Dieses Buch ist seit Jahren überfällig und sollte als Pflichtlektüre an allen Schuleinrichtungen eingeführt werden: „Zucker, Schnaps und Nilpferdpeitsche - wie hanseatische Kaufleute Deutschland zur Kolonialherrschaft trieben.“
Auf gut 350 Seiten erzählt Dietmar Pieper, wie im Zusammenspiel von Kaufleuten, Bankiers und Reedern, für die der außereuropäische Handel seit Langem eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen war, das deutsche Kolonialreich entstand.
Von der Politik, was bis heute kaum in die Öffentlichkeit gedrungen ist, verlangten sie 1880 gemeinsam, ihre afrikanischen wie pazifischen Niederlassungen müssten im deutschen Interesse notfalls auch militärisch geschützt werden, zumindest aber als sogenannte Schutzzonen.
Reichskanzler Otto von Bismarck knickte 1884/85 schließlich ein, was folgte, waren Jahrzehnte von Zwangsarbeit, Folter und Todesstrafen bis hin zum Genozid in den von Deutschen besetzten Überseegebieten, bis sie diese 1918 im Rahmen des Versailler-Vertrages abgeben mussten.
Aber nicht nur, weil Deutschland den 1. Weltkrieg verloren hatte, sondern weil die Deutschen in den Kolonien sich so unbeschreiblich grausam verhalten hatten, dass es selbst den Franzosen und Engländern zu viel war.
„Zucker, Schnaps und Nilpferdpeitsche“ beleuchtet ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte, dessen Auswirkungen bis heute spürbar sind.
Kein leichter Lesestoff, aber umso bereichernder in seiner Wirkung aufs kollektive Gedächtnis. Erschienen bei Piper (www.piper.de), 24 Euro.
Sönke C. Weiss
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„Zucker, Schnaps und Nilpferdpeitsche“ beleuchtet ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte. Foto: Youtube/Spot-Screenshot





