Sieben Ausrufezeichen, und trotzdem geht folgender Satz runter wie Öl: !!! veröffentlichen ihr neues Album THR!!!ER am 26. April 2013! Es ist bereits das fünfte Studioalbum der an beiden US-Küsten beheimateten Band, zugleich ihr dritter Longplayer für Warp Records.
!!!, noch immer „chk chk chk“ gesprochen und ganz klar den Tanzflächen dieser Welt verpflichtet, gelingt darauf eine lässige Grätsche: Sie feuern nacheinander diverse Singlekandidaten ab in Richtung Tanzfläche, kombinieren sie aber so perfekt zu einem schlüssigen Ganzen, dass ihr THR!!!ER auch als Album bestens funktioniert.
Neu ist dabei, dass die Dance-Punk-Crew, bekannt für ihre krassen Live-Shows, dieses Mal noch mehr Augenmerk auf die Songtexte und den Aufbau der Songs gelegt hat. Unterstützt wurden sie dabei von Jim Eno, seines Zeichens Schlagzeuger der Band Spoon, der THR!!!ER gemeinsam mit !!! produziert hat.
„I suppose it’s never enough/ you get what you want, then you want what was/ but I’d rather worry about my existential crisis/ laying on a beach where the sun sets the nicest“ – „Get That“
Als es darum ging, das neue Album zu konzipieren und zu schreiben, war allen Mitstreitern der Band von Anfang an klar, dass sie ihren Sound wenn schon nicht neu definieren, so doch zumindest erweitern und überarbeiten mussten: „Ja, es ist ein Album geworden, dass sich in jeder Hinsicht massiver und größer anfühlt“, meint auch der Sänger Nic Offer. „Es ist spontaner entstanden, und so gesehen sind die Tracks auch näher am Leben, an der eigenen Erfahrung angesiedelt. Und wir waren einfach viel fokussierter bei der Sache: Die Texte mussten einfach noch besser werden, die Refrains mussten besser sein – das war die Stoßrichtung. Und dann haben wir einfach sämtliche Register gezogen und uns immer weiter gepusht.“
„Well, friends told her this and friends told her that/But friends don’t choose what echoes in your head“ – „Even When The Water’s Cold“
Die Arbeit an THR!!!ER begann, nachdem Nic Offer während des SXSW-Festivals 2011 Jim Eno in dessen Studio in Austin besucht hatte. Auch wenn der Flieger der Band schon wenige Stunden später wieder gehen sollte, kehrten der Sänger und seine Jungs schon bald zurück und absolvierten im Frühjahr und Sommer 2012 eine ganze Reihe von Aufnahmesessions in Austin. !!! und Spoon waren dabei schon vorher befreundete Bands gewesen, kein Wunder also, dass Gitarrist Mario Andreoni die Arbeit mit Jim so gut gefallen hat: „Wir alle stehen auf den Sound und den Vibe der Alben von Spoon, und Jim hat uns regelrecht dazu gezwungen, noch mehr auf den Punkt zu kommen – in jeder Hinsicht: Was den Einsatz der Instrumente, den Aufbau der Songs oder auch was die Texte angeht. Alles Überflüssige musste weg, und es durfte nur das dableiben, was wirklich unentbehrlich war.“
Jim hingegen war zwar (wie so viele Leute) ein absoluter Fan von ihrer Liveshow, doch hatte er den Eindruck, dass die Band zu sehr damit befasst war, den Vibe ihrer Konzerte auch im Studio kreieren zu wollen. Stattdessen legte er ihnen nahe, einfach mal auf andere, ausgefallenere Sounds zu setzen, ganz andere Dynamiken auszuprobieren, auch innerhalb einzelner Songs, und überhaupt mehr unerwartete Elemente einzubauen. „Ihre Arbeitsroutine im Studio war schon etwas festgefahren, und ich wollte ihnen dabei helfen, diese Routine einfach mal wieder aufzubrechen“, sagt Jim. „Diese Jungs sind allesamt begnadete Musiker, und wer so gut ist, der darf auch ruhig mal drauflos spielen und einfach auf Aufnahme drücken.“ Laut !!! war genau das derjenige Impuls, der THR!!!ER zu einem dermaßen schlüssigen, kohärenten Album gemacht hat.
