Ob es nun die wunderbar filigrane Gusseisenarchitektur des Grand Palais in Paris ist oder die Frische und - bisweilen - Keckheit, mit der moderner Kunst nicht selten aufwartet, oder ob es - besser noch - die Gegensätzlichkeit von beidem ist: jedenfalls ist die "Art Paris 2017" ein spannendes Erlebnis für die Augen und für alle Sinne.
Sie hat in diesem Jahr als Partnerland Afrika auserkoren. Und das war ein guter, ein bereichernder Griff. Nicht weniger als über 130 Galerien sind auf ihr vertreten. Die meisten aus Paris und dem übrigen Frankreich. Aber auch das eigentliche Afrika stellt insoweit einen angemessenen Anteil. Aber nur wenige deutsche Galerien waren unter den Ausstellern zu finden.
Aber alles das kann eigentlich dahinstehen. Halten wir fest, es gibt Galerien, denen afrikanische Kunst ein Herzensanliegen ist. Bei anderen ist das kommerzielle Interesse nicht zu verleugnen. Erstere zeigen Kunst, die eine eigene Aussage hat, die überzeugt und vor der der Besucher erstaunend erstarrt. Nichts von dem üblichen "afrikanischen" Masken - und Figurenbimbam ist zu sehen. Da wird Stoffliches, etwa aus Holz, Stoff oder Leder, gezeigt, das aus sich selbst heraus wirkt und keinerlei Kommentierung bedarf. Am tiefsinnigsten erschienen dem Rezensenten Exponate, die die "Fondation de L´Eremitage" aufgeboten hatte und die in die afrikanische Glaubens-und Gefühlswelt einführten und diese wundervoll vermittelte.
Afrikanische Kunst
Auch die afrikabezogene Fotografie als Kunstform verdient der besonderen Erwähnung, nicht, weil ihr Anteil hoch ist, sondern, weil sie mit oft grossflächigen Werken aufwartet, die sich stark an der Körperlichkeit afrikanischer Menschen orientieren.
Eine eher ausstellungstechnische Eigenheit der Messe mag abschliessend erwähnt werden, weil sie für manchen Aussteller von Bedeutung ist. Es sind die sog. Solostände, die eine Galerie nur für einen Künstler anmietet, um nur ihn zu präsentieren. Sie sind meist kleiner als normale Stände und deswegen auch preiswerter. Ohne Frage bieten sie die Möglichkeit diesen einen Künstler mit grossem Nachdruck vorzustellen. Daneben haben sie den ausstellungstechnischen Vorteil, den sonst auf den üblichen Ständen vielfach anzutreffenden Ausstellungswirrwar zu vermeiden. Der Berliner Galerie GNYP - eine der seltenen deutschen Galerien - auf der Messe - gelingt dies alles mit dem Künstler Zachary Machita auf beeindruckende Weise. Seine grossflächige Geflechte regen den erstaunten Besucher zum Verweilen und Nachdenken an.
Art Paris 2017
Wer die Messe gesehen hat und sie dann ermattet verlässt, dem kommen Gedanken zu der grossen kunstbezogenen Vergangenheit dieser Stadt in den Sinn, ob die Messe nicht dazu taugt, verlorenes Terrain zurückzugewinnen.
Herwig Nowak


Art Paris 2017 - ein spannendes Erlebnis für die Augen und für alle Sinne (c) Emmanuel Nguyen Ngoc