Der Sommer ist vorbei, und die Diskussionen sind zurück. Bei einer Diskussion muss ich unbedingt mitmischen: der Mediendiskussion.
Als Sektionspräsident der Gewerkschaft für Kommunikation und Medien, syndicom Sektion Bern Medien, als Verleger und Journalist bin ich nicht ganz «inkompetent» in der Sache.
Nach fast einem Vierteljahrhundert als direkt Mitwirkender habe ich Erfahrungen (ich habe rund 400 physische Zeitschriften produziert – das hat mich selbst überrascht), die nicht vom Hörensagen stammen.
Allgemein wird davon gesprochen, dass «Print» nicht mehr relevant sei und die Digitalisierung hier die Vormachtstellung übernehme. Nun, es sprechen zwei einleuchtende Argumente dagegen:
- Wie hoch, liebe Leserinnen und Leser, schätzen Sie die Sichtbarkeit eines Medientitels ein, wenn dieser unter 200 Millionen Webseiten zu finden ist?
- Im Internet gibt es ca. 1,5 Milliarden Websites, von denen allerdings rund 82 % inaktiv und nicht regelmässig gepflegt sind.
- Und wie hoch schätzen Sie im direkten Vergleich die Sichtbarkeit eines Printtitels ein, den Sie in einer Stadt mit ca. 2–3 weiteren Printtiteln und vielleicht 20 zusätzlich erhältlichen Titeln (Kioskverkauf) auswählen könnten?
Eine interessante Frage und Feststellung, nicht wahr? Stellen Sie sich die Werbeanstrengungen vor und vergleichen ...
- Bis vor drei Jahren erhielten wir pro Tag rund 500 Mails mit Anfragen für Medienpräsenz. Da wir einen nationalen und internationalen Titel produzieren, hat sich unser Netzwerk weit über die Landesgrenzen hinaus ausgedehnt – was die Menge erklärt.
- Heute erhalten wir täglich bis zu 800 Mails. Diese Menge will niemand täglich im physischen Postbriefkasten vorfinden – nur die Post selbst hätte ihre helle Freude daran.
Fragen wir uns: Wer soll das alles lesen? Welche Wirkung will man damit erzielen? Hat hier überhaupt noch etwas einen Wert? Ist es in dieser Flut von Nachrichten möglich, jemanden für ein Thema zu gewinnen?
Ist es nicht vielmehr so, dass genau das Gegenteil geschieht und wir reflexartig die Flucht ergreifen? Zu dieser Sintflut kommen noch Messenger-Dienste, soziale Medien und unsere eigenen Interessen hinzu ... und Podcasts, Radiosendungen, Fernsehen, YouTube, Netflix, Spotify – alles in Endlosschleifen.
Konsum, bis wir platzen.
Mit anderen Worten: Nicht der Print oder die Medienform an sich ist das Problem, sondern es herrscht «Goldgräberstimmung» – und zu viele Menschen wollen am gleichen Ort graben.
Doch so viel Gold war für so viele Goldgräberinnen und Goldgräber noch nie vorhanden.
Dazu kommt: Inhaltlich bieten fast alle das gleiche «Gold», die gleichen Informationen an – Inhalte, die wir auch in einer guten, charakterstarken Tageszeitung konzentriert und in Ruhe, mit Aufmerksamkeit und einer schönen Tasse Zeit, geniessen könnten.
Für mich macht dieser Markt in dieser Form kaum noch Sinn. Doch der Print macht den Unterschied.
Machen Sie Print-Werbung in seriösen Medien – und nicht irgendwo im digitalen Nirwana. Beginnen Sie bei uns ... :-)
Mit liebem Sommergruss
we are gmbh
ensuite – Zeitschrift zu Kultur & Kunst
Lukas Vogelsang
Chefredaktor und Mitglied der Verlagsleitung


Allgemein wird davon gesprochen, dass «Print» nicht mehr relevant sei und die Digitalisierung hier die Vormachtstellung übernehme