Inzwischen an beiden Küsten der USA beheimatet, können !!! bereits auf eine mehr als 10-jährige Bandgeschichte zurückblicken: Offer, Keyboarder Daniel Gorman und der neue Bassist Rafael Cohen (zuvor Teil von El Guapo und Supersystem) leben in Brooklyn, während Schlagzeuger Paul Quattrone in Pittsburgh wohnt, Keyboarder Allan Wilson in Portland und Andreoni der einzige ist, der noch in Sacramento lebt, wo die Band in den Neunzigern gegründet wurde. Es ist daher wenig überraschend, dass die Arbeit an neuem Material immer auch einen gewissen logistischen Aufwand mit sich bringt: „Früher haben wir eigentlich immer improvisiert, was das angeht“, berichtet Andreoni. „Im Klartext hieß das, dass wir meistens ein paar lose Ideen hatten und dann irgendwo eine Jam-Session veranstaltet haben. Für THR!!!ER jedoch war alles schon fertig konzipiert, als wir ins Studio gingen; wir wussten also zum ersten Mal schon vorher, wie die einzelnen Songs aufgebaut sein mussten.“
Wie gut sie vorbereitet waren, hört man sofort – an den noch eingängigeren Refrains, den krassen Wendungen, die ihre Songs nehmen, und dem perfekt durchdachten Aufbau der Stücke. „One Girl/One Boy“ ist z.B. eine ultimative Dancefloor-Nummer, während die massive Bassline von „Get That Rhythm Right“, das Jas Shaw von Simian Mobile Disco produziert hat, einen bis in die hinterste und dunkelste Ecke des Clubs entführt. „Slyd“, das Kernstück der LP, produziert von der Band und Patrick Ford, verneigt sich vor diversen Cut-And-Paste-Klassikern, doch da Sampling heutzutage viel zu kompliziert und teuer geworden ist, haben !!! die vermeintlichen Samples kurzerhand alle selbst eingespielt. Auf dem letzten Track des Albums, „Station (Meet Me At The)“, zeigen sich !!! von einer Seite, die sie so noch nie präsentiert haben: ruppig, roh, direkt, ungefiltert, fast schon brachial – aber auch diese eher dreckige Attitude klingt hier kein bisschen aufgesetzt, weil’s ja trotzdem in die Hüfte geht.
Auch wenn er THR!!!ER gesanglich immer wieder seinen Stempel aufdrückt, wird Nic Offer wiederholt von diversen Albumgästen am Mikrofon unterstützt: Bassist Cohen singt das etwas mürrisch voran stampfende „Fine Fine Fine“, während zu den Gastsängerinnen unter anderem die ebenfalls von Sacramento nach NYC übergesiedelte Teresa Eggers zählt, wie auch Erika Wennerstrom (Heartless Bastards) und Sonia Moore aus Austin – deren „Yeah-yeahs“ manch einer schon von MC Hammers „2 Legit 2 Quit“ kennen wird...
„Wir waren noch nie eine Band, die zwei Mal hintereinander dasselbe Album aufnimmt“, meint Offer abschließend. „Kann zwar sein, dass dann doch recht ähnliche Resultate dabei herausgekommen sind, aber wir haben jedes Mal zumindest versucht, etwas Neues zu machen. Und dieses Mal hat sich das ehrlich gesagt so angefühlt, als wären wir mal so richtig weit rausgepaddelt.“
„If you’ve seen one cathedral/then baby you’ve seen ’em all/I asked her what they were like/she told me they were tall/she said if there’s a god and he’s a heard one prayer/then baby, he’s heard ’em all“ – „Except Death".
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Bild 1-3: !!! (chk chk chk) © Andrew Youssef


Bild 4: Album "Thr!!!ler!" © Warp/Rough Trade