Marokko ist ein junges Land. Die unter 25-Jährigen machen mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus. TANGER CUT-UP ist das jüngste Projekt des internationalen Fotografen und Autoren Sönke C. Weiss, der auch seit Jahren regelmäßig für die Gesellschaft Freunde der Künste tätig ist.
Dieses Mal sind es vor allem die jungen Frauen und Männer mitten im träumerischen Gemurmel Tangers, die sein multimediales Fotoprojekt vor allem spiegeln.
Die Gedanken und Gefühle der jungen Dichterinnen und Dichter. Sie, die zwischen Tradition und Moderne zerrissen, von Arbeitslosigkeit bedroht, vielfach ohne Zukunftsaussichten sind. Ihre Worte haben Weiss zu diesem Projekt inspiriert.
TANGER CUT-UP ist eine visuelle Spurensuche. Sie beginnt bei den Beat-Dichtern. In den Fünfziger- und Sechzigerjahren entdecken sie die Hafenstadt für sich als Muse. Ihre Arbeiten wirkten oft aus dem Zusammenhang gerissen und wie neu zusammen geklebt. Daher der Titel TANGER CUT-UP.
Wie Jack Kerouac, William S. Burroughs und Allen Ginsberg das Leben als eine Zerreissprobe gesehen haben. „Live, travel, have adventures, and don’t be sorry,“ schreibt Kerouac 1957, als sie, eine Bande in sich verschworener Dichter ihren ersten Sommer in Tanger verbringen.
Auf der Suche nach einem neuen Menschentypus. Auf der Suche nach einer neuen Herangehensweise in der Literatur. Auf der Suche nach einem neuen Leben.
Wie die jungen Marokkaner heute auf der Suche sind. Insbesondere die jungen Frauen, für die der arabische Frühling (auch) eine Hoffnung auf Emanzipation war. Ihre Suche ist meine Geschichte.
In der Rue Magellan fängt Weiss an, zwei Querstraßen von den Boulevards mit den französischen Restaurant und Luxushotels entfernt. In der Pension El-Muniria, wo schon Burroughs seinen Klassiker „Naked Lunch“ schrieb.
Weiss fragt sich: kommt sich diese junge Generation Marokkaner betrogen vor, wie sich schon die Beatniks betrogen vorkamen? Vor nunmehr acht Jahren, am 20. Februar 2011, als eben auch in Marokko der Arabische Frühling begann.
TANGER CUT-UP ist ein multimediales Fotoprojekt, das den Betrachter mit auf eine Reise nehmen will, dorthin, wo sich von jeher niemand auf irgendetwas festlegen wollte und heute vielleicht auch nicht will.
TANGER CUT-UP wurde von der Kunststiftung NRW gefördert und hat eine Länge von 8.25 Minuten.
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Viele Frauen sind enttäuscht vom arabischen Frühling. Sie haben sich persönliche Freiheiten erhofft. Foto: Sönke C. Weiss