Mit Henrik Ibsens Drama Ein Volksfeind hatte die gleichnamige Inszenierung von Babett Grube nach einer Bearbeitung von Julienne De Muirier, die am vergangenen Samstag am Schauspiel Dortmund uraufgeführt wurde, nun absolut gar nichts mehr zu tun.
Zur Erinnerung: Der Badearzt Dr. Stockmann erfährt, dass eine von ihm einst empfohlene Quelle, die den Aufstieg des Ortes zum Bad auslöste, durch Industrieabwässer verseucht ist und verlangt die Schließung und wird so zum Volksfeind der Gemeinschaft.
Die Familie verliert alles, aber Dr. Stockmann kämpft weiter. Ein Volksfeind ist das Drama eines tapferen Mannes, der versucht, das Richtige im Namen der Wahrheit in einem Umfeld extremer sozialer Intoleranz zu tun.
Doch alle Figuren weisen Brüche und Widersprüche auf, sodass die Grenzen zwischen Gut und Böse, Wahrheit und Lüge nicht eindeutig sind.
Der Norweger Henrik Ibsen lebte von 1828 bis 1906. Das Stück reagierte auf politische Entwicklungen in Norwegen und der Welt und ist nach wie vor zeitlos und hochpolitisch.
In der Dortmunder Inszenierung steht eine fünfköpfige Gruppe auf der Bühne, Angestellte des Bades, die versuchen, ihren Arbeitsplatz, trotz der Gefahrenlage, zu retten.
Dem künstlerischen Team von Regisseurin und Autorin geht es in der - wie erwähnt - recht freien Interpretation des Stücks vornehmlich um gesellschaftliche Mehrheiten, die je nach Stimmung schwanken und wenig verlässlich sind, selbst wenn die Katastrophe quasi vor der Haustür steht.
Was vom Premierenpublikum im ausverkauften Schauspiel Dortmund auch frenetisch belohnt wurde.
Handwerklich waren Ensemble, Bühnenbild und Beleuchtung durchaus befriedigend, so dass sich die Kürze des Abends in der Tat lohnte, auch wenn die Aufführung nur gut eine Stunde lang dauerte.
Wer sich indes für den Klassiker in seiner Unverfälschtheit interessiert, dem empfehle ich den englischsprachigen Film An Enemy of the People aus dem Jahr 1978 mit Steve McQueen in der Rolle des Dr. Stockmann, vermutlich seine beste Rolle.
Für weitere Informationen und Karten in Dortmund: 0231/5027222 oder www.theaterdo.de


Sie kämpfen am Schauspiel Dortmund um ihr Bad, auch wenn das Wasser verseucht ist. Foto: Birgit Hupfeld