Gesellschaft Freunde der Künste
Festspielkünstler Jonny Niesche

Jonny Niesche ist der diesjährigen Festspielkünstler der Münchner Opernfestspiele

Zu den diesjährigen Münchner Opernfestspielen wird erneut ein Festspielkünstler Werke für die Bayerische Staatsoper gestalten: Der australische Künstler Jonny Niesche wird nicht nur die Säulenverkleidung an der Fassade des Nationaltheaters schaffen, sondern auch Werke für den Königsaal sowie die Portraitgalerie.
 
Mit Fokus auf das Zusammenspiel von Licht, Farbe und Architektur nähert sich Jonny Niesche mit seiner malerischen Intervention dem klassizistischen Gebäude der Bayerischen Staatsoper.

Zeitgleich mit der Eröffnung der diesjährigen Münchner Opernfestspiele kleidet er die Architektur des Nationaltheaters in seine Arbeit.

Im Inneren befinden sich dreidimensionale, quadratische Bilder, die ein pastellenes Farbspektrum zeigen und geometrisch auf dem Boden des Königssaals angeordnet sind.

Dabei sind die Schnittstellen zwischen Innen- und Außenraum – die Fenster des Königssaals – mit Goldfolie belegt, die den Prunk des Königssaals nach außen tragen und im Inneren ein warm schimmerndes, weiches Licht erzeugen.

Kürzlich entstandene Arbeiten werden an den Wänden der künstlich beleuchteten Korridore, in denen sich auch die Porträtgalerie der Bayerischen Staatsoper befindet, präsentiert.

Auf der Außenseite verhüllen große, pastellfarbene, blau-rosa Drucke die ionischen Säulen des Portals des Nationaltheaters.

Niesches langjährige Faszination für die Essenz der Malerei – die visuelle Wirkung, die durch das Auftragen von Farbe auf flache Materialoberflächen entsteht – wurzelt in Josef Albers'
Farbtheorie.

In seinem Buch The Interaction of Colour (1963) unterscheidet der deutsche Maler zwischen der physischen Realität einer Farbe (faktische Tatsache) und ihrer physiologischen Wirkung (tatsächliche Tatsache).

Da Albers während des Zweiten Weltkriegs in die Vereinigten Staaten emigrierte, wo er seine Lehrtätigkeit fortsetzen konnte, wurde eine junge Generation amerikanischer Minimalkünstler mit seinem Umgang mit Farbe vertraut gemacht.

Das Werk von Niesche ist tief inspiriert vom Erbe der amerikanischen Malerei, die auf Albers' künstlerischen Ansatz zurückgeht, sowie von Frank Stellas quadratischen Arbeiten.

Vor dem Hintergrund des modernistischen Strebens der Malerei nach der Medienspezifität der Kunst, das an der traditionellen Leinwand als Träger der Malerei festgehalten hat, hat diese seit der Postmoderne zunehmend ihren spezifischen medialen Charakter verloren.

In diesem Licht betrachtet, präsentiert uns die ortsspezifische Installation von Niesche die Frage, was zeitgenössische Malerei heute ausmacht auf dem goldenen Tablett.