Gesellschaft Freunde der Künste
Tiere leiden für die Produktion von Merinowolle

Pro Jahr werden in Australien zehn Millionen Lämmer ohne Betäubung verstümmelt 

In Deutschland vertriebene Merinowolle kommt mehrheitlich aus Australien. 

Unter welchen grausamen Bedingungen diese Wolle produziert wird, zeigt jetzt ein neuer Bericht von VIER PFOTEN in Zusammenarbeit mit den australischen Tierschutzorganisationen Humane Society International Australia und Australian Alliance for Animals:

Millionen von Merino-Lämmer werden für die australische Wollproduktion verstümmelt, und das, obwohl die australische Wollindustrie bereits 2004 angekündigt hatte, die Praxis des sogenannten ‚Mulesing' endgültig zu beenden.

Bei der Lämmerverstümmelung, dem sogenannten ‚Mulesing', werden Merino-Lämmern ohne Betäubung große Hautstreifen am Gesäß weggeschnitten, um einen Befall mit Fliegenmaden zu verhindern.

„Pro Jahr werden in Australien zehn Millionen Lämmer ohne Betäubung verstümmelt 

Die Schmerzen halten tagelang an, die Wunden brauchen Wochen, um zu verheilen.

Zusammengenommen würden alle abgetrennten Hautstücke von Lämmern für die Wollproduktion der letzten zwanzig Jahre rund zweihundert Fußballfelder bedecken, eine unvorstellbare Menge, wenn man die Tierqual dahinter sieht", erklärt Leon Rein, Kampagnenverantwortlicher für Tierwohl in der Mode bei VIER PFOTEN.

Mit der Kampagne ‚Gebt Lämmern eure Stimme' appelliert VIER PFOTEN an die australische Politik, die Verstümmelung von Lämmern endlich zu verbieten.

Unterstützt wird die Tierschutzorganisation dabei von internationalen Stars wie der australischen Schauspielerin Danielle Macdonald und dem US-Schauspieler Scott Evans sowie dem britisch-österreichischen Schauspieler und Drehbuchautor Stephen Frey.

Die Industrie kündigte einen Ausstieg an, der nie vollzogen wurde

Im Jahr 2004 hatten führende Vertreter der australischen Wollindustrie angekündigt, die sogenannte Lämmerverstümmelung bis 2010 abzuschaffen.

Ein Jahr vor dem Auslaufen der Frist ruderte die Industrie trotz schmerzfreier Alternativen zurück.

Der jetzt veröffentlichte Markenkompass von VIER PFOTEN zeigt:

Immer mehr internationale Modemarken verpflichten sich, nur zertifizierte Wolle, für die keine Lämmer verstümmelt wurden, zu verwenden. 

Zehn der einhundert beliebtesten Modemarken in Deutschland verwenden bereits zu einhundert Prozent zertifizierte Wolle, bei der der Einsatz von Lämmerverstümmelung ausgeschlossen ist.

Und 61 von 100 Modeunternehmen haben sich verpflichtet, bis spätestens 2030 vollständig auf lämmerverstümmelungsfreie Wolle umzusteigen. 

Auch die Anzahl von Wollproduzenten, die auf Fliegenmaden-resistente Schaf-Rassen setzen, ist mittlerweile auf über viertausend gestiegen.

„Zwanzig Jahre Lippenbekenntnisse der Industrie sind genug. Wir können nicht zulassen, dass Millionen Lämmer weiterhin für Merinowolle leiden müssen.

Wir fordern daher von der australischen Politik ein Verbot der tierquälerischen Lämmerverstümmelung und einen Ausstieg der Industrie bis spätestens 2030", sagt Leon Rein.

Hintergrund

Australien ist der weltweit größte Wollproduzent, der 70 Prozent der in der globalen Modeindustrie verwendeten Wolle für Bekleidung und einundachtzig Prozent der weltweit produzierten feinen Merinowolle erzeugt.

Bei der Lämmerverstümmelung, auch bekannt als ‚Mulesing', werden Lämmern im Alter von zwei bis zwölf Wochen noch immer große Hautstreifen vom Hinterteil ohne angemessenes Schmerzmittel abgeschnitten, obwohl die Alternative, Fliegenmaden-resistente Merinoschafe zu züchten, bereits lange erfolgreich erprobt ist.

Das weltweite Engagement von Modeunternehmen gegen Lämmerverstümmelung gewinnt zunehmend an Dynamik.

Mehr als dreihundert Unternehmen haben sich öffentlich zu zertifizierter ‚Mulesing'-freier Wolle verpflichtet, neunzig internationale Unternehmen haben die Absichtserklärung von VIER PFOTEN unterzeichnet.

Darunter Hugo Boss, Adidas und Mango. Diese Marken setzen sich nicht nur für eine Zukunft ohne Lämmerverstümmelung ein, sondern fordern die australische Wollindustrie und die Regierung auf, diese Praxis bis 2030 zu beenden.