Jochen Kalka, Chefredakteur bei W&V regt sich heute mal richtig auf. Dabei sollte er doch Wissen, das die Bevormunder und Verbieter, vorzugsweise aus Berlin kommen. Also, nichts neues.
Lieber Herr Böhmer,
Peng! Erwischt?Da ruft eine selbst ernannte Künstlergruppe zur Sabotage auf. Verlangt allen Ernstes, dass frustrierte Werbergeschöpfe vertrauliches Werbematerial leaken? Wie doof kann man sein? Wie weltfremd, wie kriminell? Oder ist die Aktion nur ein Fake von Titanic? Alles andere wäre eine Überraschung.
Die Idee der selbst ernannten Adblockers, so ich sie richtig interpretiere, ist per se nicht zu verurteilen, denn es geht um die Stärkung der ethischen Verantwortung in der Werbeindustrie. An dieser Front kämpfen neben uns Fachmedien übrigens auch Verbände, indem sie etwa Code of Conducts einführen. Wichtigste Instanz ist hier aber der Deutsche Werberat.
Im vergangenen Jahr hat der Deutsche Werberat 702 Werbemaßnahmen überprüft. Rund 90 Prozent aller Unternehmen stoppten oder änderten ihre Werbung, nachdem sie der Werberat beanstandet hatte. Unter Chefin Julia Busse funktioniert das Gremium absolut perfekt. Anonyme Beschwerden bearbeitet der Deutsche Werberat nicht. Trolle zeigen kein Gesicht.
Schade, dass die Adblockers nicht seriös gegen Kampagnen vorgehen, die ihren ethischen Vorstellungen nicht entsprechen. Das wäre gut, richtig und wichtig. Dann könnte deutlich mehr bewegt werden. Als Titanic-Aktion allerdings wären die Adblockers ein echter Coup, ein Denkanstoß!
Mit diesem Gedanken wünschen wir ein frohes und ausnahmsweise hoffentlich regenreiches Wochenende.
Jochen Kalka


Künstlergruppe ruft Werber zur Sabotage auf. Peng zeigt, wie es geht: Alle Unterlagen auf einen Stick und dann auf die Leaking-Plattform hochladen. Foto: Peng! Collective/Oliver Wolff

