Mit dem Schlagwort "Entdeckung!" sind Museen leicht bei der Hand, doch in diesem Fall stimmt es tatsächlich: "Ludwig Münstermann" erlebt seine erste Einzelausstellung im Landesmuseum Oldenburg - nach 400 Jahren.
Der Bildhauer stattete norddeutsche Kirchen mit Holzskulpturen im Stil des Manierismus aus - seine gewagten bis abseitigen, fast schon psychedelischen Figuren verblüffen noch heute.
Kunst-Revolutionär im Oldenburger Land:
Für dortige Kirchen schnitzte Ludwig Münstermann um 1600 höchst eigenwillige Skulpturen. Sein Manierismus ist skurril, grotesk, gewagt und südlich von Bremen kaum bekannt.
Das Landesmuseum widmet ihm die erste Einzelausstellung – eine echte Entdeckung!
Dieser Apoll ist geknickt, buchstäblich. Der sonst immer so strahlend schöne und jugendliche Gott hat eine herbe Schlappe einstecken müssen:
Er ist im musikalischen Wettstreit mit dem biblischen König David unterlegen.
Jetzt runzelt er mürrisch die Stirn, fingert nervös im Gewandtuch und sinkt in sich zusammen.
Nichts an diesem holzgeschnitzten Apoll entspricht klassischen Regeln der Kunst; schön ist der betagte Bartträger mit seinem ausgemergelten Leib nach herkömmlichen Maßstäben schon gar nicht.
Stattdessen hat ihn der Bildhauer Ludwig Münstermann (um 1575-1637/8) mit Ausdruck gefüllt.
Die ganze, aus einem Eichenholzblock geschnitzte Gestalt scheint voller ambivalenter Empfindungen zu stecken, zumal wenn man sie von verschiedenen Seiten betrachtet.
Zuckt da ein mokantes Lächeln um die Lippen des Sängers, setzt er gar zum Widerspruch an?
Von einer Kirchenorgel stammt das erstaunliche Meisterstück; es misst vom Lorbeerkranz bis zum sehnigen Zeh keine 100 Zentimeter.
40 Exponate, alle Fragmente
Die meisten Figuren Münstermanns sind noch kleiner. Nahezu alle finden sich bis heute im Oldenburger Land, wo sie entstanden sind: einer sehr flachen, dünn besiedelten Region zwischen Kuhweiden und Viehherden.
Hätte der Hochbegabte dort nicht so vermögende Auftraggeber gefunden, wäre er vielleicht andernorts zu großem Ruhm in der Kunstgeschichte gelangt.
Doch es kam anders. Nun bemüht sich das Oldenburger Landesmuseum nach Kräften um seine Anerkennung:
Sämtliche 40 Stücke vom Meister und seiner Werkstatt aus eigenem Bestand werden in dieser ersten Ausstellung gezeigt, die allein ihm gewidmet ist. Es sind allerdings durchweg Fragmente, auch der Apoll.
Kunst+Film-Redaktion
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Ludwig Münstermann: Geflügelter Teufel vom Tossener Altar, 1631, Landesmuseum Kunst und Kultur Oldenburg, Foto Sven Adelaide. Fotoquelle: Landesmuseum Oldenburg