Verena Gründel, Chefredakteurin bei W&V,
Lieber Herr Böhmer,
es klingt größenwahnsinnig, wenn Pepsico-Deutschlandchef Torben Nielsen verkündet, dass er in wenigen Jahren den Umsatz verdoppeln will.
Dass er es ernst meint, bewies er diese Woche. Am größten Werbetower Europas in Frankfurt präsentierte er seinen "Abserviervorschlag" – eine unmissverständliche Kampfansage an Coca-Cola.
Kurz darauf überflog ein Himmelsschreiber die Berliner Coke-Zentrale und machte Pepsis Kampfbotschaft weithin sichtbar: "Jetzt wird abserviert."
Die Krux an Nielsens Wachstumsplänen ist, dass der Pro-Kopf-Umsatz in Deutschland von Cola und Cola-Mischgetränken seit 2016 sinkt.
Wachstum ist in einer Gesellschaft, in der gesunde Ernährung immer wichtiger wird, nur noch durch Verdrängung möglich. Wie sein Plan im Detail aussieht, lesen Sie hier.
Auch wenn Mutter- und Vatertag vorbei sind, möchte ich Sie mit ein paar Gender-Aufregern ins Wochenende schicken.
Pikante Personalie bei Apple: Den Vogel schießt Antonio Garcia Martinez ab, den Apple erst vergangene Woche als Werbespezialist eingestellt hatte.
In einem Buch bezeichnet erFrauen im Tech-Sektor als weich, schwach und nutzlos. Apple-Mitarbeiter hatten die Passagen entdeckt und protestiert. Direkt nach Bekanntgabe der Entscheidung wurde eine Petition von 2000 Apple-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern ins Leben gerufen. Apple reagierte und feuert ihn.
Bleibt die Frage, warum das nicht vorher aufgefallen war.
Die Brauerei Gaffel hatte für ihre Muttertagskampagne immerhin beste Absichten. Trotzdem ging sie nach hinten los. „Das ist nicht dein Bier, Mädchen“ – so beginnt kein Claim einer Kampagne, die Rollenklischees widerlegen will.
Oder sehen Sie das anders? Leider sind auch Statistiken oftmals ungeeignet, mit Geschlechtervorurteilen aufzuräumen.
Die hier zum Beispiel: Sie besagt, dass es Frauen nach dem Lockdown eher in die Boutiquen zieht, während sich Männer auf den Besuch von Multimedia- und Technikläden freuen. Tja...
Das Wichtigste ist doch aber, dass jede:r von uns frei entscheiden kann, ob sie oder er dem Klischee entsprechen oder es widerlegen möchte. Nur darum geht es in all den Debatten.
Ein schönes Wochenende wünscht
Verena Gründel


Inklusion, Diversity und den Kampf gegen den Rassismus hat sich Apple auf die Fahnen geschrieben. Foto: Apple



