Gesellschaft Freunde der Künste
Allein gegen die Kunstwelt

Nam June Paik, anfangs belächelt und später als Erfinder der Videokunst gefeiert

Allein gegen die Kunstwelt agierte viele Jahre lang Nam June Paik: Der Koreaner experimentierte mit Fernsehern, um ihr kreatives Potential auszuloten.

Dafür wurde er anfangs belächelt und später als Erfinder der Videokunst gefeiert.

Seinen Pioniertaten widmet Regisseurin Amanda Kim mit "Nam June Paik: Moon is the Oldest TV" eine so abwechslungsreiche wie vergnügliche Doku - eine längst verdiente Würdigung.

(Kinostart: 11.9.) Der Mann, der Youtube vorwegnahm: Mit exzentrischen TV-Experimenten wurde Nam June Paik zum Erfinder der Videokunst.

Wie der berühmteste koreanische Künstler anfangs belächelt und später als visionärer Pionier gefeiert wurde, zeichnet die Doku von Regisseurin Amanda Kim fesselnd nach.

Welcher andere Künstler kann sich wie Nam June Paik (1932-2006) rühmen, eine ganze Kunstsparte aus der Taufe gehoben zu haben?

Selbst Pablo Picasso und Henri Matisse hatten mehrere Mitstreiter, als sie den Kubismus und den Fauvismus ausarbeiteten.

Doch Nam June Paik erfand die Videokunst quasi im Alleingang.

Zwar gab es Zeitgenossen wie Les Levine oder sein Fluxus-Kollege Wolf Vostell, die ebenfalls TV und Video benutzten.

Aber allein Paik trieb das konsequent jahrzehntelang voran, um das Potential der elektronischen Medien auszuschöpfen.

Eine seiner flackernden und blinkenden Installationen besitzt fast jedes bessere Museum für zeitgenössische Kunst.

Doch seine Person ist in letzter Zeit aus dem Blick geraten; was daran liegen mag, dass die Technik, mit der er hantierte, inzwischen recht antiquiert anmutet. Klobige Röhrenfernseher, dicke Kabelbündel und massige Steuerpulte:

Vor der Digitalisierung kam TV-Technik sehr raumgreifend und robust daher. Nichtsdestoweniger hat Paik die heutige Medienlandschaft mit geradezu beunruhigender Treffsicherheit vorausgeahnt.

Mosaik passgenauer Puzzlestücke

Das führt diese Doku vor, die ihm die koreanisch-amerikanische Regisseurin Amanda Kim widmet: Trotz konventionell chronologischen Aufbaus beeindruckt sie mit liebevoll kleinteiliger Ausgestaltung.

Kim hat Dutzende von Freunden und Zeitzeugen interviewt, zudem unzählige Archive gesichtet.

Aus Hunderten von Filmschnipseln setzt sie ein Mosaik zusammen, dass trotz rascher Schnittfolge nie hektisch oder willkürlich wirkt:

Passgenau fügen sich die Puzzlestücke zum lebendigen Porträt zusammen.

Kunst+Film-Redaktion

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Nam June Paik: Moon Is The Oldest TV (offizieller Trailer)