Gesellschaft Freunde der Künste
Ist Apple ein übler Straßenräuber?

Apple, sollte man einen Straßenräuber feiern?

Zuerst kommen wir einmal zu ganz schlechten Nachrichten des Tages: Die Corona-Krise hat das Unterhaltungsimperium Disney hart getroffen. Vergnügungsparks, Ferienressorts, Fanartikel und Kreuzfahrten wurden von den Menschen nicht mehr nachgefragt. Das Resultat bekommen die Mitarbeiter zu spüren. 28.000 Mitarbeiter verlieren ihren Job, berichtet heute W&V.

Rolf Schröter, Mitglied der Chefredaktion bei W&V, schreibt uns etwas über einen Straßenräuber.

Lieber Herr Böhmer,

klingt total nett: Apple verzichtet wegen Corona auf 30 Prozent Provision. Firmen wie Airbnb und Facebook müssen vorübergehend nicht löhnen, damit deren Kleinkunden über mobile Apps kostenpflichtige Online-Veranstaltungen und Kurse anbieten können.

Nur zur Erinnerung: Der amerikanische Abgeordnete David Cicilline hatte die 30-Prozent-Politik von Apple als "Straßenraub" bezeichnet. Übrigens: Google nimmt auch 30 Prozent Provision und verzichtet – anders als Apple – nicht darauf.

Sollte man einen Straßenräuber feiern, wenn er vorübergehend darauf verzichtet, die Ärmsten seiner Opfer abzuziehen?

Nur so nebenbei: Laut der Initiative Lobbycontrol wenden Google, Microsoft, Facebook, Apple und Amazon insgesamt 21 Millionen Euro für Lobbyarbeit auf. Das ist deutlich mehr als zum Beispiel die Autobauer VW, Daimler, BMW, Renault, Ford, Fiat Chrysler und Peugeot, die zusammen auf rund acht Millionen Euro kommen.

Vielleicht liegt die Spendierfreudigkeit in Sachen politischer Beratung daran, dass in Brüssel gerade am Digitale-Dienste-Gesetz gebastelt wird, das einen europäischen Ansatz zur Regulierung der großen Plattformen liefern soll.

Handeln Firmen aus Altruismus oder Berechnung? Urteilen Sie selbst.

Einen schönen Abend wünscht

Rolf Schröter

 


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