Wortkarge Lebenskünstler am Horn von Afrika: Regisseur Mo Harawe porträtiert einen Tagelöhner samt Sohn und seine Schwester in Somalia.
Seine durchaus realistische Kleine-Leute-Chronik ist malerisch inszeniert, schleppt sich aber mit mäßig begabten Laiendarstellerin recht zäh voran.
Einmal ist immer das erste Mal.
Die letzten weißen Flecken auf der Kino-Weltkarte füllen sich: Dank Stipendiaten-Ausbildung, günstiger Technik und internationaler Filmförderung werden mittlerweile Autorenfilme auch in Weltgegenden gedreht, in denen keinerlei Filmindustrie existiert – etwa abgelegenen Kleinstaaten oder failed states.
Mitunter schaffen sie es auf die große Bühne, wie in diesem Fall: „The Village Next to Paradise“ ist der erste somalische Spielfilm, der je beim Festival in Cannes gezeigt wurde.
Zwar in der Nebenreihe „Un Certain Regard“, aber immerhin.
Allerdings wirft das Langfilm-Debüt des somalisch-österreichischen Regisseurs Mo Harawe, der in Kassel studiert hat, eher die Frage auf, warum etlichen anderen Filmen aus Afrika nicht der Sprung zu prestigeträchtigen Festivals gelingt, die es eher verdient hätten.
Denn „The Village Next to Paradise“ ist kein herausragendes Werk, auch nicht im Vergleich mit dem übrigen schwarzafrikanischen Kino.
Drohnen-Angriff als Computer-Simulation
Dass Harawes Erstling so viel Aufmerksamkeit erhält, dürfte eher am westlichen Somalia-Komplex liegen. Die erfolglose Intervention von US-Truppen 1994 fachte den dortigen Bürgerkrieg erst richtig an.
Bis heute ist das Land am Horn von Afrika weder befriedet noch staatlich geeint.
Daran erinnert der Filmanfang: mit britischen Fernseh-Nachrichten, die von der Liquidierung eines Anführers der islamistischen Al-Shabab-Milizen durch eine US-Drohne berichten.
Als Computer-Simulation, denn reale TV-Bilder vom Geschehen gibt es nicht.
Kunst+Film-Redaktion
(Kinostart: 30.1.)


Ein Film von Mo Harawe - The Village Next to Paradise



