„Magus" (1965) ist ein postmodernes Meisterwerk, das die Geschichte von Nicholas Urfe erzählt, einem jungen britischen Lehrer, der Englisch auf einer kleinen griechischen Insel unterrichtet.
Urfe wird in die psychologischen Illusionen eines meisterhaften Tricksters hineingezogen, die nach und nach düsterer und ernster werden. John Fowles gelingt es mit diesem Roman, den Leser in eine Welt voller Rätsel und Herausforderung zu entführen.
„Magus" zieht einen sofort in seinen Bann. Erzählt aus der Perspektive von Urfe werden wir Zeugen seiner Welt, die er mit scharfer Analyse beschreibt.
Auf den ersten Blick mag Urfe ein unromantischer Charakter sein; die Welt, in der er lebt, scheint gründlich abgewogen und ohne Geheimnisse. Nicht einmal die Liebe hält Überraschungen für ihn bereit. Bis...
„Magus" ist ein erstaunliches Werk der Fiktion, so kontrolliert und präzise in der Auslieferung seiner verschiedenen Teile, dass es wie ein Meisterwerk wirkt, das Prospero selbst geschrieben haben könnte.
Fowles überträgt uns die Rolle des Instruments, während er der Spieler ist. Darüber hinaus fungiert das Buch als moralisches Lexikon, jedoch keineswegs als trockenes Nachschlagewerk.
Es ist ein interaktives Erlebnis, das uns mit Freude erfüllt, bis zu dem Moment – der für jeden Leser unterschiedlich sein kann – wo das Spiel ruppig wird und wir mental entblößt werden.
Insgesamt ist „Magus" ein fesselndes, tiefgründiges Buch, das auf viele Arten erforscht werden kann.
Es regt nicht nur zum Nachdenken an, sondern fordert auch die Vorstellungskraft heraus. John Fowles hat hier ein Werk geschaffen, das lange nach dem Lesen im Gedächtnis bleibt und dessen Bedeutung sich erst mit der Zeit entfaltet.
Ein absolutes Muss für jeden Literaturliebhaber - Die brillante Neuübersetzung von Michael Lehmann ist jetzt zum 100. Geburtstag von John Fowles im März Verlag (www.maerzverlag.de) erschienen, 837 Seiten, 38 Euro.
Sönke C. Weiss


John Fowles



