Die schmelzenden Uhren von Salvador Dalí gehören wohl zu den bekanntesten Motiven des Surrealismus. Als um 1920 die Künstler dieser Bewegung ihre ersten Ausstellungen organisierten, verblüfften und irritierten sie die Betrachter mit Gemälden, in denen sie Trauminhalte, Fantastisches und Unbewusstes sichtbar machten. Die Darstellung einer realistischen Wirklichkeit lehnten sie ab.
Der Begriff Surrealismus setzt sich aus den französischen Worten "sur" (über) und "réalisme" (Wirklichkeit) zusammen. Seine Vertreter wollten in ihren Bildern nicht die tatsächliche Wirklichkeit abbilden, sondern vor allem fremdartig Unwirkliches illustrieren.
Zu den bekanntesten surrealistischen Malern dürften wohl Salvador Dalí und René Magritte zählen, die sich beide durch einen sehr detaillierten und formal realistisch anmutenden Stil auszeichneten - die Motive jedoch wirken so, als seien sie Traumwelten entsprungen: zerfließende Gegenstände, seltsame Mischwesen und grotesk verzerrte Gebäude und Landschaften, die der Schwerkraft zu trotzen scheinen. Und diese Ausprägung des Surrealismus beeinflusst bis heute auch viele aktuelle Künstler.
Surrealismus in der Fotografie
Kaum eine Kunstgattung scheint dem Realen so verhaftet zu sein wie die Fotografie. Schließlich bildet sie doch nur das wirklich Fassbare ab, oder nicht? Doch tatsächlich nutzten auch die Surrealisten schon sehr früh die neue Technik der Fotografie, um wundersame und unwirklich erscheinende Bilder zu schaffen.
So entwickelte um das Jahr 1921 herum beispielsweise der Fotograf Man Ray die sogenannte "kameralose Fotografie". Er stellte auf bereits mit Entwicklerlösung bestrichenes Fotopapier verschiedene Gegenstände, dann belichtete er das Papier. Die Motive zeigten die Gegenstände dann nicht realitätsgetreu, sondern stark verfremdet.
Auch viele zeitgenössische Fotografen nähern sich wieder dem Surrealismus an. Insbesondere die digitale Bildbearbeitungssoftware ermöglicht es ihnen, Fotografien im Stil eines Dalí oder Magritte zu verfremden.
Beispiele dafür findet man auf Instagram, wo Fotokünstler wie Monica Carvalho, Annegien Schilling und Murot Akyol ihre Träume in Bilder verwandeln.
Träume als Botschaften des Unterbewusstseins
Seit jeher ist der Mensch fasziniert vom Traum. Dies spiegelt sich nicht nur in den traum- und albtraumhaften Motiven surrealistischer Kunst wider. Nicht wenige meinen, dass in unseren Träumen das Unterbewusstsein aktiv wird und uns in Form von Symbolen Botschaften über uns selbst übermittelt.
Oft verarbeiten wir in unseren Träumen jedoch ganz einfach Alltagserlebnisse der vorangegangenen Tage. Aber auch Sehnsüchte, tiefsitzende Ängste und geheime Wünsche können sich in ihnen widerspiegeln.
Psychoanalytiker wie Sigmund Freund und Carl Gustav Jung glaubten, dass man durch die Deutung von Träumen wesentliche Erkenntnisse über das Unterbewusstsein des Träumenden erlangen könne. Weiterführende Informationen zur Traumdeutung finden Interessierte auf der Seite Viversum.
Dauerausstellungen surrealer Künstler
Seit 2009 kann man in Berlin die Werke des wohl bekanntesten Surrealisten in der Dauerstellung "Dalí - Die Ausstellung am Potsdamer Platz" bewundern. Mehr als 450 Exponate sind dort ausgestellt, die Einblick in die surrealen Visionen des spanischen Malers geben.
Bekannt für seine beklemmend albtraumhaften Kunstwerke und seine sogenannten "Biomechanics" (Mischwesen, in denen Technologie und Körper miteinander zu verschmelzen scheinen) ist der erst vor wenigen Jahren verstorbene Künstler HR Giger - einer der einflussreichsten Surrealisten der vergangenen Jahrzehnte, der auch Filmdesigns für diverse Hollywood-Produktionen entwarf.
Das ihm gewidmete und von ihm selbst eröffnete Giger-Museum können Kunstinteressierte in dem Schweizer Städtchen Greyerz besuchen.
Dem Surrealismus sehr nahe steht der sogenannte "Phantastische Realismus", der wesentlich vom österreichischen Maler Ernst Fuchs geprägt wurde. Seine farbenprächtigen Arbeiten kann man imErnst Fuchs Museumin Wien bestaunen.


Traumwelten im Surrealismus, zerfließende Gegenstände, seltsame Mischwesen und grotesk verzerrte Gebäude und Landschaften. Foto: Taymaz Valley cc by 2.0 flickr