Spröder kommt "Zikaden" daher. Regisseurin Ina Weisse lässt Nina Hoss in der Hauptrolle einer gestressten Großstädterin und Akademiker-Tochter auf eine bodenständige Brandenburgerin treffen, die sich als allein erziehende Mutter von Job zu Job hangelt.
Lebensnah, nüchtern und illusionslos - und somit durchaus zeitgemäß.
(Kinostart: 19.6.) Landleben ohne Idylle: Regisseurin Ina Weisse lässt in Brandenburg zwei Frauen aus verschiedenen Welten aufeinandertreffen.
Die Großbürgerliche und die Bürgergeld-Empfängerin werden keine Freundinnen, doch selbst im Scheitern schimmert in dem spröden Drama etwas Hoffnung.
Eine Landschaft in Brandenburg: Felder dehnen sich bis zum Horizont, dazwischen stehen in der schwülen Sommerhitze ein paar Windräder.
Zu ihren Füßen sucht eine junge Frau (Saskia Rosendahl) ihre kleine Tochter Greta; sie findet das leicht verwilderte Kind im Wald, in einem Tierkadaver herumstochernd.
Währenddessen entfernt in einem schicken Wochenend-Bungalow die etwas ältere Isabell (Nina Hoss) tote Fliegen mit dem Staubsauger von der Fensterbank des geschmackvoll mit Bauhausmöbeln eingerichteten Hauses.
Oberflächlich betrachtet haben diese beiden Frauen nichts gemeinsam, und dennoch werden ihre Geschichten sich in Ina Weisses drittem Spielfilm zunehmend überschneiden.
Bereits in ihrem letzten Film „Das Vorspiel“, in dem eine Musiklehrerin das Talent eines unterprivilegierten Schülers fördert, ließ die Regisseurin soziale Sphären aufeinanderprallen.
Die ambitionierte Lehrerin wurde von Nina Hoss gespielt.
Distinguirte Großstädterin
Sie verkörpert auch in „Zikaden“ wieder eine weltgewandte, distinguierte Großstädterin. Isabell ist eine erfolgreiche Immobilienmaklerin und hat scheinbar alles im Griff.
Ein Familienbesuch im Ferienhaus in Brandenburg wird generalstabsmäßig geplant und durchgeführt; das bedarf mehrerer vollgepackter Autos und Personal.
Vielleicht ist es für die Familie das letzte Mal, dass sie dorthin fährt. Das gilt vor allem für den Vater, der nach einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt.
Kunst+Film-Redaktion


Isabell (Nina Hoss) hat die alleinerziehende Anja (Saskia Rosendahl) kennengelernt. Foto: Judith Kaufmann / Lupa Film. Foto: Judith Kaufmann / Lupa Film
Isabell (Nina Hoss) wird von ihren Mann Philippe (Vincent Macaigne) getröstet. Foto: Judith Kaufmann / Lupa Film



