Gesellschaft Freunde der Künste
Wiederveröffentlichung

Neuauflage von Weekend zum 30-jährigen Jubiläum - Kreidler – Weekend (1996 – 2026

Weekend – vor 30 Jahren erschienen – kann man als das erste ausgereifte Statement von Kreidler bezeichnen. Mit diesem Album wurde Kreidler zu einer Band: Weekend führte die losen Fäden ihrer früheren Arbeiten zusammen und leitete eine Reise ein, die bis heute andauert.

1996 wurde Weekend sowohl in der deutschen Presse als auch international begeistert aufgenommen. Die Band gab Konzerte in Westeuropa, tourte durch Frankreich, hatte ihre ersten Auftritte in London und zog ein großes Publikum zu ihren Konzerten.

Der Song Reflections wurde ein kleiner Hit und lief in Rotation auf MTV und Viva.

Die Düsseldorfer Gruppe, bestehend aus Thomas Klein, Andreas Reihse, Stefan Schneider und Detlef Weinrich, begann im Winter 1995/96 mit der Arbeit an dem Album. Die meisten Songideen waren als Improvisationen während Soundchecks vor Konzerten entstanden und wurden oft als Zugaben gespielt.

Im April machte sich Kreidler auf nach Berlin, um in einem Studio, das Bernd Jestram im Milchhof in Prenzlauer Berg eingerichtet hatte, aufzunehmen, was Weekend werden sollte. Die Band arbeitete zügig – dank ihrer jüngsten Auftritte war sie gut eingespielt. Sie nahm die meisten Songs in ein oder zwei Takes auf, mit einigen Overdubs und geringfügigen Bearbeitungen.

Am 20. April spielte Kreidler im Eimer in Berlin-Mitte. Der Eimer war ein zum Club gewordenes verwaistes Wohnhaus mit einem riesigen Loch in einer der Etagendecken. Am Rande des Loches spielten die Bands im oberen Teil, während das Publikum eine Etage tiefer lauschte und guckte.

Nach dem Auftritt begab sich die Menge auf den Dachstuhl, um dort mit Digital-Hardcore-DJs weiterzufeiern. Jutta Bächner war dabei.

Andreas war mit Jutta in Kontakt gekommen, als sie Promoterin für Acts und Labels elektronischer Tanzmusik war und er für das Düsseldorfer Stadtmagazin Terz schrieb. Schnell freundeten sie sich an. Und als sie 1995 das Label Kiff SM gründete, war klar, dass Kreidler dort veröffentlichen würde.

Weekend erschien im Oktober 1996 und erhielt eine Fülle positiver Kritiken. „Sie hätten keinen besseren Moment wählen können, um aufzutauchen“, schrieb Mark Roland in FM.

„Man kann sich genau vorstellen, wie diese Truppe sich alles aus dem Stegreif ausdenkt, sich in die Nacht hinein spielt und sich in eine Art Lo-Fi, auf das Wesentliche reduzierte technische Ekstase versetzt –  während ein Zweispur-Tonbandgerät leise alles aufzeichnet“ und bewertete das Album mit 5 von 5 Sternen.

Weekend wurde in den unterschiedlichsten Szenen wohlwollend rezipiert. Die Musik wurde als Post-Rock, Downbeat, Electronica beschrieben und – natürlich – in eine bestimmte Tradition des Krautrock eingeordnet, nämlich die des Rheinlands mit Kraftwerk, NEU! und Can. 

Es gab begeisterte Kritiken in Club-/Techno-Magazinen, so zum Beispiel Bleed in Frontpage:

„Die Stimmung, die ihre Stücke immer wieder erzeugen, ist mehr als nur ein Wochenende genaue Beschreibung dessen, was sich um einen herum noch bewegen kann, sondern ein für die nächsten Jahre festgeschriebenes Moment der Klärung eines unvereinbaren Zusammenhangs zwischen Mensch Maschine und dem Universum, wie es mal war.

In gewisser Weise sind Kreidler, so angenehm hörbar sie sind, radikaler als viele andere Versuche digitale Klangästhetik auf den Bereich des Hörbaren zu reduzieren, und erst recht weiter als die immer wieder mit musikalischem Können das Elektronische simulieren wollenden Tortoise. Unglaublich gute Platte.“

Aber auch in Jazzthing: „Weekend läßt ein absolut eigenständiges und entsprechend autark handelndes Konglomerat von Musikern und Tüftlern vermuten.

Und zwar solche, die nicht nur ihr Handwerk verstehen, sondern auch wissen, wie viel Raum und Zeit wirklich gute Musik braucht, um richtig abheben zu können.“ 

Rob Young in The Wire: „Weekend ist ein echter Blitz aus heiterem Himmel, ein trügerisch einfaches Instrumentalwerk, trocken produziert und nahezu makellos. Ein schillerndes 14-Stücke-Set, das das doppelte Erbe von DAF und Felt entstaubt.“

Oder Chris Hill in Westnet: „Weekend ist aufgeteilt zwischen dem vertrauten, klassischen Schauplatz von Bassgitarre und Schlagzeug und dem elektronischen Gefilde von Keyboards und Samples – für ein zugleich einladendes und wohlwollend fremdartiges Erleben. Hört rein und ihr werdet verstehen, weshalb Momus, David Bowie und Stereolab zu ihren Fans zählen.“

Schließen wir mit Ned Raggett von AllMusic: „Der Einsatz sanfter, glockiger Keyboard-Parts an vielen Stellen sorgt jedoch für einen reizvollen, sanften Kontrast und verleiht den dunkleren, schwereren Elementen der Songs eine gewisse Zartheit.

Es ist eine zurückhaltende Spannung, die jedoch wunderbar funktioniert und so großartigen Songs wie Reflections und La Fille En Beige das gewisse Etwas verleiht, das das Potenzial von Kreidler im Ganzen verdeutlicht.“

In Jahresrückblicken fand man das Album in den Kritikercharts, beispielsweise im Magazin „Spex“, wo außerdem die Leser_innen Kreidler zum „Newcomer des Jahres“ wählten.

Dreißig Jahre später, im Jahr 2026, und Kreidler ist unermüdlich. Mehr als 1.000 Auftritte in über 30 Ländern, mit einer Diskografie, die 20 Alben sowie zahlreiche weitere Veröffentlichungen umfasst.

Die Band, als Trio aus Thomas Klein, Andreas Reihse und Alexander Paulick, hat erst im Mai diesen Jahres Ihre jüngste LP Schemes veröffentlicht, und das nächste Album ist bereits für Januar 2027 geplant.

Diese Neuauflage von Weekend zum 30-jährigen Jubiläum feiert die Anfänge von Kreidler, während der Blick der Band fest auf die Zukunft gerichtet bleibt.