Gesellschaft Freunde der Künste
wissen wie Pizza oder Currywurst

Das bedingungslose Verschlingen/ Verinnerlichen fremder Worte und Gedanken führt nicht zu Erkenntnis

Was ich mir für uns Menschen wünsche, ist mehr Offenheit, Herzlichkeit und nach außen getragenes Herz. Mittlerweile fressen wir den Inhalt von Lehrbüchern und fremdem "Wissen" zum Teil wie Pizza oder Currywurst ― des Jobs und der Karriere wegen, zumeist. In Sachen Charakterstärke und Herz jedoch funktioniert so etwas nicht.

Sich mit dem Inhalt von Büchern zu füttern und anschließend seine Regale stolz mit besagten zu schmücken ersetzt kein Herz, ebenso wenig wie Menschlichkeit, noch macht es uns gleich gebildet und schlau. Bücher entspringen einer von menschenhand geführten Feder; Menschen können irren. Das geschriebene Wort wird nicht zum unantastbarem, universellen Gesetz, beherbergt es bei aller Wissenschaftlichkeit und Objektivität noch stets ein Maß an Menschlichkeit.

Reden ist silber...Schreiben ist gold

Genau darauf wird jedoch zunehmend Wert gelegt ― auf das bedingungslose verschlingen/ verinnerlichen fremder Worte und Gedanken, als wären sie ein Code, ohne welchen unsere innere Festplatte im gesellschaftlichen Apparat der Normen und Leistung nicht funktioniert. Weder Bücher, noch lernen sind ein Übel. Was Mensch damit gern' und in großem Stil allerdings tut könnte durchaus als ein solches bezeichnet werden. Man wage die Aussagen eines Lehrers anzuzweifeln:

Gerne wird er mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Richtigkeit seiner Aussage verweisen, die durch viele Lehrbücher als erwiesen gilt. Zweifel, eine vielleicht durchaus berechtigte Kritik wie Gegenargumente werden dabei gezielt beiseite geschoben. Skeptizismus ist im Lehrplan weniger vorgesehen ― ebenso ein Mensch, der mehr Herz als Wissenerlerner und Arbeiter ist. Wenn eine Richtigkeit bereits vorgegeben ist, wozu sollte Mensch noch für sich selbst wahrnehmen und erkennen?

Wenn Mensch durch das Kennen besagter Richtigkeiten innerhalb der Gesellschaft am gezieltesten vorankommt, wozu sollte er hinterfragen und abseits besagter laufen? Solange er vorankommt, ist nichts davon nötig.

Das wenige an Herz schenkt man sich sodann gut verteilt unter der Familie, wenn es reicht noch für Freunde und gelegentlich in Form eines halbwegs netten Lachens allen anderen. Währenddessen posten wir erneut etliche Zitate von Rumi, Osho, Einstein und co. ― weil das für sich und in sich nicht viel länger von Bedeutung und Wichtigkeit ist.

Gedanken über Gedanken ― mehr wird jetzt nicht mehr gesagt, sondern nur geschwiegen.

Rebekka J. Chapman