnose ADHS.

Girls’ Focus
Der 3tägige Praxis-Workshop für Mädchen wird sich in diesem Jahr unter Anleitung der Filmemacherin und Grimme-Preisträgerin Claudia Richarz mit Fragen rund um den Dokumentarfilm beschäftigen. Teilnehmen können junge Frauen ab 16 Jahren, die sich für Filme und fürs Filmemachen begeistern und über einen Beruf in der Branche nachdenken. Zum Workshop werden auch Teilnehmerinnen aus Mostar (Bosnien-Herzegowina) eingeladen; der internationale Austausch ist also gewährleistet.

Weiterbildungsangebote für Frauen
Als eines der größten Frauenfilmfestivals weltweit engagiert sich das IFFF Dortmund I Köln auch für die Fortbildung von Frauen in Filmberufen und in der Ausbildung zu einem Filmberuf. Im Laufe der Jahre hat sich das Festival in beiden Standorten, den Rhein- und Ruhrmetropolen Köln und Dortmund als wichtige Plattform für Austausch, Vernetzung und Weiterbildung etabliert. 2010 stehen ein Pitching-Seminar mit der renommierten Dozentin Sibylle Kurz, ein Kameratechnik-Seminar in Zusammenarbeit mit ARRI und ein Werkstattgespräch mit Christine A. Maier (Bildgestaltung u.a. für GRBAVICA, LUCY, FREE RAINER, SATTE FARBEN VOR SCHWARZ, NA PUTU) und Sophie Maintigneux – zweifache Gewinnerin des Dt. Kamerapreises – (OSTKREUZ, DAMEN UND HERREN AB 65, FRÄULEIN STINNES FÄHRT UM DIE WELT) auf dem Programm. Außerdem geht die Podiumsdiskussion « Der Dreh mit dem Kind » praktischen und strukturellen Fragen der Vereinbarkeit einer Filmkarriere und Mutterschaft nach. Dieses Programm konzipiert Susanne Steube.

Förderer des Festivals
Der Ministerpräsident des Landes NRW; die Städte Köln und Dortmund; Filmstiftung NRW; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW

Wichtige Termine
Eröffnungs-Pressekonferenz: 14. April 2010, 14 Uhr, art’otel Köln
Festival-Eröffnung: 14. April 2010, Odeon Köln
Preisverleihung: 18. April 2010, Filmforum im Museum Ludwig

Pressekontakt:
Stefanie Görtz, Ann Katrin Thöle
0231-5025480, presse@frauenfilmfestival.eu

Aktuelle Infos:
www.frauenfilmfestival.eu