Geradezu zu einer Ode an den Frühling geriet die Aufführung der Carmina Burana in diesen Tagen in Lüttich. Die L` Opera Royal de Wallonie hatte Ballet, Chor und Orchester der Opera National d`Ukraine eingeladen und präsentierte dem enthusiasmierten Publikum den musikalischen Reichtum von Carl Orff´s Meisterwerk, gesungen, gespielt und eben getanzt.
Das Publikum wurde also zum Zuhörer und Zuschauer und war gefordert, sein Interesse Musik, Darbietung und Tanz gleichermassen zu schenken. Bisweilen kein ganz leichtes Unterfangen. Natürlich stand der Tanz im Mittelpunkt der Darbietung, lebhaft, geradezu artistisch und über alle Massen ideenreich, dargeboten in farbenfrohen, kontrastreichen Kostümen. Es verwies sich, dass man den"weltlichen Gesängen", seinerzeit im Kloster Benediktbeuren aufgefunden, getanzt eine ganz neue, ja bereichernde Dimension erschliesst.
Wo Frühling ist, ist die Liebe nicht weit
Der Frühling steht, der derzeitigen Jaheszeit entsprechend, im Mittelpunkt des Werkes und seiner Aufführung. Ihm ist der erste Teil der Carmina Burana ganz gewidmet und er beherrscht thematisch weitere. Und wo Frühling ist, ist die Liebe nicht weit: "amor volat undique". Und sie in allen ihren Spielarten. Aber eher doch die körperliche, als die platonische. Zum Mitsingen schön etwa das Sopransolo "Stetit Puella" oder das Chorlied "Chramer, gip die varwe mir…"
Das Ensemble aus der Urkraine hatte gute Solisten mitgebracht: Bariton und Sopran hatten bemerkenswerte Auftritte. Sie wurden indessen namentlich nicht benannt. Leider blieb der Chor, ein wichtiges Medium der musikalischen Darbietung, hinter den Erwartungen zurück. Er war in die Tiefen zweier enger Logen verbannt worden und konnte sich deshalb nicht entfalten. Schade, aber ansonsten"Der Frühling ist da."
Herwig Nowak

